Bibliophile Notizen
Gerne informieren wir Sie hier von Zeit zu Zeit über Neuigkeiten und Aktivitäten
aus der Gemeinschaft der Bücherfreunde und -sammler.
Weltpremiere: Museum Wiesbaden präsentiert «Die Blauen Reiterinnen»
23. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027
Die Blauen Reiterinnen
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Else Lasker-Schüler war’s: Sie nannte sich in einem Brief an Marianne von Werefkin «des blauen Reiterreiterin Freundin», was nun – ohne die Verdoppelung – in den Ausstellungstitel mit einfloss.
Erstmals werden die zwölf Blauen Reiterinnen gemeinsam präsentiert. Bühne frei für: Erma Bossi, Sonia Delaunay-Terk, Emmi Dresler, Elisabeth Epstein, Elisabeth Erdmann-Macke, Natalia Goncharowa, Else Lasker-Schüler, Maria Franck-Marc, Olga Meerson, Carla Pohle, nicht zuletzt für Gabriele Münter und Marianne von Werefkin, die besonders wichtige Impulsgeberinnen auf dem Weg des Blauen Reiter in die expressionistische Moderne waren!
Am gestrigen Donnerstagabend wurde mit großem Besucherandrang die unter der Schirmherrschaft der Schauspielerin Iris Berben (die für ihre wunderbare Rede gefeiert wurde) stehende Ausstellung Die Blauen Reiterinnen im Museum Wiesbaden eröffnet. Nahezu unerforscht blieb bis heute, wie groß ihr Anteil im Umfeld des Blauen Reiter an der Entwicklung der Moderne war, welche Strategien und Netzwerke sie nutzten.
Eine Kurskorrektur war längst überfällig: So lädt die Ausstellung zur Wiederentdeckung und Neubewertung der nach 1945 zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Künstlerinnen ein.
Das kunsthistorisch bedeutende Ausstellungsprojekt, das viel Neues zu Tage förderte, ist eine Kooperation des Museums Wiesbaden mit dem Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München sowie der Fondazione Marianne Werefkin, Ascona.
Dr. Andreas Henning, Direktor Museum Wiesbaden: «Die große Ausstellungstournee ‹Die Blauen Reiterinnen› in Wiesbaden eröffnen zu dürfen, ist ein besonderer Moment in der Geschichte unseres Museums. Die erste Werkschau zu den Künstlerinnen des Kreises mit größtmöglichem wissenschaftlichem Ertrag war nur möglich durch die mehrjährige intensive, sehr glückliche Kooperation mit unseren Partnern in Bremen, München und Ascona.»
Dr. Roman Zieglgänsberger, Kurator der Wiesbadener Ausstellung: «Wenn man die Werke der Künstlerinnen aus dem Kreis des ‹Blauen Reiter› in einer großen Überblicksschau präsentiert, diese endlich aus dem Hinter- in den Vordergrund holt, eröffnen sich neue Perspektiven. Die festgefahrenen Interpretationen, entstanden aus jahrzehntelang gepflegten, männlich zentrierten Blick, werden jetzt nachvollziehbar aufgebrochen: Plötzlich wirken dieselben Bilder inhaltlich vielschichtiger, thematisch mehrdimensional und treffen damit nicht selten direkt ins Mark der heutigen Zeit.»
Die Ausstellung wandert nach dem Start in Wiesbaden weiter, wobei jedes Museum seine eigenen Schwerpunkte setzt:
13.3. bis 29.8.2027
Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen
12.10.2027 bis 24.4.2028
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München
ab Juni 2028
Museo Comunale Ascona
Katalog: Die blauen Reiterreiterinnen. Hrsg. v. Henrike Hans, Melanie Vietmeier, Roman Zieglgänsberger. München: Hirmer 2026. 336 S., 225 Abb., Klappenbroschur, 21×28 cm, 40 € (Museumskasse)
Bild: Marianne von Werefkin, Der Tänzer Alexander Sacharoff, 1909. © Fondazione Marianne Werefkin, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona. Foto: Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona
Wiesbaden: «Die Blauen Reiterinnen» und «Orlando’s Library»
bis 21. Februar 2027
Orlando’s Library und Die Blauen Reiterinnen
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Im Anschluss an die elf Säle umfassende Ausstellung Die Blauen Reiterinnen zeigt die Berliner Künstlerin Daniela Comani ihre ortsspezifische Installation Orlando’s Library.
Dafür fotografierte sie Bücherregale und platzierte die Vorderseiten von rund 200 manipulierten Einbänden (in verschiedenen Sprachen und Ausgaben) in einer Art Trompe-l’œil digital in den Regalen. «Die Bücherregale sind auf Vliestapete gedruckt und direkt an der Wand angebracht, was die Illusion von Tiefe und Raum erzeugt und zu einem hyperrealistischen Effekt beiträgt» (zitiert aus Comanis Buch A–Z von 2023, im Museumsshop 30 €).
Die Größe der Vließtapete richtet sich nach den jeweiligen räumlichen Bedingungen. Die Buchauswahl präsentiert viele Themen (Sichtbarkeit, Überwindung gesellschaftlich festgelegter Rollenbilder, Teilhabe oder Machtverteilung), mit welchen die Blauen Reiterinnen zu Beginn des 20. Jahrhundert zu kämpfen hatten und die im Hier und Jetzt wiederkehren und diskutiert werden können.
Foto: Silvia Werfel
Klassik Stiftung Weimar: «Goethe außer Haus»
Schließphase eingeläutet: Ab dem 2. November 2026 wird das UNESCO-Welterbe-Ensemble Goethes Wohnhus mit Hausgarten und Pavillons denkmalgerecht instandgesetzt.
Zum Abschiedswochenende (30. Oktober bis 1. November 2026) ist das Wohnhaus zum letzten Mal für Besucher:innen geöffnet. Interessierte können sich im Foyer des Goethe-Nationalmuseums über die anstehenden Maßnahmen informieren. Eine Wiedereröffnung von Goethes Wohnhaus ist voraussichtlich 2029 geplant.
Um Besuchereingang und Dauerausstellung im Goethe-Nationalmuseum während der dreijährigen Sanierungsphase für den Besucherverkehr offenhalten und durch neue digitale Angebote ergänzen zu können, müssen im November 2026 Umbaumaßnahmen in Foyer und Vortragsraum durchgeführt werden. Deshalb schließt das gesamte Goethe-Nationalmuseum vom 2. November bis zum 30. November 2026 für den Publikumsverkehr.
Während der Schließung gibt es künftig unter dem Motto «Goethe außer Haus» alternative Vermittlungs- und Serviceangebote – im digitalen Raum sowie vor Ort in diversen Häusern der Stiftung.
Im Zentrum steht das Goethe-Nationalmuseum, das ab dem 1. Dezember 2026 mit seiner Dauerausstellung Lebensfluten – Tatensturm wieder regulär für den Publikumsbesuch öffnet und über die Schließphase hinweg mit schrittweise ergänzten Inhalten wie Mit-Mach-Stationen neue Besuchsanlässe schafft. Als Ersatz für das geschlossene Wohnhaus gibt es zudem neue Vermittlungsangebote in Foyer sowie im Digitalen Salon des Museums. Mit VR-Brillen erleben Gäste u.a. einen virtuellen Rundgang durch Goethes Wohnhaus.
Hier finden Sie weitere Informationen zur denkmalgerechten Instandsetzung und kuratorischen Überarbeitung des Goethe-Wohnhaus-Ensembles sowie zur Spendenaktion #WoistGoethe.
Im Goethe- und Schiller-Archiv ist noch bis 13. Dezember 2026 die Ausstellung Zwischen Ordnung und Verlust. Die Entstehung der ‹Marke› Goethe zu sehen. Hier der Flyer zum Download:
Bild: Blick in Goethes Wohnhaus. © KSW, Foto: Gordon Welters
Wiesbaden: Politische Plakate 1918 bis 1933 – verlängert
verlängert bis 22. November 2026!
Unter Druck. Politische Plakate 1918 bis 1933
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Die rund achtzig Plakate aus der Sammlung von Maximilian Karagöz zeigen, wie die visuelle Kommunikation mittels Plakat zur Zeit der Weimarer Republik genutzt wurde: für Information, Einflussnahme, Manipulation. Schon im Ersten Weltkrieg wurde das Plakat zu einem wichtigen Propagandainstrument, wobei die Kriegsparteien das Medium unterschiedlich nutzten.
vgl. Bibliophile Notiz Anfang April 2026 sowie den Beitrag in der Wandelhalle für Bücherfreunde 2026-1, S. 43–45.
Bild: Louis Oppenheim, Zeichne! (1918). Sammlung Maximilian Karagöz. Foto: Museum Wiesbaden ⁄ Dirk Uebele
Frankfurt am Main: «Einst war ich älter». Johannes Heisig im Dialog mit Wolfgang Hilbig
bis 18. Oktober 2026
«Einst war ich älter». Johannes Heisig im Dialog mit Wolfgang Hilbig
MGGU – Museum Giersch der Goethe-Universität
Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main
Die Ausstellung widmet sich der künstlerischen Auseinandersetzung des Malers und Grafikers Johannes Heisig (*1953) mit dem Werk des Schriftstellers Wolfgang Hilbig (1941–2007).
Obwohl sich beide nie persönlich begegnet sind, verbindet sie die Prägung durch die DDR und die deutsch-deutsche Geschichte, die ihre Beschäftigung mit Herkunft, Erinnerung und gesellschaftlichem Wandel nachhaltig bestimmt hat. Aus Hilbigs literarischen Themen und Atmosphären entwickelt Heisig eine eigenständige Bildsprache, die existenzielle Fragen und historische Erfahrungen aufgreift, ohne die Texte zu illustrieren.
Neben bekannten Werkgruppen präsentiert die Schau erstmals eine eigens für das Projekt entstandene neue Serie von Johannes Heisig. Bücher, dokumentarisches Material sowie Audio- und Filmaufnahmen eröffnen zudem weitere Perspektiven auf das Schaffen beider Künstler und das Zusammenspiel von Literatur und bildender Kunst.
Rahmenprogramm
Do 15.10. – 18 Uhr
«Aus der Tiefe»
Corinna Harfouch liest Wolfgang Hilbig
10 € / 8 €
Fr 16.10. – 18 Uhr
«Einst war ich älter»
Künstlergespräch mit Johannes Heisig und seinem Galeristen Peter Femfert
Kostenfrei, ohne Anmeldung
Johannes Heisig: Bildnis Wolfgang Hilbig aus der Serie Bilder vom Erzählen, 2020, DIE GALERIE Frankfurt am Main © VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Foto: Lars Wiedemann
Mosbach: KunstBuch. BuchKunst
bis 28. Oktober 2026
Karl Kretschmer: BuchKunst. KunstBuch
Hospitalgasse 4, 74821 Mosbach
mittwochs und sonntags 15 bis 18 Uhr
Seine Buchobjekte bezeichnet Karl Kretschmer, Buchdruckermeister und Vorsitzender des Vereins «Druckwerkstatt», ganz schlicht als «Buchobjekte».
Der künstlerische Prozess umfasst Verformungen, Verschmelzungen und Neubeziehungen, so hat Kretschmer Bücher auch vergraben und sie erst nach einem längeren Zeitraum wieder ans Licht geholt.
Zu den Glanzstücken der Ausstellung zählt ein echtes Kunstwerk: Bei dem 454 Blätter umfassenden, handgebundenen Buch Your House von Olafur Eliasson aus dem Jahr 2006 hatte Karl Kretschmer mittels modernster Lasertechnik für jedes einzelne Blatt den Laserschnitt erzeugt. Auftraggeber war das Museum of Modern Art in New York. Lesen im herkömmlichen Sinn kann man in diesem Buch nicht. Stattdessen erfährt man auf faszinierende Art etwas von Räumlichkeit. Von Seite zu Seite wandert man in die Tiefe des Hauses und kann sich selbst an filigransten Originaldetails erfreuen. Die Idee des in Berlin lebenden Künstlers Eliasson war, das Geistige und Räumliche zu einer Einheit zu verbinden und in einem Buch – ohne Worte – darzustellen.
FBM 2026 Nachlese – Das sind Deutschlands schönste Regionalbücher
Mit dem vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Buchkunst ausgelobten Preis «Deutschlands schönstes Regionalbuch» wurden auf der Frankfurter Buchmesse 2026 diese drei Titel ausgezeichnet:
Literatur/Belletristik
Rosine De Dijn: In bevorzugter Lage. Die Waldhaus-Villenkolonie Frankenforst bei Köln (J.P.Bachem)
Aus der Begründung des Jurymitglieds Björn Lauer:
«Auf den ersten Blick wirkt dieses Buch unspektakulär – doch je länger man es in der Hand hält, desto intensiver entfaltet es seine sinnliche Präsenz. Das offene Papier des Schutzumschlags, das grobe Leinen, das liebevoll bedruckte Vorsatzpapier: Hier zeigt sich bereits die durchdachte Farbdramaturgie, in der ein kluges Grün zum leitmotivischen Element des gesamten Buches wird. Diese Entscheidung setzt sich konsequent fort in den in diesem klaren Grün gehaltenen Aufmacherseiten. Doch auch darüber hinaus überzeugt die Gestaltung: der sorgfältig gewählte, zugleich unaufgeregte Satzspiegel, die ruhige Typografie, die eingefügten Bilder und Faksimiles. Überall begegnet eine dezente, gleichwohl klar erkennbare Eleganz.»
Touristische Entdeckung
Eric Pawlitzky: Seumes Weg. Fotografien und Texte (Lunik Berlin)
Aus der Begründung des Jurymitglieds Anne Kretschmar:
«Inspiriert von Johann Gottfried Seumes Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802 rekonstruiert Eric Pawlitzky in Seumes Weg dessen Wanderung von Grimma nach Syrakus. Entstanden ist dabei […] ein Buch, das selbst den Charakter eines Reisetagebuches annimmt. Bereits das ungewöhnliche Querformat verleiht dem Buch eine eigenständige Erscheinung. Der Leineneinband im Schuber und die hochwertige Fadenheftung stehen im spannenden Kontrast zur bewusst unperfekten Gestaltung des Innenteils, welcher an einen Arbeitsdummy erinnert. Zu jeder der 95 Tagesetappen stehen sich eine Fotografie und ein lyrischer Text gegenüber. Statt Seitenzahlen geben Kilometerangaben und Orte Orientierung. Ungestrichenes Papier, sichtbare Spuren des Arbeitsprozesses und die Anmutung eingeklebter Fotografien und Notizen lassen das Buch wie ein persönliches Arbeitsbuch erscheinen. […] Am Ende führt ein QR-Code schließlich aus dem Buch hinaus auf den Weg – zum Nachwandern der rekonstruierten Route.»
Sachbuch/Ratgeber
S. Bergelt, J. Jaschnow, D. Daniels (Hgg.): unvereint/vereint (Marian Arnd)
Aus der Begründung des Jurymitglieds Anne Kretschmar:
«unvereint/vereint verweist bereits in der Umschlaggestaltung mit seinem Rot-Schwarz-Kontrast auf das Spannungsfeld, in dem sich das Buch bewegt: zwischen Trennung und Zusammengehörigkeit, zwischen unterschiedlichen Positionen und dem Versuch, diese in Beziehung zueinander zu setzen. Die Farbe Rot findet sich in der Fadenheftung des offenen Rückens wieder und macht die Bindung selbst zum Teil der Gestaltung. Auch der Wechsel zwischen Siebdruck auf der Broschur und Offsetdruck im Innenteil macht die unterschiedlichen Ebenen materiell erfahrbar. Diese Vielstimmigkeit setzt sich in der Gestaltung des Innenteils fort. Die einzelnen künstlerischen Projekte treten durch verkürzte Seiten aus dem Buchkörper hervor und erhalten dadurch einen eigenen, beinahe abgeschlossenen Raum. So werden sie auch physisch als eigenständige Positionen erfahrbar – gleichzeitig bleiben sie über die gemeinsame Bindung und den sie umgebenden Buchkörper miteinander verbunden.»
Die glücklichen Gewinner, von links: die Autorin Rosine De Dijn mit In bevorzugter Lage, der Herausgeber und Kurator Sven Bergelt mit unvereint/vereint sowie der Autor, Fotograf und Gestalter Eric Pawlitzky mit Seumes Weg. Foto: Carolin Blöink
FBM 2026 Nachlese – Jurierung der drei schönsten Regionalbücher
Auch dieses Jahr fand am Stand der Stiftung Buchkunst die öffentliche Jurysitzung zu Deutschlands Schönstem Regionalbuch statt. Zur fünfköpfigen Jury gehörten diesmal Björn Lauer (S. Fischer Verlage, Frankfurt) Anja Kronier (Buchhandlung Buch78, Neu-Isenburg), Anselm Schwindack (Edition The Quedlinburger und Vorjahressieger), Anne Kretschmar (Sandstein Kultur, Verlag und Agentur, Dresden) sowie – gleichsam als normaler Leser – der beliebte TV- und Radiomoderator Tobias «Tobi» Kämmerer.
In den Kategorien Literatur/Belletristik, Sachbuch/Ratgeber und Touristische Entdeckung waren über sechzig Bücher eingereicht und je fünf für die Shortlist nominiert worden. Sie alle wurden leidenschaftlich diskutiert. Tobias Kämmerer glänzte mit besonderem Einsatz. Er sprach von «Augen öffnender Juryarbeit», immenser Wortschatzerweiterung und parlierte perfekt über Schweizer Broschuren, Haptik und Aufschlagverhalten. Hier die Nominierten (Shortlist):
Literatur/Belletristik
Petra Palumbo: Flüsterzeit. Zwischen Herkunft und Sehnsucht (Stadler)
Literally Peace e.V. (Hg.): Humans of Stuttgart (Prima.Publikationen)
Rosine De Dijn: In bevorzugter Lage. Die Waldhaus-Villenkolonie Frankenforst bei Köln (J.P.Bachem)
Franz Baumann: Rastlos solidarisch. Roman über Friedrich Wilhelm Raiffeisen (DG Nexolution)
Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte (Hg.): Ein Brandenburg Buch (SHIFT BOOKS)
Sachbuch/Ratgeber
Mirco Becker: Damals in Frankfurt. Die Jahre 1846–1945 (Societäts-Verlag)
Antonia und Alexander Feig: Fei Guad. Kochkultur und Mundart im Herzfleck Bayerns und rundumadum (Bavarian Prints)
Ch. Hille, L. Wiedemann, Th. Karl: Neuharz. Aus Vergangenheit wächst Zukunft (Murmann Publishers)
S. Bergelt, J. Jaschnow, D. Daniels (Hgg.): unvereint/vereint (Marian Arnd)
Ch. Bodensteiner, D. Kasparek, A. Fest, M. Meinel, K. Lichtner: Casa Rosa Chemnitz. Ein Beitrag nachhaltiger Baukultur (Deutscher Architektur Verlag)
Touristische Entdeckung
Patrick Oelze, Laura Breiling: Dit is Berlin. Das Wimmelbuch. Die Hauptstadt für Groß und Klein (Herder)
Matthias Gretzschel, Michael Zapf: Nonnenstieg 1. Ein Baudenkmal in Hamburg-Harvestehude (Wachholtz)
Eric Pawlitzky: Seumes Weg. Fotografien und Texte (Lunik Berlin)
Marie Parakenings: Bremer Tiere. Ein kleiner Guide für Naturbanausen und Stadtkinder (Kulturverlag Kadmos)
Christoph Danelzik-Brüggemann, Daria Bonra (Hgg.): Mensch. Raum. Geschichte. Die Fotografische Sammlung im Stadtmuseum Düsseldorf (SHIFT BOOKS)
Welche Bücher gewonnen haben, steht in der nächsten Notiz.
Der Tobias Kämmerer in Aktion, Julia Hofmann (Börsenverein) präsentierte die Nominierten. Foto: Silvia Werfel
Frankfurter Buchmesse 2026 eröffnet – mit starken Frauen
«Die Staatsminister, die die Kultur vernichten, kommen und gehen – aber die Literatur bleibt.» Mit dieser vom Auditorium bejubelten Aussage begann die tschechische Schriftstellerin und Hauptrednerin der Eröffnungsveranstaltung, Radka Denemarková, ihren Vortrag. Eindringlich beschwor sie die Kraft der Literatur. «Wir brauchen kühle Köpfe, klaren Verstand, kreatives Denken und mutige, unabhängige Verlage.»
Vortrag und Lesung: Die in Kiew geborene, heute in Prag lebende Dichterin Marie Iljašenko, von der im Vorfeld der Buchmesse erstmals ein Band auf Deutsch erschienen ist (Menschen hören überhaupt nur sehr wenig, Anthea), warb eindringlich für die weitere Unterstützung der Ukraine. Und las tschechische Lyrik, die dreisprachig (tschechisch, deutsch, englisch) zum Mitlesen projieziert wurde.
Umrahmt wurde die feierliche Eröffnung von der heute in den USA lebenden Avantgarde-Musikerin Iva Bittová. Sie beschwor, allein mit Geige und Stimme, unterstützt von Tim Roth, die «Stimme der Natur».
Beeindruckend!
Radka Denemarlová (links) und Marie Iljašenko sprachen bei der feierlichen Eröffnung der 78. Frankfurter Buchmesse. © Frankfurter Buchmesse. Foto: Marc Jacquemin
Frankfurter Buchmesse 2026 eröffnet
Nach mehr als 20 Jahren ist die 78. Frankfurter Buchmesse nun die letzte, die Jürgen Boos als Buchmesse-Direktor am Dienstagabend eröffnet hat. Ein bisschen Wehmut schwang mit …
In den Eröffnungsreden wurden die Macht und die Magie der Bücher beschworen: Bücher können ein Leben verändern, können Perspektivwechsel und Identifikationsmöglichkeiten bieten (allerdings nur für Menschen, die lesen können). Die Lesekrise, der «Vamipirismus» der Tech-Giganten, KI und Urheberrechte kamen ebenso zur Sprache.
Zum Reigen der Redner gehörten: Glenn Micallef, EU-Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport, der u.a. an den maltesischen Schriftsteller und Aktivisten Manwel Dimech (1860–1921) erinnerte, der vom Analphabeten zum Literaten und politischen Akteur wurde; Oto Klempír, Kulturminister der Tschechischen Republik, Mitglied der rechtsextremen Motoristenpartei, dessen Rede immer wieder von tschechischen Zwischenrufen unterbrochen wurde; Dr. Wolfram Weimar, Staatsminister für Kultur und Medien, der gegen den erwähnten«Vamipirismus» der Tech-Giganten vorgehen und gemeinsam mit der Grimmelshausen-Gesellschaft bald das literarische Wort des Jahres küren will; Timon Gremmels, Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, der mit Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter mehr Selbstbewusstsein erlangte; Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, der erst mit Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón in Frankfurt heimisch wurde, obgleich es in Barcelona spielt; Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der die «Machtfrage» stellte und staatliche Sofortmaßnahmen für mehr Lesekompetenz forderte.
Und die Frauen? Sie bekommen eine eigene Bibliophile Notiz …
Börsenvereinsvorsteher Sebastian Guggolz (rechts) übergibt dem langjährigen Buchmesse-Direktor Jürgen Boos den Hammer, mit dem traditionell die Frankfurter Buchmesse eröffnet wird. © Frankfurter Buchmesse. Foto: Marc Jacquemin
Erster Gottfried-Pott-Gedächtnispreis an Christopher Haanes verliehen
Erster Preisträger des Gottfried-Pott-Gedächtnispreises ist der norwegische Kalligraf Christopher Haanes (Jahrgang 1966), der in Oslo lebt und arbeitet. Er bekam am 2. Oktober 2026 den mit 3000 Euro dotierten Preis aus der Hand von Kunstarche-Vorstandsmitglied Bernd Brach überreicht.
Felicitas Reusch, Vorstandsvorsitzende der Wiesbadener Kunstarche und Initiatorin des Preises, berichtete in ihrer Einführung, wie sich die Wiesbadener Kunstarche in den letzten Jahren mit Ausstellungen und Workshops zu einem Kalligrafie-Forum entwickelt hat. Mit der von ihr herausgegebenen Publikation Wiesbaden – Kapitale der Kalligrafie. Friedrich Poppl, Werner Schneider. Gottfried Pott (Wiesbaden: Reichert Verlag 2025) widmet sich erstmals ein Buch der bislang noch kaum bekannten, Kalligrafie und Schriftgrafik auf höchstem Niveau pflegenden «Wiesbadener Schule».
Die Laudatio auf den Preisträger hielt Dr. Stefan Soltek, ehemaliger Direktor des Offenbacher Klingspor Museums für Schrift- und Buchkunst. Dort wird der einzige weitere Kalligrafie-Preis in Deutschland, der Rudo-Spemann-Preis, an junge Studierende vergeben. Der Gottfried-Pott-Preis ehrt demgegenüber renommierte Schriftkünstler für deren Lebenswerk. Christopher Haanes, so Soltek, nehme Traditionen auf, interpretiere sie mit seinem Schriftstil aktiv und entwickle sie weiter. Er «verleihe der Linie Leben». Das kunstvolle Schreiben sei ein «zivilisierter Weg der Selbst-Verständigung».
Die zeitlose Kunst der Kalligraphie könne Epochen und Nationen verbinden, sagte der Preisträger, der unter anderem auch die Urkunden für den Friedensnobelpreis schreibt.
Nach der Preisverleihung wurde die von Tabitha Kraus kuratierte Ausstellung Meister ihrer Klasse eröffnet. Zu sehen sind neben Schriftblättern des Preisträger Arbeiten von Johannes Boehland, Karlgeorg Hoefer, Hermann Kilian, Friedrich Poppl, Werner Schneider, Gottfried Pott, Katja Tränkner und Uta Wolf. Sie alle stehen in Beziehung zur Wiesbadener Werkkunstschule. Hier stehen ein Katalog und die Lebensläufe der Schriftkünstler zum Download bereit:
kunstarche_wiesbaden_kalligrafiemeister
Christopher Haanes (links), neben ihm Bernd Brach, der die Urkunde überreicht hatte. Foto: Markus Kohz
Wandelhalle 2026-2 ist im Druck
Die Herbstausgabe der Wandelhalle wird gerade gedruckt und trifft voraussichtlich noch im Oktober bei unseren Mitgliedern und Abonnenten ein.
Klingspor Museum: Tschechische Buchkunst
bis 29. November 2026
Aus der Mitte Europas. Tschechische Buchkunst
von 1900 bis zur Gegenwart
Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach
Tschechien ist der diesjährige Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. In diesem Rahmen präsentiert das Kunstgewerbemuseum Prag aus seiner hochkarätigen Sammlung nun ausgewählte Buchkunst-Schätze im Klingspor Museum. In 17 Kapiteln wird die tschechische Buchkunst von der Zeit um 1900 bis in die Gegenwart vorgestellt, dabei zeigt sich, wie verschiedene Kunstströmungen und gesellschaftliche Entwicklungen ihren Niederschlag in Typographie, Bucheinband, Illustration und Plakat finden. Die Bücher werden zum ersten Mal im Ausland präsentiert.
Herausragende Werke des Jugendstils, darunter Arbeiten von international bekannten Künstlern wie Richard Teschner und Alfons Mucha, werden gezeigt. Weniger bekannt bei uns ist die Buchkunst der Prager Avantgardebewegungen, die sich ab den 1910er Jahren entwickelten. In der Ausstellung vertreten sind die Protagonisten des Prager Kubismus wie František Kysela, Vratislav Hugo Brunner, Method Kaláb, die wichtigsten Künstler der tschechischen Moderne wie Karel Teige und Ladislav Sutnar sowie Vertreter des tschechischen Surrealismus wie Jindřich Štyrský und Toyen.
Ein bei uns eher unbekanntes Kapitel dürften die Bücher des Samisdat, der inoffiziellen Kultur sein. Abseits der geförderten Kultur entstand im Untergrund eine vitale Szene. Ein weiteres Kapitel zeigt die kreative Energie, die die Revolution von 1989 in der Kunst freisetzte.
Buchdesign von Ladislav Sutnar aus den 1930er Jahren, Foto © UPM Prag
Osthaus Museum: Von Kollwitz bis Richter
bis 22. November 2026
Von Kollwitz bis Richter
Schätze auf Papier aus dem Ostheim Museum
Osthaus Museum
Museumsplatz 1–3, 58095 Hagen
Die Ausstellung lädt zu einem Spaziergang durch die Kunstgeschichte ein und illustriert zugleich die einzigartige Sammlungsgeschichte des Osthaus Museums, das auf die Folkwang-Sammlung des Hagener Museumsgründers Karl Ernst Osthaus (1874–1921) zurückgeht.
Diese Auswahl kostbarer Arbeiten auf Papier wird ergänzt durch Werke von Paul Signac, Edvard Munch, Henri Matisse und Wassily Kandinsky, die Karl Ernst Osthaus für die Hagener Folkwang-Sammlung erworben hat und die heute zur Sammlung des Museums Folkwang in Essen zählen. Neben diesen frühesten Erwerbungen stehen Aquarelle, Zeichnungen und druckgrafische Blätter des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit im Mittelpunkt. Einen weiteren Schwerpunkt der Auswahl bilden Arbeiten von Picasso, Miró, Chagall sowie von Künstlern der deutschen und amerikanischen Pop Art, mit denen das Osthaus Museum Anschluss an die internationale Avantgarde suchte.
Zur Ausstellung ist im Michael Imhof Verlag ein reich bebilderter Katalog erschienen (Klappenbroschur, 21×28 cm, 192 S., 153 Farbabb., 29,95 €).
Bild: Walther Bötticher (1885–1916), Die Welle, Farbholzschnitt 1910, Foto: Achim Schwingel
Weimar: Verschollen geglaubte Iphigenie-Übersetzung nach 200 Jahren in Goethes Bibliothek entdeckt
Die in Weimar lebende Kunsthistorikerin Francesca Fabbri identifizierte in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek eine italienische Handschrift von Goethes Schauspiel Iphigenie auf Tauris als lang gesuchte Übersetzung des Dichters Alessandro Poerio – ein Geschenk an Goethe aus dem Jahr 1826. Der Fund aus Goethes eigener Privatbibliothek galt seit rund 200 Jahren als verschollen und liefert neue Erkenntnisse zu den deutsch-italienischen Beziehungen der Weimarer Klassik.
Die anonym verfasste Handschrift trägt den Titel Ifigenia in Tauride: Tragedia di Göthe recata in Italiano. Sie ist im Online-Katalog der Herzogin Anna Amalia Bibliothek unter der Signatur Ruppert 1852 verzeichnet. Dank eines Wasserzeichens auf einem der Blätter ließ sich die Entstehungszeit der Übersetzung auf etwa 1825 datieren – ihr Urheber jedoch blieb unbekannt. Francesca Fabbri, die in Italien promovierte, fand nun heraus: Übersetzer und Schreiber war der neapolitanische Dichter Alessandro Poerio (1802–1848), der sich 1825 und 1826 in Weimar aufhielt und dort im Salon von Ottilie von Goethe verkehrte.
Alessandro Poerio gilt als bedeutender Dichter der italienischen Romantik. Zugleich war er ein überzeugter Patriot des Risorgimento. Damit steht sein Leben auch für die Anfänge der italienischen Nationalbewegung – ein Aspekt, der den jetzigen Fund über die Literaturgeschichte hinaus interessant macht.
Die Goethe-Bibliothek wurde im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek von 2014 bis 2024 gezielt erforscht, erschlossen, digitalisiert und konservatorisch gesichert. Rund 2500 Bücher, Karten, Handschriften und Zeitschriftenbände der Sammlung sind weltweit zugänglich. Fortlaufend kommen neue Titel hinzu, wie auch die kürzlich entdeckte Übersetzung. Die Poerio-Handschrift wird zudem als Leihgabe der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in der Ausstellung Et in Arcadia ego. Goethe im Dialog mit Guercino, Raffael und Poerio in der Casa di Goethe in Rom zu sehen sein, die vom 1. Dezember 2026 bis 4. April 2027 läuft. Die wissenschaftliche Edition der Übersetzung erscheint im Herbst 2027 in der Reihe Materiali der Edizioni des Istituto Italiano di Studi Germanici.
Francesca Fabbri mit der wiederentdeckten Handschrift von Goethes Schauspiel Iphigenie auf Tauris, Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Foto: Hannes Bertram © Klassik Stiftung Weimar
Caricatura Salon #6: «Wir besitzen nichts»
bis 18. Oktober 2026
Caricatura Salon #6: «Wir besitzen nichts.»
25 Jahre Büchergilde Gutenberg.
Die Nachwuchsförderung für Illustration
Caricatura Museum für Komische Kunst Frankfurt
Weckmarkt 17, 60311 Frankfurt am Main
Seit 25 Jahren verleiht die Büchergilde im zweijährigen Rhythmus den Gestalterpreis an junge Illustrator:innen. Das Caricatura Museum Frankfurt (CMF) gratuliert zum Jubiläum mit einer Ausstellung im Caricatura Salon #6 und feiert die Vielfalt der Buchillustration. Die Bücher aller bisherigen Preisträger sind zu sehen. Der Clou ist die Anbringung der Bücher an der Wand, so, dass man blättern kann. Hervorragend!
Seit 2001 lädt die Büchergilde den Nachwuchs einer ausgewählten Hochschule ein, sich mit einem älteren literarischen Text künstlerisch auseinanderzusetzen. Dieses Jahr ging es um Harold und Maude von Colin Higgins. Diese schräge Komödie erlangte 1971 unerwartet Kultstatus, erst als Film, dann auch als Buch. Daraus stammt der im Titel der Ausstellung zitierte Satz: «Wir besitzen nichts. Wir sind nur auf der Durchreise. Wir kommen mit nichts auf die Welt, und genauso verlassen wir sie wieder.» Diese Weisheit offenbart die 79-jährigen Maude ihrem sechzig Jahre jüngeren todessehnsüchtigen Freund Harold.
Den Büchergilde Gestalterpreis 2026 hat Deborah Moldawski für sich entschieden. Das Buch mit ihren knallbunt-poppigen, plakativen Illustrationen ist im Juni erschienen und in der Ausstellung prominent präsentiert, zusammen mit den Entwürfen aller am diesjährigen Gestalterpreis teilnehmenden Studentinnen und Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach, die diesmal Partner des Wettbewerbs war.
Die Ausstellung findet im Rahmen von World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 statt. Die 34-seitige bildreiche Broschur dazu ist für 8 € im Museumsshop erhältlich.
In der Herbstausgabe der Wandelhalle werden Buch und Gestalterpreis ausführlicher vorgestellt.
Bild: Die geniale Hängung ermöglicht es, in den Büchern zu blättern. Foto: Silvia Werfel
Museum Wiesbaden: Women* & Type
bis 4. Oktober 2026
Women* & Type. Call for Flags
entlang der Wilhelm-Straße und im Oktogon des
Hessischen Landesmuseums für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Flagge zeigen – nicht nur, aber vor allem für Demokratie. Ein gemeinschaftliches Projekt des Museums Wiesbaden mit dem Institut Designlabor Gutenberg der Hochschule Mainz präsentiert achtzehn international renommierte Designerinnen mit typografischen Statements im öffentlichen Raum. Anlässlich der World Design Capital Frankfurt RheinMain (WDC) 2026 mit dem Motto «Design for Democracy» wird zeitgenössische, feministische Typografie mit Forderungen, Gedanken und Perspektiven auf Typografie und Gleichberechtigung im Type-Design auf der Wilhelmstraße in Wiesbaden sichtbar.
Die öffentliche Schau wird ergänzt von einer «Hall of Femmes» im Museum Wiesbaden, die relevante Hintergrundinformationen und Gestaltungsbeispiele zu zwanzig international renommierten Type-Designerinnen und Typografinnen aus den USA, Südamerika, Europa, Asien, Afrika und Neuseeland zeigt.
Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
Wien: OTTO meets ALBERTINA
bis 10. Januar 2027
Otto meets Albertina
Albertina, Basteihalle, Albertinaplatz 1, 1010 Wien
Otto Waalkes – wer kennt ihn nicht? Seine Parodien, seinen Wortwitz, die Fernsehauftritte, Songs und Filme?
Ottos künstlerischen Ambitionen sind weniger bekannt. Als Maler lässt er seine Kultfigur, den Ottifanten, durch die Kunstgeschichte spazieren. Während seiner Zeit in der Künstler-WG mit Udo Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen und anderen studierte OTTO an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Die ALBERTINA und ihre Sammlung faszinieren ihn seit jeher: Zum 250-jährigen Jubiläum seiner Gründung hat das Museum ihn eingeladen, ausgewählte Meisterwerke der grafischen Sammlung neu zu betrachten und zu kommentieren.
Mit einer Intervention in den Habsburgischen Prunkräumen trifft Otto Waalkes auf bekannte Meisterwerke der ALBERTINA – und tritt mit ihnen in einen Dialog der außerfriesischen Art. Parodistische Aneignung wird dabei zur ehrlichsten Form der Huldigung.
Seine Dialogpartner sind: Albrecht Dürer, Hans Baldung gen. Grien, Pieter Bruegel d.Ä., Roelant Savery, Jean-Honoré Fragonard, Jean-Baptiste Geuze, Jean-Antoine Watteau, Gustav Klimt, Eugen Schiele, Franz Marc und Paul Klee.
Schön, dass auch ein Katalog erschienen ist: OTTO Meets ALBERTINA. Hrsg. v. Ralph Gleis und Otto Waalkes. Wien: Eigenverlag ALBERTINA 2026. 72 S., zweisprachig dt./engl., Festeinband. 24×32 cm. 29,90 €. ISBN: 978-3-9505999-2-3,
Dürers großes Rasenstück in Gefahr … Otto Waalkes, Final Cut, Acryl auf Leinwand, © 2026 Otto Waalkes, und Albrecht Dürer, Das große Rasenstück, Aquarell und Deckfarben 1503, ALBERTINA, Wien.
Kunstarche Wiesbaden stiftet Gottfried-Pott-Gedächtnispreis
2. Oktober 2026, 17 Uhr
Verleihung des Gottfried-Pott-Gedächtnispreises
Kunstarche Wiesbaden e.V.
Im Rad 42, 65197 Wiesbaden
Die Kunstarche Wiesbaden e.V. bewahrt «künstlerische Nachlässe, macht Wiesbadener Kunstgeschichte sichtbar und schafft einen Ort für Begegnung, Forschung und Erinnerung». Seit einigen Jahren nimmt sie auch verstärkt den Bereich Kalligrafie in den Blick. Gottfried Pott (1939–2024), der in Wiesbaden lebende international renommierte Kalligraf und Schriftkünstler, engagierte sich viele Jahre im Beirat und übergab einen Teil seines Nachlasses an die Kunstarche Wiesbaden.
Ihm zu Ehren hat der Vorstand der Kunstarche Wiesbaden den Gottfried-Pott-Gedächtnispreis aus der Taufe gehoben. Dieses Jahr wird er zum ersten Mal vergeben, und zwar an den norwegischen Kalligrafen Christopher Haanes (Jahrgang 1966). Der Preis möchte einen international anerkannten Kalligraphen auszeichnen, dessen Veröffentlichungen und Workshops eine weite Schülerschaft gefunden haben. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert und mit dem Ankauf eines Schriftblattes verbunden.
Die Preisverleihung findet am Freitag, dem 2. Oktober 2026 um 17 Uhr in der Kunstarche Wiesbaden im Gebäude des Stadtarchivs in Wiesbaden statt. Die Laudatio hält Dr. Stefan Soltek, ehemaliger Direktor des Offenbacher Klingspor Museums für Schrift- und Buchkunst. Um Anmeldung wird gebeten: kontakt@kunstarche-wiesbaden.org
Am selben Abend wird die von Tabitha Kraus kuratierte Ausstellung Meister ihrer Klasse eröffnet. Zu sehen sind Arbeiten von Christopher Haanes, Johannes Boehland, Karlgeorg Hoefer, Friedrich Poppl, Hermann Kilian, Werner Schneider, Gottfried Pott, Katja Tränkner und Uta Wolf. Bis 18. Oktober.
Gottfried Pott 2016 in der Kunstarche Wiesbaden. Foto: Silvia Werfel
Katalog «Die schönsten deutschen Bücher 2026» erschienen
Pünktlich zur feierlichen Preisverleihung am 4. September 2026 im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main ist der Katalog Die Schönsten Deutschen Bücher 2026 erschienen, diesmal konzipiert und gestaltet vom Studio Pandan, Berlin: haptischer Genuss, Farbenfeuerwerk, Aufschlagverhalten top – der bestens handhabbare Katalog setzt die preisgekrönten Bücher hervorragend in Szene, liefert alle relevanten Informationen und macht einfach gute Laune!
Bestellungen in der Lieblingsbuchhandlung:
ISBN 978-3-9822108-5-8
Foto: © Stiftung Buchkunst, Visuals: Studio Pandan
Das Kinderbuch «Was tun, wenn…» erhält den Preis der Stiftung Buchkunst 2026
Am Freitagabend, den 4. September, wurden im Frankfurter Museum Angewandte Kunst die Urkunden für Die schönsten deutschen Bücher 2025 und die drei Förderpreise für junge Buchgestaltung überreicht. Auch das Geheimnis um den mit 10 000 Euro dotierten Preis der Stiftung Buchkunst wurde gelüftet: Er geht dieses Jahr an das Kinderbuch Was wäre, wenn… Kleine Hilfe bei großen Katastrophen. Geschrieben, gestaltet und illustriert wurde es von dem kongenialen Duo Verena Hochleitner und Laura Momo Aufderhaar; erschienen ist der flexible, neonfarbig leuchtende Band im kunstanstifter verlag, Mannheim. Herzlichen Glückwunsch!
Das Buch widmet sich «den möglichen Katastrophen des Lebens. Die von den Autorinnen im Pingpong entstandenen Texte und stilistisch abwechslungsreichen Illustrationen zeigen flächige Bilder in rauem Kreidestrich ebenso wie feine Outline-Zeichnungen, wobei Frottagen den Hintergrundstrukturen Dynamik und Tiefe verleihen. Zwischen den so lehrreichen wie unterhaltsamen Episoden fungieren grafisch exzellent umgesetzte Lösungsmatrixen mit Ja-Nein-Abzweigungen als spielerische Kapiteltrenner. Was also tun, wenn man in einer Höhle eingeschlossen ist oder sich im Wald verlaufen hat?…» (aus dem Urteil der Jury)
Die Laudatorin Dorothee Ader, Leiterin des Klingspor Museums in Offenbach, freute sich sichtlich über den Preisträger aus dieser so wichtigen Buchsparte. Es geht in dem Buch um Gedankenspiele, um Entscheidungen und Perspektivwechsel. Dieses «tolle, laute, anschmiegsame», auch fröhliche Buch gehöre als wichtiger Begleiter in jeden Schulranzen.
Nach der Preisverleihung wurde am selben Abend die Ausstellung Stiftung Buchkunst: 60 Jahre Schöne Bücher eröffnet (siehe Bibliophile Notiz dazu). Dr. Joachim Unseld in seiner Begrüßungsansprache anlässlich des Stiftungsjubiläums: «Sechzig Jahre nach ihrer Gründung steht die Stiftung Buchkunst unverändert für die Überzeugung, dass das gedruckte Buch weit mehr ist als Informationsträger, sondern gestaltetes Kulturgut.»
Mehr Infos zu allen gekürten Büchern gibt es hier:
Schönste_deutsche_Bücher_2026
Bildnachweis:
© Stiftung Buchkunst, Fotos: Hanna Vortmüller
Stiftung Buchkunst: 60 Jahre Schöne Bücher
5. September bis 1. November 2026
Stiftung Buchkunst: 60 Jahre Schöne Bücher
Museum Angewandte Kunst Frankfurt
Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main
Seit ihrer Gründung im Jahr 1966 zeichnet die Stiftung Buchkunst im Wettbewerb Die Schönsten Deutschen Bücher jährlich Bücher aus, die in Gestaltung, Konzeption und Herstellung herausragend sind. Die Jubiläumsausstellung wird zu einer Zeitreise durch die Geschichte der Buchgestaltung. Ausgewählt von einem unabhängigen Kuratorium mit Expert:innen aus der Buchbranche, erzählen diese Bücher nicht nur ihre Inhalte, sondern spiegeln auch den Zeitgeist sowie die technischen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Entstehungszeit wider. Sie zeigen, wie Form, Material, Typografie und Verarbeitung den Charakter eines Buches prägen.
Das Ausstellungskonzept des Stuttgarter Büros Studio Tillack Knöll setzt auf eine modulare Präsentation in eigens entwickelten Displays. Die Besucher:innen sind eingeladen, die Bücher nicht nur zu betrachten, sondern auch in die Hand zu nehmen.
Ein Projekt der Stiftung Buchkunst im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC 2026), gefördert durch das Land Hessen, die Stadt Frankfurt am Main und den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
Begleitveranstaltung
60 Jahre Stiftung Buchkunst – ein Rückblick:
30. September 2026, 18 Uhr:
Ausgehend von Exponaten der Ausstellung sprechen Uta Schneider (Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst 2000–2012) und Ralf de Jong (Typografie-Professor an der Folkwang Universität der Künste, Essen) mit Birte Kreft (Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst) über die Geschichte der Stiftung, ihre Weiterentwicklung und die Bücher, die diesen Prozess geprägt haben.
Abb. © Stiftung Buchkunst, Visual: Studio Tillack Knöll, Design Practice
JMF: Mishpocha. The Art of Collaboration
bis 27. September 2026
Mishpocha. The Art of Collaboration
Jüdisches Museum Frankfurt
Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt am Main
Zugegeben: Diese Crossover-Ausstellung richtet sich nicht ausdrücklich an Bibliophile, trotzdem sei sie hier angezeigt, als ein weiteres Projekt des World-Design-Capital-Jahres von Frankfurt und RheinMain.
Die Dauerausstellung im JMF erzählt die einzigartige Geschichte des jüdischen Lebens in Frankfurt, der einstigen Hauptstadt der jüdischen Diaspora in Europa, von 1800 bis heute. Mit MISHPOCHA. The Art of Collaboration erweitert das JMF nicht nur seine Perspektive auf das Thema Familie, sondern auch seine bisherige Vorgehensweise in der Ausstellungsproduktion. Das Konzept von MISHPOCHA wurde nicht auf Grundlage von wissenschaftlicher, künstlerischer oder kuratorischer Forschung, sondern in einem kollaborativen Prozess zwischen musikalischen und künstlerischen Perspektiven, kuratorischen und thematischen Reflexionen, Design und Produktion entwickelt. Dessen Ergebnis ist eine immersive und interaktive Ausstellung sowie ein kulturelles Programm, die zu gemeinschaftlichem Erleben, Begegnung und kreativer Zusammenarbeit einladen.
MISHPOCHA ist ein Ausstellungs- und Happening-Projekt des Jüdischen Museums Frankfurt in Kooperation mit Atelier Markgraph (mit Impulsgeber Stefan Weil) und der IMA Clique unter der künstlerischen Leitung von Mike D. (Michael Louis Diamond, geboren 1965 in New York und einst Gründungsmitglied der legendären Beastie Boys).
Der Ausstellungsparcour führt durch vier Räume zu jeweils eigenen Themen: Mischpoche, Soundinstallation von Jan Ove Hennig. ROOTS: Sieben zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler gehen hier in Malerei, Fotografie, Film, Skulptur und Installation den eigenen Familiengeschichten nach, erzählen von Flucht und Migration, der Suche nach Zugehörigkeit, Verlust und Erinnerung an Gewalt. MIX: Hier verbindet eine interaktive 360-Grad-Mehrkanal-Videoinstallation Klang, Licht und Projektionen zu einer immersiven Umgebung, die verschiedene musikalische Genres und die sie begleitenden Szenen, nämlich Punk, Riot Grrrl, Hip Hop und Rave erfahrbar macht. Mittels Mischpult kann man grafische Elemente, farbliche Stimmungen und visuelle Effekte verändern. PLAY: Vier interaktive Stationen mit Mischpulten zu den verschiedenen Facetten elektronischer Musik laden ein, selbst Musik zu machen.
Zu den insgesamt sechzehn beteiligten Künstlern gehören unter anderem Nirit Takele, Shimon Wanda, Hetain Patel, der Fotograf Jan Zappner und Alica Khaet (Stop-Motion-Kurzfilm Feferle). Ira Eduardovna bietet mit ihrer Zwei-Kanal-Videoinstallation The Library Room schließlich einen Bezug zum Buch (siehe Foto): Mit Hilfe ihrer Eltern und Schwester stellt sie darin die Vorbereitungen auf die Auswanderung ihrer Familie um 1990 von Usbekistan nach Israel nach. Bücherwände ringsum, Einpacken, Weiterreichen, in steter Wiederholung – als Teil eines Prozesses, der das Trauma zu heilen sucht.
Der Endspurt läuft: Die außergewöhnliche Sonderausstellung ist nur noch bis 27. September zu sehen.
Info am Rande: Zur Ausstellung gehört auch der Loco Loop, an dem man gemeinsam und intuitiv aus Geräuschen Musik machen kann. Fabian Werfel hat ihn erfunden und gebaut.
© Ira Eduardovna, The Library Room, 2009. Foto: Silvia Werfel
Wetzlar präsentiert die Fotopionierin und Autorin Germaine Krull
bis 27. September 2026
Germaine Krull – Chien fou
Fotografin und Autorin
Stadtmuseum, Lottestraße 8–10, 35578 Wetzlar
Finissage am 27. September, 11 Uhr
Germaine Krull (1897–1985) hat mit ihren fotokünstlerischen Arbeiten die Geschichte der Fotografie nachhaltig beeinflusst. Weniger bekannt ist ihr umfangreiches publizistisches Werk, in dem sie ihre Biografie und ihre fotografische Praxis reflektiert. In dieser Ausstellung ist eine Protagonistin und Chronistin des 20. Jahrhunderts zu entdecken, die nie nur eine angepasste Zeitzeugin war.
Geboren in Wilda, Poznán, zur Fotografin ausgebildet in München, machte Germaine Krull ab 1926 innerhalb der Pariser Avantgarde eine fotografische Karriere. 1941 kehrte sie Europa den Rücken, emigrierte über Martinique nach Rio de Janeiro, lebte in Brazzaville (Republik Kongo), später in Bangkok. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie, vermittelt durch ihre Schwester Berthe, in Wetzlar.
Den Nachlass der politisch engagierten, eloquenten Künstlerin beherbergt seit 1995 das Museum Folkwang, Essen. Hier hat man ihr nach 1999 erstmals wieder eine Ausstellung gewidmet (bis 15. März 2026), nun zu sehen in den Städtischen Museen Wetzlar. Das Ausstellungskonzept aus Essen wurde von den Kuratoren Thomas Seelig, Petra Steinhardt (Museum Folkwang, Fotografische Sammlung) und Kerstin Meincke (Universität Duisburg/Essen) erarbeitet und hier vor Ort den räumlichen Gegebenheiten des Stadtmuseums und des Kunstvereins in Wetzlar angepasst. Die Sonderausstellung legt den Schwerpunkt auf die Wechselwirkung des publizistischen und fotografischen Werks von Germaine Krull und leistet einen bedeutenden Forschungsbeitrag.
Das in drei Ausgaben (deutsch, englisch, französisch) vorliegende Katalogbuch wurde als eines der Schönsten deutschen Bücher 2026 ausgezeichnet und ist editorisch wie gestalterisch eine Meisterleistung: Germaine Krull. Chien fou. Ausgewählte Texte / Textes choisis / Selected Writings. Hrsg. v. Kerstin Meincke, Petra Steinhardt. Erschienen bei MACK, London; Museum Folkwang, Essen. 35 €
Bild: Germaine Krull, Tafel 2 aus dem Portfolio Métal, 1928, © Nachlass Germaine Krull, Museum Folkwang, Essen
Oldenburg: Kolportageliteratur des 19. Jahrhunderts
11. September bis 24. Oktober 2026
Kolportageliteratur. Jahrmarktdrucke des 19. Jahrhunderts
aus der Sammlung der LBO
Landesbibliothek Oldenburg
Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg
Eine vergessene Form von Unterhaltungsliteratur wird wieder lebendig: Grausame Verbrechen, schreckliche Katastrophen oder tragische Liebesgeschichten – von solchen ‹merkwürdigen› Begebenheiten erzählen Texte, die im 19. Jahrhundert massenhaft verbreitet waren. Heute ist diese Literatur kaum noch bekannt. Verkauft wurden die Texte in Form preiswerter Kleindrucke auf Jahrmärkten und Volksfesten. So erreichten sie auch Menschen, die sich keine Bücher leisten konnten. Der Verkauf wurde mit Vortrag, Gesang, Musik und visuellen Hilfsmitteln begleitet. Weil die Verkäufer:innen sich dabei oft erhöht auf einer Bank positionierten, nennt man sie auch Bänkelsänger.
Die Texte und ihre kulturellen Kontexte werden aus sozialgeschichtlicher, medien- und literaturwissenschaftlicher Sicht beleuchtet.
Die von PD Dr. Christian Schmitt vom Institut für Germanistik der Universität Oldenburg kuratierte Ausstellung beschließt ein vom Land Niedersachsen gefördertes Forschungsprojekt.
Eröffnung am Donnerstag, den 10. September, 19 Uhr, mit einer Einführung von PD Dr. Christian Schmitt und Lesung mit dem Schauspieler Jens Ochlast. Zur Ausstellungseröffnung werden alle 886 digitalisierten Drucke in den Digitalen Sammlungen der Landesbibliothek Oldenburg freigeschaltet.
Der von Christian Schmitt herausgegebene Katalog ist im Isensee Verlag erschienen (Schriften der Landesbibliothek Oldenburg Bd. 80), hat 206 Seiten und kostet 29 €.
Bild: © Landesbibliothek Oldenburg
Düsseldorf: Katharina Kippenberg und Frauen der Goethezeit
bis 6. Dezember 2026
Aus dem Schatten. Katharina Kippenberg und Frauen der Goethezeit
Goethe-Museum im Schloss Jägerhof
Jacobistraße 2, 40211 Düsseldorf
Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Goethe-Museums und des 150. Geburtstages von Katharina Kippenberg (1876–1947) zeigt die Ausstellung Frauen der Goethezeit und der Romantik, die lange im Schatten der Überlieferung standen. Kuratorische Leiterin der Präsentation ist unser Mitglied Dr. Francesca Fabbri.
Schriftstellerinnen, Künstlerinnen, Übersetzerinnen, Journalistinnen und Unternehmerinnen treten mit poetischen Werken, visionären Bildwelten sowie emanzipatorischen Texten und politischen Debatten hervor. Werkmanuskripte, Briefe, Porträts und Bücher – darunter zahlreiche unbekannte und erstmals gezeigte Objekte – werden systematisch erschlossen und neu kontextualisiert. Fast alle Exponate, Handschriften wie Bücher, stammen aus der Sammlung von Anton und Katharina Kippenberg. So eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf diese Sammlung, eine der weltweit bedeutendsten literarischen Privatsammlungen.
Zum Museum:
Goethe-Museum Düsseldorf ist eine Kurzbezeichnung für die Goethe-Museum / Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung. Die Stiftung ist 1953 von zwei Erbinnen von Professor Anton Kippenberg (1874–1950), dem früheren Verleger des Insel-Verlags, gegründet worden. Das Museum wurde am 30. Juni 1956 eröffnet. Es ist eine der drei großen Goethe-Archiv- und Forschungsstätten und beherbergt die größte, etwa 50 000 Objekte umfassende Goethe-Privatsammlung.
Foto: © Landeshauptstadt Düsseldorf / Ingo Lammert
MAK Frankfurt: On Display
bis 8. November 2026
On Display. Wie Grafikdesign uns gestaltet
Museum Angewandte Kunst Frankfurt
Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main
Grafikdesign ist allgegenwärtig. Ob Lebensmittelverpackungen, digitale Interfaces auf Smartphones oder Werbeflächen und Leitsysteme im öffentlichen Raum – alles, was uns an visuellen Medien umgibt, ist grafisch gestaltet und intendiert eine Wirkung. So prägt Grafikdesign, wie wir wahrnehmen, verstehen, fühlen und handeln – oft ohne, dass wir uns dessen bewusst sind.
Anhand der gestalterischen Positionen von Robin Coenen und Danielle Rosales, Aline Bavier und Sophia Becker sowie Anja Kaiser und Rebecca Stephany untersucht die Ausstellung die gesellschaftliche Dimension von Grafikdesign und fragt nach seiner Wirkmacht in Zeiten politischer, technologischer und sozialer Umbrüche. Dabei ist sie eine Einladung und Ermutigung, die Gestaltbarkeit unserer Umgebung durch Grafikdesign zu erkennen und die gesellschaftliche Verantwortung dieser Disziplin neu zu verhandeln.
Öffentliche Führungen und Workshops flankieren die Ausstellung. So heißt es am 28. Oktober 2026 «Bücher öffnen Welten. Aber für wen?». Dieser inklusive Workshop für Erwachsene mit und ohne Behinderung findet von 17:30 bis 20 Uhr statt. Um Anmeldung wird gebeten unter:
create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de oder 069/21238522.
Foto: Günzel/Rademacher © Museum Angewandte Kunst
MAK Frankfurt: Im Modus der Serie
bis 18. Oktober 2026
Im Modus der Serie. Differenz, Variation und
Wiederholung in Architektur und Design
Museum Angewandte Kunst Frankfurt
Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main
Serien eröffnen ein Spiel der Nuancen und Differenzen; der Redundanzen und Wiederholungen. Jede begonnene Serie lässt sich durch ähnliche Gegenstände erweitern. Gegenstände, die im Modus der Serialität erdacht, erzeugt, rezipiert oder konsumiert werden, verweisen stets auf verwandte Gegenstände der gleichen Serie. Doch was genau macht die Serie zur Serie? Welche Bedeutung hat Serialität für die Gestaltung von Alltagswelten und an welchen Stellen erlaubt die Serie individuelle Anpassungen? Die Ausstellung möchte neue Zugänge zum Themenfeld der Serialität anbieten.
Studien von Studierenden der RWTH Aachen und der HfG Offenbach veranschaulichen exemplarisch die Vorzüge, Chancen und Widersprüche serieller Gestaltung und Produktion und wollen daran erinnern, dass jede Serie nicht nur Produkte hervorbringt, sondern auch Vorstellungen davon, wie wir leben wollen.
Vertreten sind die Bereiche Bauen, Produkt-, Kommunikations- und Interieurdesign. Im Fokus unter anderem: die Schriftgestaltung im Neuen Frankfurt der 1920er-Jahre (Satzschrift Futura) und das von König Sejong 1443 entwickelte Hangul, das Schriftsystem der koreanischen Sprache, als generatives System verstehen.
Blick in die Ausstellung. Foto: Günzel/Rademacher © Museum Angewandte Kunst
Joachim Ringelnatz als Maler
bis 4. Oktober 2026
«Es hat sich selbst aus mir gemalt» – Joachim Ringelnatz als Maler
Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1, 82347 Bernried am Starnberger See
Der Schriftsteller und Kabarettist Joachim Ringelnatz (1883–1934) zählt zu den bekanntesten Literaten der Weimarer Republik. Dass in seinem Werk aber auch die bildende Kunst eine wichtige Rolle spielt, ist nach 1933 in Vergessenheit geraten. Die erste Ausstellung seiner Gemälde 1923 in der renommierten Galerie von Alfred Flechtheim in Berlin brachte den Durchbruch des Dichters als Maler. Im Folgejahr wurden seine oft kleinformatigen, von feiner Erzählkunst geprägten Gemälde gemeinsam mit Bildern von Otto Dix und George Grosz ausgestellt.
Das 2002 in Cuxhaven gegründete Joachim-Ringelnatz-Museum beherbergt heute die größte Sammlung an Dokumenten und bildkünstlerischen Werken von Ringelnatz. Aus seinen Beständen stammt der Hauptteil der Exponate, ergänzt um Leihgaben aus verschiedenen Museen und Privatsammlungen. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Joachim-Ringelnatz-Museum, Cuxhaven, sowie dem Ernst Barlach Haus, Hamburg, und wird von Dr. Ulrich Luckhardt kuratiert.
Letzte Station der Ausstellung ist das Ernst Barlach Haus – Stiftung Hermann F. Reemtsma in Hamburg, sie ist hier vom 25. Oktober 2026 bis zum 7. Februar 2027 zu sehen.
Der von Erika Fischer, Stephan Dahme und Karsten Müller herausgegebene Katalog ist bei Hirmer, München, erschienen, hat 128 Seiten und kostet 30 €.
Faltblatt des Buchheim Museums zum Download: BM-Flyer-Ringelnatz
Bild: © Joachim-Ringelnatz-Museum, Cuxhaven
Deutsches Romantik-Museum: Vergnügen durch Verwandlung
bis 6. September 2026
Vergnügen durch Verwandlung.
Bewegliche Glückwunschkarten aus der Zeit der Romantik
Deutsches Romantik-Museum, Ernst Max von Grunelius-Saal
Großer Hirschgraben 21, 60311 Frankfurt am Main
Die Zeit der Romantik war eine Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Standesgrenzen wurden durchlässiger, das Bürgertum gewann an Einfluss und neue Formen der Kommunikation entstanden. In diesem Umfeld verbreitete sich um 1800 eine neue Sitte: Das Überbringen beweglicher Glückwunschkarten zu Neujahr wurde zur allseits beliebten Modeerscheinung. Aus schlichten Grüßen wurden kleine Kunstwerke. Billets mit Klappen, Scheiben und Hebeln, die Szenen verwandeln, Figuren in Bewegung setzen und Botschaften übermitteln. Selbst Goethe schwärmte von den «zierlichen, nickenden, bückenden und salutierenden kleinen Geschöpfen».
Die Ausstellung umfasst den Zeitraum zwischen 1796 bis etwa 1820 und präsentiert von den frühen beweglichen Karten über die im Zentrum stehenden «mechanischen Billets» bis zu den späteren Wiener Kunstbillets die vielseitigen Motive und raffinierten Mechaniken dieser fragilen Gebrauchskunstwerke.
Die Karten bedienten sich der populären Bildsprache ihrer Zeit und nutzten besonders Symbole mit Gefühlswerten. So boten sie eine im Vergleich zu persönlichen Briefen einfachere Möglichkeit, Gefühle auszudrücken – ähnlich wie heute Emojis oder GIFs.
Der von Andreas Dietzel, Christiane Holm und Joachim Seng herausgegebene Ausstellungskatalog ist im Göttinger Verlag der Kunst erschienen und im Museums- und Onlineshop sowie im Buchhandel erhältlich (144 S., zahlreichen farbige Abb., Broschur, 24 €).
Letzte Führung am Samstag, den 5. September 2026, 15:30 Uhr.
Finissage am Sonntag, den 6. September 2026, 16:30 Uhr
Abbildung:
Theaterbühne mit Vorhängen, Doppelzugkarte mit dreidimensionaler Entfaltung, H. F. Müller, Wien um 1830. Aus der Sammlung des Freien Deutschen Hochstifts (Schenkung von Dr. Andreas Dietzel). Foto: Silvia Werfel
Dresden: HfBK goes Hegenbarth
bis 6. Dezember 2026
Papiere, Papiere. HfBK goes Hegenbarth
Josef-Hegenbarth-Archiv, Calberlastraße 2, 01326 Dresden-Loschwitz
geöffnet:
Sonntag 15 bis 18 Uhr (Mai bis Oktober), 15 bis 17 Uhr (ab November),
Donnerstag nach Voranmeldung unter jha@skd.museum
Eintritt auf freiwilliger Basis
Im Zentrum des Ausstellungsprojekts Papiere, Papiere stehen die Schnittstellen zwischen der Nutzung des Papiers im Alltag und in der Kunst. Das Projekt ist eine Kooperation des Kupferstich-Kabinetts mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Als Ergebnis zeigt das Josef-Hegenbarth-Archiv achtzehn speziell für diese Ausstellung entwickelte Werke von Studierenden, in denen über die vielseitigen Einsatzfelder des Materials Papier reflektiert wird.
Im Hegenbarth-Archiv treten die Projekte der Studierenden in einen Dialog mit Zeichnungen von Josef Hegenbarth (1884–1962). Der Dresdner Künstler setzte in seinen Zeichnungen Papier oft auf überraschende Weise ein, um flüchtige Alltagsmomente lebensnah zu dokumentieren. Die Arbeiten der Studierenden stehen ebenfalls in Beziehung zum Ausstellungsort, dem einstigen Atelier- und Wohnhaus von Josef Hegenbarth.
Bild: Josef Hegenbarth, Insektenstudien aus einem Skizzenbuch, undatiert, © Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Caterina Micksch
Dresden: Japan auf Papier
bis 20. September 2026
Japan auf Papier in Dresden.
Utamaro, Hokusai, Hiroshige und die Grafik der Moderne
Kupferstich-Kabinett im Residenzschloss Dresden
Taschenberg 2, 01067 Dresden
Das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) sammelt japanische Kunst auf Papier seit fast 300 Jahren. Die bislang weitgehend unbekannte Sammlung umfasst mehr als 10 000 Objekte vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Eine Auswahl von 160 Exponaten wird nun präsentiert. Die thematisch gruppierten Farbholzschnitte geben Einblicke in die Lebenswelt und Unterhaltungskultur der aufstrebenden Kaufleute und Handwerker während der Edo-Zeit (1603–1868). Gemeinsam mit Partnern aus Japan und der Schweiz wurde der umfassende Bestand in den vergangenen Jahren erforscht, restauriert und digitalisiert. Für die Bearbeitung der japanischen Bestände konnte der international ausgewiesene Experte Professor Hans Bjarne Thomsen aus Zürich gewonnen werden.
Zu Beginn gibt es eine Einführung in die Technik des Holzschnitts. Jedes Werk ist das Ergebnis eines gemeinschaftlichen Herstellungsprozesse. So entstanden, je nach Auflage und Auftraggeber, kostbare Sammlerstücke oder erschwingliche Drucke für viele. Die Bilder und Holzschnittbücher waren somit nicht nur exklusiven Kreisen vorbehalten, sondern wurden auch zu einem wichtigen Teil der bürgerlichen Unterhaltungskultur.
Inspiration und Dialog: Die Dresdner Sammlung wird auch als Impulsgeber für die europäische Moderne und die Kunst- und Designausbildung in Dresden um 1900 in den Blick genommen. Den japanischen Arbeiten stehen Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler gegenüber, darunter James McNeill Whistler, Henri de Toulouse-Lautrec, Edvard Munch, Emil Orlik und Mary Cassatt.
Der Katalog zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag erschienen. 320 Seiten, Museumspreis 29,90 €, Buchhandelspreis 40 €, ISBN 978-3-7774-4727-8.
Bild: Ausstellungsansicht Japan auf Papier in Dresden im Dresdner Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig
120 Hände und ein 111. Todestag: Wanderausstellung «Mein Morgenstern» in Mainz
bis 28. August 2026
Mein Morgenstern
Gutenberg-Bibliothek im Gutenberg-Carré
Ernst-Ludwig-Platz 2, 55116 Mainz
Sprachkunst trifft Buchkunst: Zum 111. Todestag von Christian Morgenstern 2025 hatte der Verein für die Schwarze Kunst zusammen mit der Vereinigung Meister der Einbandkunst das Projekt Mein Morgenstern. Von Hand geschöpft, gesetzt, gedruckt, gebunden initiiert und erfolgreich umgesetzt.
Es entstanden 44 typografische Arbeiten im Bleisatz und anderen grafischen Techniken von 29 vorwiegend jungen Nachwuchsdesigner:innen. Nach fast 10000 Druckdurchgängen auf verschiedenen Andruckpressen in sechs Druckwerkstätten des Vereins für die Schwarze Kunst konnten 2024 die Rohbogen in die fähigen Hände der 22 teilnehmenden MDE-Mitglieder übergeben werden. Es entstanden 22 Einbandfamilien, bestehend aus je einem künstlerischen Einbandunikat und der dazugehörigen einfacheren Kleinserie von 8 Exemplaren. Zu sehen ist diese Vielfalt der Buchgestaltung in der gleichnamigen Wanderausstellung Mein Morgenstern, die seit März 2025 auf Reise ist. Exemplare aus den 22 Kleinserien können exklusiv bei der Büchergilde Gutenberg erworben werden.
Noch bis 28. August 2026 macht die Ausstellung Station in der Bibliothek des Gutenberg-Museums.
Am Montag, dem 24. August 2026, kann man im Lesesaal der Gutenberg-Bibliothek ein letztes Mal Auf Morgensterns Spuren wandeln. Dann findet nämlich eine kommentierte Lesung mit Kruna Savic vom Staatstheater Mainz und mit Bibliotheksleiter Dr. Marco Brösch statt.
Weitere Stationen:
5./6. September 2026 Buchmachermarkt Mosbach im Odenwald
Druckwerkstatt Mosbach
26. September bis 30. Oktober 2026 Oldenburg
Landesbibliothek Oldenburg
März 2027 Typorama in Bischofszell in der Schweiz
27. bis 30. Mai 2027 Allumnitreffen mit Abschlussfest am 29. Mai in der Papiermühle Homburg
Mehr zum Projekt hier: mein_morgenstern_vfdsk
Foto © Gutenberg-Museum Mainz
Mainz: Flora – Wenn aus Wurzeln Wunder wachsen
nur noch bis 23. August 2026
Flora – Wenn aus Wurzeln Wunder wachsen
Eine interdisziplinäre Sonderausstellung der Hochschule Mainz,
des Gutenberg-Museums und des Naturhistorischen Museums
Gutenberg-Museum MOVED, Reichklarastraße 1, 55116 Mainz
Die Ausstellung FLORA lädt dazu ein, das Heilpflanzenwissen des Mittelalters mit neuen Augen zu betrachten. Interaktive, künstlerische und sinnliche Formate – entwickelt von Studierenden der Hochschule Mainz – machen historisches botanisches Wissen ebenso erfahrbar wie seine heutige Einordnung.
Ausgangspunkt ist der Gart der Gesundheit von 1485. Dieses in Mainz bei Peter Schöffer gedruckte einflussreiche Kräuter- und Arzneibuch öffnet zusammen mit weiteren Exponaten aus dem Gutenberg-Museum und dem Naturhistorischen Museum den Blick auf die vielschichtige Beziehung zwischen Mensch und Pflanze – von tradiertem Wissen bis zu aktuellen ökologischen Fragestellungen unserer Zeit.
Vortrag Pflanzenbilder und Kräuterschätze von Pia Rudolph am 20. August, 18 Uhr. Eintritt frei, bitte hier anmelden: info@gemeinsamfuergutenberg.de
Gart der Gesundheit und Ausstellungsansicht. Fotos: Silvia Werfel
In eigener Sache …
Dass in den vergangenen zwei Monaten keine neuen Bibliophilen Notizen erschienen sind, heißt nicht, dass es nichts zu sehen und nichts zu erzählen gäbe. Meine schwierige familiäre Situation hat mich zu stark beansprucht und zu dieser ungeplanten ‹Sommerpause› geführt.
Nun soll es weitergehen, und so sende ich einen Blumengruß aus meinem Garten. Der blühende Berglauch führt direkt zur ersten neuen Bibliophilen Notiz und hinein in die Ausstellung Flora – Wenn aus Wurzeln Wunder wachsen, die nur noch bis 23. August im Gutenberg-Museum zu sehen ist.
Mit herzlichen Grüßen von Silvia Werfel
Umfangreiche Schenkung von Werken Alexander Olbrichts an die KSW
Anlässlich des 150. Geburtstages des in Breslau geborenen Malers und Grafikers Alexander Olbricht am 6. Juni haben seine Erben der Klassik Stiftung Weimar 540 Grafiken, historische Fotografien und weitere Arbeiten aus dem Nachlass als Schenkung übergeben. Darunter sind auch unbekannte Werke seiner Ehefrau Margarete geborene Thurow, eine der ersten Studentinnen an der Weimarer Kunstschule. Als junger Maler kam Olbricht 1899 für das Studium bei Theodor Hagen (1842–1919) nach Weimar, wo er bis zu seinem Tod 1942 lebte. Er heiratete 1904 seine aus Mecklenburg stammende Mitstudentin Margarete Thurow und war mit dem in Weimar geborenen Grafiker Marcus Behmer (1879–1958) eng befreundet, einem der ersten offen homosexuell lebenden Künstler der Zeit.
Dr. Annette Ludwig, Direktorin der Museen der Klassik Stiftung Weimar, betont, «dass die Schenkung zum Gedenken an den 150. Geburtstag Olbrichts in Qualität und Umfang außerordentlich ist und die Sammlung der Museen fantastisch ergänzt und qualifiziert. Auch durch die Arbeiten befreundeter Künstler sowie durch die Werke von Margarethe Thurow (1882–1972), ist das Konvolut bedeutsam. Denn die Arbeiten seiner Ehefrau sind gleichsam eine spannende Entdeckung.»
In der Wandelhalle 2026-2 wird auf diese besondere Schenkung ausführlicher eingegangen.
Abbildung: Alexander Olbricht (1846–1942), Vierundzwanzig Zweige: Berberitzenzweig mit Früchten, 1920, Aquarell über Graphit, © Klassik Stiftung Weimar
«Förderpreise für junge Buchgestaltung 2026» vergeben
Für «besonders innovative, zukunftsweisende Konzepte zur gestalterischen Weiterentwicklung des Mediums Buch» vergibt die Stiftung Buchkunst alljährlich drei mit 2000 Euro dotierte Förderpreise. Die aus Gestalter:innen und Hochschulexpert:innen besetzte Jury wählte diese drei Gewinnertitel aus:
Lena Ludwig
Liebhabkondensat – Eine Sammlung von 100 familiären Idiolekten
Eigenverlag
Yitong Feng
HEIM-WEG-FREMD-WEG
Eigenverlag
Celia Joy Homann
Vulvodynie – Schmerz der Weiblichkeit
Eigenverlag
Faltblatt zum Download:
fp26_praemierte_3
Bildnachweis:
© Stiftung Buchkunst. Foto: Uwe Dettmar
«Die schönsten deutschen Bücher 2026»
«Vorbildlich in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung»:
Rund 600 Bücher wurden zum Wettbewerb der Stiftung Buchkunst eingereicht. In einem aufwendigen zweistufigen Jurierungsverfahren kürten zwei Expertenjuries in fünf Kategorien die 25 Schönsten deutschen Bücher des Jahres 2026.
Zum Entscheidungsprozess sei eine Stimme herausgepickt – Rainer Arnold (Erste Jury, Hirmer Verlag, München): «Es gibt eine große Bandbreite an Optionen, was man aus Büchern gestalterisch und herstellerisch alles machen kann. Mit meiner Verlagsperspektive behalte ich jedoch insbesondere die Realisierbarkeit und das Budget im Hinterkopf. Titel, die in der Ausstattung nicht alle Register ziehen, sondern mit einfachen und begrenzten Mitteln arbeiten, erfreuen mich dementsprechend immer sehr. Bücher wie diese sollten gewürdigt werden. Dieses Jahr gibt es ebenfalls einige wunderbare Beispiele dieser Sorte.»
Die prämierten Titel sind zugleich für den mit 10 000 Euro dotierten Preis der Stiftung Buchkunst nominiert. Das Geheimnis um das von einer Sonderjury auserwählte «allerschönste» deutsche Buch wird bei der Preisverleihung am 4. September 2026 im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main gelüftet.
Faltblatt mit den gekürten Büchern zum Download:
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Bildnachweis:
© Stiftung Buchkunst, Foto: Uwe Dettmar
Robert Schwarz in Mainz ausgezeichnet
Die Ike und Berthold Roland-Stiftung Mannheim hat den mit 5000 Euro dotierten Kunstpreis an den Buchkünstler Robert Schwarz im Landesmuseum Mainz im Beisein geladener Gäste verliehen.
Die Werke des vielfach ausgezeichneten Buchkünstlers (u.a. Casa Baldi-Stipendium 1987, Stadtdrucker Mainz 1989, Pfalzpreis für Grafik 1998) sind heute in allen bedeutenden Museen und Bibliotheken vertreten, z.B. Victoria & Albert Museum und Tate Gallery of Modern Art London, Klingspor Museum Offenbach, Museum of Modern Art New York, Library of Congress Washington, Bibliotheque nationale de France und Meermanno Den Haag.
Bild, von links: Museumsdirektorin Dr. Birgit Heide, Laudatorin Maria Leitmeyer, der Künstler Robert Schwarz, die Stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung Barbara Rumpf. Foto: Paris Pourany.
Tauchnitz-Sammlung für die Universitätsbibliothek Leipzig
Einmal von Leipzig in die Welt und zurück – am 10. Juni 2026, 18 Uhr, wird in der Bibliotheca Albertina eine außergewöhnliche Schenkung präsentiert: Der britische Sammler Alastair Jollans übergibt rund 5000 Bände der legendären Collection of British and American Authors des Bernhard Tauchnitz Verlags an die Universitätsbibliothek Leipzig (UBL).
Es handelt sich um eine der umfangreichsten Sammlungen der berühmten Tauchnitz Edition, die seit 1841 preiswerte englischsprachige Literatur für das kontinentale Europa zugänglich machte. Bernhard Tauchnitz war damit ein Wegbereiter des modernen Taschenbuchs und ein Pionier des internationalen Copyrights.
Die UBL und das Institut für Anglistik laden aus diesem Anlass dazu ein, erste Bände der Sammlung zu entdecken und die Schenkung im Beisein des Sammlers Alastair Jollans (Großbritannien) und des Laudators Charles Johanningsmeier (Nebraska, USA) zu würdigen. Zugleich wird auf das besondere Engagement der Leipziger Tauchnitz-Forscher:innengruppe – Dietmar Böhnke, Thomas Keiderling, Melanie Mienert und Stefan Welz – eingegangen; sie setzen sich für die Bewahrung des Tauchnitz-Erbes ein und haben die Schenkung vermittelt.
Eine persönliche Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei Wunsch einer Platzreservierung wird um kurze Rückmeldung gebeten, telefonisch unter +49 341 9730565 oder per eMail oeffentlichkeitsarbeit@ub.uni-leipzig.de
Veranstaltungsort:
Bibliotheca Albertina
Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig
Foto: Thomas Kademann
Jahrestreffen 2026 in Kassel
Grund zur Freude: In der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) ist am Donnerstag, den 7. Mai 2026, ein schöner Beitrag von Mark-Christian von Busse zum Jahrestreffen der Gesellschaft der Bibliophilen erschienen. In dem ausführlichen 5-spaltigen Artikel wird die GdB vorgestellt und auf das Programm hingewiesen. Am 15. Mai erschien zusätzlich ein kleiner Nachbericht mit Foto. Auch auf 20260527-boersenblatt-net findet sich ein Beitrag zum Jahrestreffen in Kassel. Vielen herzlichen Dank!
Der Bericht zum Jahrestreffen 2026 von Silvia Werfel und Kai Weber erscheint in der Herbstausgabe der Wandelhalle für Bücherfreunde.
SLUB Dresden öffnet Buchmuseum für die Initiative «Bei Anruf Kultur»
Kulturorte auch für diejenigen erlebbar machen, die sie nicht besuchen oder visuell entdecken können: Das ermöglicht die Initiative Bei Anruf Kultur. Anlässlich des UNESCO-Welttages des Buches startete im April eine neue Kooperation zwischen dem bundesweiten Vermittlungsangebot und der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB).
«Bei Anruf Kultur macht unsere Ausstellungen für ein breiteres Publikum zugänglich und unterstützt kulturelle Teilhabe auf besondere Weise. Beides liegt uns sehr am Herzen, deshalb freuen wir uns, Teil dieser Initiative zu sein.», erläutert Dr. Edith Schriefl, Ausstellungsmanagerin im Buchmuseum der SLUB Dresden.
Kuratorin Dr. Andrea Hammes hatte am 22. April dazu eingeladen, die Ausstellung Kein Freischütz für Dresden. Carl Maria von Weber und die deutsche Oper aus neuer Perspektive zu entdecken. Bei den Telefonführungen am 1. Juni und 26. Oktober 2026 steht der Maya-Codex im Mittelpunkt – eine von weltweit nur vier erhaltenen Handschriften der Maya, die in der SLUB Dresden aufbewahrt und ausgestellt wird.
Informationen zur bundesweiten Initiative finden sich hier:
bei_anruf_kultur.
Anmeldung zur Telefonführung über den Maya-Codex hier:
SLUB_Telefonführung_Maya-Codex
Dr. Edith Schriefl, Ausstellungsmanagerin im Buchmuseum der SLUB Dresden, bietet am 1. Juni und 26. Oktober 2026 Telefonführungen zum Maya-Codex an. Foto: © SLUB Dresden/ Ramona Ahlers-Bergner
Vergessene Kunst in Bamberg: Alexej Borutscheff
27. April bis 18. Juli 2026
Vergessene Kunst in Bamberg:
Alexej Borutscheff (1911–1994)
Staatsbibliothek Bamberg
Neue Residenz, Domplatz 8, 96049 Bamberg
Alexej Archipowitsch Borutscheff, im Westen des russischen Kaiserreichs geboren, geriet während des Zweiten Weltkriegs in deutsche Gefangenschaft. 1945 kam er nach Bamberg. Hier lebte und wirkte er bis zu seinem Tod. Sein Atelier, das ihm zugleich als Wohnung diente, lag zuletzt in unmittelbarer Nähe zu Dom und Staatsbibliothek.
Der studierte Architekt wandte sich bald ganz der Kunst zu. Seine Zeichnungen, Holzschnitte und Radierungen sind expressiv und fantastisch zugleich. Borutscheff schuf außerdem Aquarelle, Ölgemälde und plastische Werke. Seinen Stil könnte man dem Fantastischen Realismus zuordnen, aber in ganz unverkennbarer Art.
Bedeutend sind auch seine literarischen Illustrationen, so zu E. T. A. Hoffmann und zu Goethes Faust. Werke russischer Autoren wie Tolstoi und Solschenizyn schätzte Borutscheff besonders. Die ausgewählten Texte der Weltliteratur schrieb er von Hand ab und fertigte Zeichungen dazu an. Dabei bewegten ihn die großen Themen menschlichen Lebens: Macht, Gewalt, Torheit, Liebe, Unangepasstheit.
Die Staatsbibliothek Bamberg bewahrt das Werk des freischaffenden Künstlers Alexej Borutscheff und gibt nun erstmals umfassenden Einblick in sein Schaffen. Das Begleitprogramm zur Ausstellung ist kostenfrei und ohne Anmeldung zu besuchen. Mehr Infos im Faltblatt hier:
VergesseneKunst_2026_StaatsbibliothekBamberg
Bild:
Alexej Borutscheff mit einer Radierung des Alten Rathauses in Bamberg. Fotografie um 1988. Staatsbibliothek Bamberg, Msc.Add.1025(A 1. Foto: Alfons Steber
allmende 116: Im Gedenken an Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann
Etliche Bibliophile haben allmende – Zeitschrift für Literatur abonniert und schätzen sie. Nun wurde am 22. April in der Literarischen Gesellschaft im Max Palais Karlsruhe die Ausgabe 116 vorgestellt. Sie ist Hansgeorg Schmidt-Bergmann gewidmet. Ihr Thema: Literaturvermittlung heute.
Hansgeorg Schmidt-Bergmann, der am 3. September 2025 ganz unerwartet verstorben ist, hat die 1981 gegründete Literaturzeitschrift seit 2002 im Auftrag der Literarischen Gesellschaft herausgegeben. Und mehr noch: Als geschäftsführender Vorsitzender der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe, Leiter des Museums für Literatur am Oberrhein, Professor für Literaturwissenschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Mitglied und Vorsitzender verschiedener Literaturjurys und Gremien prägte er nicht nur die alemannisch-deutschsprachige Literatur- und Kulturlandschaft, sondern förderte auch viele junge Schriftsteller und Schriftstellerinnen.
In der ihm gewidmeten allmende-Ausgabe kommen sie zu Wort: die Autoren Arnold Stadler, Markus Orths, Björn Kern und Peter Stamm, die Literaturkritiker Andreas Platthaus und Tilman Krause, die Scheffel-Preisträger:innen Heike Schmoll, Ricarda Lang und Kai Uwe Peter, die Verleger Roman Pliske und Thedel von Wallmoden, Anton Philipp Knittel vom Literaturhaus sowie eine Reihe renommierter Literaturwissenschaftler:innen. Annette Ludwig, Direktorin der Museen der Klassik Stiftung Weimar, Erste Vorsitzende der GdB und über dreißig Jahre mit ihrer «Lebensliebe» Hansgeorg «symbiotisch verbunden», schreibt unter dem schönen Titel Welt erzählen und begreifen, in welcher Weise Hansgeorg Schmidt-Bergmann die Literaturvermittlung neu erfunden hat.
Wissen und Sachverstand sind das Eine, Empathie und wohlwollend-entspannte Zugewandtheit, oft verbunden mit einem freundlich-verschmitzten Schmunzeln, sind das Andere. Hansgeorg Schmidt-Bergmann hat vor allem als Mensch Spuren hinterlassen. (siw)
Die allmende – Zeitschrift für Literatur erscheint in:
mdv Mitteldeutscher Verlag GmbH, Halle an der Saale
Telefon: (03 45) 2 33 22-0
info@mitteldeutscherverlag.de
www.allmende-online.de
(Den Nachruf auf Hansgeorg Schmidt-Bergmann von Sebastian Eichenberg, dem Zweiten Vorsitzenden der GdB, finden Sie hier auf der Website und in der Wandelhalle 2025-2)
Berlin: «Im Fokus» – Dante Alighieri
Mittwoch, 20. Mai 2026, 16 bis 17 Uhr
Dante Alighieri – eine Spurensuche
Staatsbibliothek zu Berlin, Raum Oxford
Unter den Linden 8, 10117 Berlin
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Im Fokus: Auf Entdeckungsreise durch unsere Sammlungen geht es am 20. Mai um eine Spurensuche.
Der Florentiner Dante Alighieri zählt zu den meistgelesenen und -rezipierten Autoren des europäischen Mittelalters. Seine literarische Reise in die Jenseitsbereiche Hölle, Fegefeuer und Paradies in seiner Göttlichen Komödie katapultierte ihn in den Kanon der Weltliteratur. Dante war der erste Romanist, Vater der italienischen Literatur und stilbildend für die Lyrik. Er führte ein Laienpublikum an die Philosophie heran. Die Stabi verfügt über geradezu himmlische Dante-Bestände, aus denen eine kleine Auswahl gezeigt wird.
Bitte melden Sie sich hier an:
SBB_Dante_im_Fokus
Weiter Termine finden Sie auch in unserem Terminkalender:
bibliophilie_Termine_April+Mai+Juni
Wiesbaden: Politische Plakate 1918 bis 1990
Zwei Ausstellungsorte in Wiesbaden zeigen:
Unter Druck. Politische Plakate 1918–1990
bis 9. August 2026:
Politische Plakate 1918 bis 1933
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
bis 11. April 2026:
Politische Plakate 1945 bis 1990
Hessischer Landtag
Schlossplatz 1–3, 65183 Wiesbaden
Schöne Vergleiche konnte man in den Wochen vor den hessischen Kommunalwahlen anstellen: im öffentlichen Raum die aktuellen Plakate mit Politikerporträts und mehr oder weniger aussagekräftigen Statements, im Landesmuseum historische Plakate aus der Zeit von 1918 bis 1933, im Hessischen Landtag Plakate der Jahre 1945 bis 1990. Die größte gestalterische Vielfalt zeigen auf jeden Fall die Exponate im Landesmuseum.
Die rund achtzig hier an den Wänden hängenden Plakate aus der Sammlung von Maximilian Karagöz zeigen, wie die visuelle Kommunikation mittels Plakat in der Politik zur Zeit der Weimarer Republik genutzt wurde: zur Information, zur Einflussnahme, zur Manipulation. Schon im Ersten Weltkrieg wurde das Plakat zu einem wichtigen Propagandainstrument, wobei die Kriegsparteien das Medium unterschiedlich nutzten. In Deutschland warb man in eher zurückhaltender Weise etwa für Kriegsanleihen. Demgegenüber setzen Frankreich und Großbritannien, ab 1917 auch die USA, auf Zuspitzung und Emotionalisierung.
Im bundesrepublikanischen Wahlkampf der Nachkriegszeit hieß es erst einmal «Keine Experimente!». Das galt offensichtlich auch für die wenig innovative Plakatgestaltung, die sich üblicherweise auf Politikerporträts beschränkte. Erst ab den 1970er Jahren waren neue, unkonventionelle Motive gefragt. Sogar Selbstironie und hintersinniger Humor hielten nun vereinzelt Einzug, zum Beispiel bei der Partei der Grünen.
Der reich bebilderte, den Zeitraum 1918 bis 1990 umfassende Katalog enthält lesenswerte Beiträge von Peter Forster, René Grohnert, Petra Eisele und Nikolas Werner Jacobs (144 S., Deutscher Kunstverlag, 28 €); darüber hinaus gibt es im Landesmuseum eine postkartengroße, 46-seitige Werkübersicht mit den Plakaten 1918 bis 1933 zum Mitnehmen.
Bild:
Plakatwerbung für die Deutsche Volkspartei, Alexander Maria Cay, 1920. Sammlung Maximilian Karagöz. Foto: Museum Wiesbaden ⁄ Dirk Uebele
BuchDruckKunst Hamburg am 11. und 12. April
BuchDruckKunst-Messe
11. und 12. April 2026
Museum der Arbeit
Wiesendamm 3, 22305 Hamburg
Die von Wibke und Stefan Bartkowiak 1999 zunächst als Biennale ins Leben gerufene Buchkunst-Messe, ab 2015 von dem Hamburger Buchdrucker und Künstler Klaus Raasch weitergeführt, hat nun mit Annette Kölbel und Matthias Taube eine neue Leitung.
Die 21. Auflage der geradezu legendären Verkaufsmesse für Druckgrafik, Künstlerbücher und erlesenes Druckhandwerk präsentiert 60 Künstler und Editionen. Willkommen sind alle kultur- und kunstinteressierten Menschen, jedoch hat man diesmal besonders die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen im Blick. Auch der Austausch mit Hochschulen soll wiederbelebt werden.
Download des Infoflyers hier:
BDK_Hamburg:2026
Bild: Die BDK 2025, Foto © Florian Ropers
Erik Spiekermann erhält den Gutenberg-Preis 2026
Der Gutenberg-Preis 2026 der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft und der Landeshauptstadt Mainz geht an Erik Spiekermann.
Prof. Dr. h.c. Erik Spiekermann ist Gestalter und Typograf, Schriftgestalter, Unternehmer und Autor von internationalem Rang. Bereits in den frühen Jahren des Internets setzte er mit seinem Unternehmen FontShop Maßstäbe für den weltweiten Online-Vertrieb von Satzschriften. Neben der Tätigkeit als Schriftgestalter hat Erik Spiekermann mit seinen Firmen MetaDesign und EdenSpiekermann das Erscheinungsbild großer Unternehmen und öffentlicher Institutionen geprägt. Er entwickelte zudem Schriftlösungen für Verkehrssysteme und Medien. Darüber hinaus setzt er sich seit vielen Jahren auch für den Erhalt des Buchdruckverfahrens ein. Er ist – in der Tradition Gutenbergs – sowohl in der digitalen als auch in der physisch-haptischen Welt zuhause.
Der Festakt findet am Samstag, den 20. Juni 2026, ab 12:30 Uhr im Forstersaal des Kurfürstlichen Schlosses (Eingang Diether-v.-Isenburg-Str.) statt. Die Laudatio wird die ehemalige Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Verlegerin des Verlags Hermann Schmidt, Frau Karin Schmidt-Friderichs, halten.
Der Gutenberg-Preis der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft in Mainz e.V. und der Stadt Mainz wird seit 1968 für hervorragende künstlerische, technische und wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Druckkunst verliehen. Die Auszeichnung wurde anfänglich alle drei Jahre vergeben, seit 1994 dann im jährlichen Wechsel mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig, der ebenfalls herausragende buchkünstlerische Leistungen ehrt. Der Gutenberg-Preis ist dotiert mit 10 000 Euro.
Foto: Gerhard Kühne
DBSM Leipzig: Waffe Buchumschlag!
bis 20. September 2026
Waffe Buchumschlag!
Foto, Cover und Propaganda in den 1930er Jahren
Deutsches Buch- und Schriftmuseum der DNB
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig
Die Kabinettausstellung, die am 17. März im Deutschen Buch- und Schriftmuseum eröffnet wurde, wirft ein Schlaglicht auf die 1930er Jahre. Politische Auseinandersetzungen, ideologische Konflikte und extrem polarisierende Spannungen innerhalb der Gesellschaft spiegelten sich damals auch auf Buchumschlägen.
Anhand von über 100 Exponaten macht die Ausstellung deutlich: Als «kleines Plakat» erregte der Buchumschlag mit emotionalen Bildern, provokativen Montagen und kraftvoller Typografie Aufmerksamkeit und zielte auf Beeinflussung der Massen. Die Entwicklung der Fotografie zum Massenmedium in den 1920er Jahren – gefördert durch die Entwicklung der illustrierten Presse und kostengünstiger Reproduktionstechniken – bot politischen Parteien und Gruppen eine neue, wirksame Sprache.
Im Verlag Schlebrügge erschien begleitend der Katalog Buchumschlag! Fotomontagen im politischen Kampf der 1930er-Jahre in Österreich. Er wurde mit dem Deutschen Fotobuchpreis 2025 prämiert, kostet 27,30 € und wird den Bibliophilen in Kürze näher vorgestellt.
Schutzumschlag zu Franz Glienke, Ein Prolet in der Fremdenlegion. Berlin, Wien: Agis, 1931, Gestaltung von Werner Eggert. Bild: Photoinstitut Bonartes, Wien
Caricatura Salon #5 – Stricheln und Sticheln
bis 7. Juni 2026
Caricatura Salon #5 – Stricheln und Sticheln
Caricatura Museum für Komische Kunst Frankfurt
Weckmarkt 17, 60311 Frankfurt am Main
Karikaturen sind politische Bildung im Kurzformat, denn hier werden Komik und satirische Übertreibung zum kritischen Instrument. In ihrer Überspitzung provozieren sie Haltung und schaffen Raum für lebendigen Meinungsaustausch. Als kritisches Korrektiv ermöglichen sie niederschwelligen Zugang zur politischen Debatte und bieten Orientierung. Als gewaltfreies Instrument können sie dazu beitragen, Tabus zu brechen und extremistische Positionen in ihrer Absurdität zu entlarven. Dabei zeigt Satire wie ein Seismograph die Verfasstheit einer Gesellschaft an: Je freier sie arbeiten kann, desto aufgeklärter ist ihr Umfeld.
Gezeigt werden ausgewählte Arbeiten der Cartoonistin und Comic-Zeichnerin Katharina Greve, der Karikaturisten-Duos Greser & Lenz und Hauck & Bauer sowie satirische Gedichte des Autors Thomas Gsella. Bestens bekannt sind alle durch ihre Veröffentlichungen in TITANIC. Sie gehören zu den renommiertesten Vertreter:innen ihrer Zunft.
Die ursprüngliche Idee zur Ausstellung stammt vom Verein KulturSzene Churfranken RheinMain. Das Caricatura Museum hat das Konzept in Zusammenarbeit mit dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain weiterentwickelt. Die Ausstellung findet nun im Rahmen von World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 statt.
Bild © Katharina Greve
Oldenburg: Hannes Möller – SOLITAIRE
bis 25. April 2026
Hannes Möller: SOLITAIRE
Landesbibliothek Oldenburg
Pferdemarkt 15, 26121 Oldenburg
Seit 2007 besucht der aus dem Oldenburger Münsterland stammende Künstler Hannes Möller Bibliotheken mit besonderen historischen Beständen in Deutschland und Europa, darunter Cluny, Coburg, Gotha, Göttingen, Hannover, Oxford, St. Gallen, Straßburg, Weimar, Wolfenbüttel, und auch die Landesbibliothek Oldenburg.
In diesen Kathedralen des Wissens entdeckt er immer wieder außergewöhnliche Schätze. Jedoch gilt sein Interesse weniger dem Inhalt dieser Entdeckungen, sein Blick ist ganz auf Gebrauchsspuren wie Kratzer, Risse oder Brüche an den Einbänden gerichtet; viele entstanden durch jahrhundertelange Nutzung.
Die teils großformatigen Papierarbeiten, detailliert gemalt in einer speziellen Mixed-Media-Technik aus Aquarell, Gouache und partieller Höhung mit Farbstiften, verleihen den Werken eine besondere Plastizität und verdeutlichen so die Einzigartigkeit dieser SOLITAIRE.
Hannes Möller: «Meine Bücher kann man nicht in die Hand nehmen, nicht öffnen oder lesen. So bewahren sie ihr Geheimnis. Doch man kann sich ihnen zuwenden. Sie erwidern den Betrachterblick wie ein Portrait, dessen Blick dem Gegenüber folgt. Meine Gemälde sind Portraits von Büchern.»
Bild:
o. T. – Landesbibliothek Oldenburg, ca. 50×30 cm, 2025
Berlin: «Inventing E.T.A. Hoffmann» im Stabi Kulturwerk
27. Februar bis 17. Mai 2026
Inventing E.T.A. Hoffmann (1776–2026)
Stabi Kulturwerk, Staatsbibliothek zu Berlin
Unter den Linden 8, 10117 Berlin
Zur Feier des 250. Geburtstages von E.T.A. Hoffmann würdigt die Ausstellung Inventing E.T.A. Hoffmann (1776–2026) die vielfältige Buchkultur, die den Schriftsteller E.T.A. Hoffmann bis in die Gegenwart hinein immer wieder neu erfindet.
Die Ausstellung präsentiert einzigartige Illustrationen und Künstlerbücher, erzählt Geschichten des Exils und des Verlusts und erschließt, mit einem Seitenblick auf den Kater Murr, die Ursprünge des «cat contents».
Kuratiert von dem Literaturwissenschaftler Dennis Schäfer, der im August 2025 als Stipendiat an der Staatsbibliothek zu Berlin forschte und beim Jahrestreffen der Gesellschaft der Bibliophilen vergangenes Jahr in Bamberg einen bemerkenswerten Vortrag zu E.T.A. Hoffmann hielt.
Ausstellungseröffnung am 26. Februar 2026, 18 Uhr, Anmeldung erbeten: Stabi_Hoffmann_Ausstellungseröffnung
Veranstaltung am Mittwoch, 4. März 2026, 18 Uhr
(Breiter) Kanon im Kulturwerk: Ein Gespräch über die Ausstellung romantischer Autor:innen. Gespräch zwischen den Kurator:innen der Ausstellungen Was lesen? und Inventing E.T.A. Hoffmann.
Bild: © Stabi Berlin, Foto: Hagen Immel
HAB: «EDIKILEX: Edition, künstliche Intelligenz und Lexikographie»
Unter dem Titel «EDIKILEX: Edition, künstliche Intelligenz und Lexikographie – Interdisziplinäre Zugänge und digitale Methoden im Umgang mit frühneuhochdeutschen Texten» startet im März 2026 ein vierjähriges Verbundprojekt zur Nutzung von KI für die Erschließung von Texten der Frühen Neuzeit. Ziel des Projekts ist es, Verfahren zu entwickeln, die frühneuhochdeutsche Texte automatisch lemmatisieren und semantisch auswerten, um sie besser verständlich und wissenschaftlich breiter nutzbar zu machen.
Im Verbund arbeiten mehrere niedersächsische Einrichtungen zusammen: An den Universitäten Göttingen und Hildesheim werden KI- und Natural Language Processing (NLP)-Verfahren entwickelt, die aus heterogenen frühneuhochdeutschen Textdaten verlässliche Wortformen und Bedeutungsinformationen gewinnen. Diese Ergebnisse fließen in Editionsprojekte der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (HAB) und der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ein und werden zugleich für die Weiterentwicklung des Frühneuhochdeutschen Wörterbuchs der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen nutzbar gemacht, die den Verbund koordiniert.
Die HAB stellt die Textgrundlagen bereit und erweitert eine etablierte Arbeitsumgebung für digitale Editionen um Schnittstellen zur Nutzung KI-generierter Daten. Darüber hinaus entwickelt das Projektteam der HAB das Frontend für das geplante Text-Wissens-System und übernimmt die Langzeitarchivierung sowie die Einbindung der Projektdaten in die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Am Beispiel der von der HAB gehosteten Karlstadt-Edition (https://karlstadt-edition.org/) werden die neuen Verfahren exemplarisch erprobt, sodass sich konkret nachvollziehen lässt, wie historische Quellen mit Hilfe von KI und Lexikographie besser erschlossen und vermittelt werden können. Die HAB bringt dabei ihre langjährige Expertise in der digitalen Editorik und im Umgang mit frühneuzeitlichen Quellen ein.
Begleitend reflektiert das Projekt die enge Verschränkung von geisteswissenschaftlicher Forschung mit Methoden der Künstlichen Intelligenz und des NLP. Dabei sollen auch Impulse für eine interdisziplinäre Hypothesenbildung gewonnen werden, etwa zur Frage, wie sich digitale Werkzeuge und KI-gestützte Analysen auf das Verständnis historischer Texte, Begriffe und Diskurse auswirken.
Der Verbund wird von der niedersächsischen Landesregierung und der VolkswagenStiftung im Rahmen des Programms zukunft.niedersachsen mit insgesamt 4,9 Millionen Euro gefördert. Rund eine Million Euro ist dabei für die Herzog August Bibliothek vorgesehen.
(HAB-Pressemitteilung vom 16. Februar 2026)
Bild:
Das Symbolbild für EDIKILEX wurde mit der KI Adobe Firefly generiert.
UB Basel: London Calling
bis 20. Mai 2026
London Calling
Schweizerisch-britischer Kulturaustausch 1580–1780
Universitätsbibliothek Basel
Schönbeinstr. 18–20, 4056 Basel
Die alte Eidgenossenschaft war schon in der frühen Neuzeit vielfältig vernetzt in Europa und darüber hinaus. Weniger bekannt sind die kulturellen Beziehungen der alten Schweiz mit England, denen diese Ausstellung nachspürt.
Zu sehen sind Briefe, Karten, Porträts, Übersetzungen viel gelesener religiöser Texte aus England und literarische Werke, wie eine von Johann Jacob Frey (1606–1636) nach Basel gebrachte Ausgabe von Shakespeares Dramen.
Eine Ausstellung zum Forschungsprojekt «SwissBritNet: Swiss-British Cultural Exchange and Knowledge Networks, 1600–1780» (6/2023–5/2027), gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds, unter Leitung von Ina Habermann und Lukas Rosenthaler, siehe: swissbritnet.
Siehe auch diesen Blogbeitrag: UBBasel_LondonCalling
Bild: A View of London Bridge in the Year 1616, from an Engraving by John Visscher, 1840–1860, London Museum Picture Library, Creative commons CC BY-NC 4.0.
DLA Marbach: Rilkes Welten
bis Ende 2026
Und dann und wann ein weißer Elefant. Rilkes Welten
Literaturmuseum der Moderne
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Schillerhöhe 8–10, 71672 Marbach
Die Schau zum Rilke-Jubiläumsjahr – 150. Geburtstag am 4. Dezember 2025 und 100. Todestag am 29. Dezember 2026 – schöpft aus einer der weltweit bedeutendsten Rilke-Sammlungen. Der seit Gründung des Deutschen Literaturarchivs systematisch aufgebaute Bestand von Rilke-Archivalien konnte im Jahr 2022 mit der Übernahme des Rilke-Archivs Gernsbach umfassend erweitert werden.
Mit mehr als 300 Exponaten wird auf rund 800 Quadratmetern der ‹ganze› Rilke in seinen verschiedenen Handlungsrollen und sozialen Bezügen sichtbar gemacht. Die Ausstellung wirft Schlaglichter auf die familiären, freundschaftlichen und amourösen Beziehungen Rilkes, auf seine Ambitionen als Bürger und Künstler, auf Rilke als Autor, Freund und Netzwerker im zeitgenössischen Literaturbetrieb, auf den Leser und Übersetzer Rilke, auf Rilke als Reisenden und auf Rilke im Bild.
Durch die 2022 neu in das Deutsche Literaturarchiv übernommenen Notizhefte, Briefe, Bücher, Bilder und anderen Objekte lassen sich exemplarisch einzelne Werkgeschichten rekonstruieren, von der Niederschrift erster Einfälle bis zu den Korrekturarbeiten für die Erstdrucke.
Filmtipp:
RILKE – Du musst Dein Leben ändern.. Dokumentarfilm von Thomas von Steinaecker, 52 Min., ARTE/ZDF/SRF/3B-Produktion, kofinanziert durch die EU. Auf arte.tv ist der Film bis zum 31. Mai 2026 zu sehen.
Literaturtipps:
– Marbacher Magazin 187.188. Rilke international. Zeitgenössische Echos auf Rilkes Lyrik. Hrsg. v. Holger Pils und Sandra Richter unter Mitarbeit von Lisa Jay Jeschke. 178 S., zahlreiche farbige Abb. Fadengeheftete Broschur mit SU. 2025. 20 €.
– Marbacher Magazin 189.190. Und dann und wann ein weißer Elefant Rilkes Welten. Hrsg. v. Sandra Richter, Anna Kinder, Mirko Nottscheid und Vera Hildenbrandt. 148 S., zahlreiche farbige Abb. Fadengeheftete Broschur mit SU. 2025. 20 €.
Bild:
Blick in die Ausstellung Und dann und wann ein weißer Elefant. Rilkes Welten. Foto: DLA Marbach/ Anja Bleeser
«Endspurt» in Mainz: Drucker- und Verlagszeichen seit der Gutenberg-Ära
bis 22. Februar 2026
Ich drucke! Signet, Marke und Druckerzeichen
seit dem Zeitalter Gutenbergs
Sonderausstellung im Gutenberg-Museum
Reichsklarastraße 1, 55116 Mainz
Gutenberg selbst hatte noch keins – zum Leidwesen der Druckhistoriker:innen. Aber schon Johannes Fust und Peter Schöffer markierten ihre Publikationen mit einem Druckerzeichen. Diese kleinen Bild-Text-Kreationen waren weit mehr als bloße Markenzeichen, sondern ein Ausdruck von Identität, Bildung, Frömmigkeit, Witz und Unternehmenskultur.
Das Gutenberg-Museum bewahrt mit etwa 2000 Druckerzeichen einen bedeutenden Sammlungsschatz. Gustav Mori, Forscher und ausgebildeter Drucker, sammelte diese Stücke in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als lose Blattsammlung – eine damals weit verbreitete Praxis. Dieser Bestand wird erstmals präsentiert. Dabei setzt die Ausstellung die historischen Druckerzeichen sehr schön mit den heutigen Verlagslogos in Beziehung, denn ihre Bedeutung für Identität und Markenbildung ist bis heute relevant.
«Druckerzeichen sind ein Spiegel ihrer Zeit. Sie zeigen, wie Drucker:innen sich selbst darstellten, wie sie Vertrauen schufen und sich im Wettbewerb positionierten», so die Kuratorinnen Prof. Dr. Hui Luan Tran (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) und Dr. Nino Nanobashvili (Gutenberg-Museum Mainz). Sie «erzählen Geschichten über Identität und Marktverhältnisse, über Machtstrukturen, Religion und Bildung. Sie verbinden uns mit den Menschen, die hinter den Büchern stehen und die unsere Kultur geprägt haben.»
Zur Ausstellung ist im Deutschen Kunstverlag ein umfassender, sehr schön gestalteter Begleitband erschienen. Darin finden sich einleitende Beiträge zum Medium der Druckerzeichen und zur Sammlungsgeschichte des Gutenberg-Museums. Weitere Beiträge widmen sich der Rolle von Witwen als Druckerinnen, einer beeindruckenden Sammlung von Druckstöcken in Antwerpen, der Selbstpräsentation ukrainischer Drucker sowie der Entwicklung des Verlagslogos vom Deutschen Kunstverlag. Das Buch wird in der Frühjahrsausgabe der Wandelhalle für Bücherfreunde näher vorgestellt.
Blick in die Ausstellung. Foto © Silvia Werfel
«Endspurt» in Weimar: Urzelle des Bauhauses
bis 23. Februar 2026
‹Urzelle› des Bauhauses – Karl Peter Röhl und sein Freundeskreis
Bauhaus-Museum Weimar, Stéphane-Hessel-Platz 1, 99423 Weimar
Aus Anlass des 50. Todestages des Bauhäuslers Karl Peter Röhl widmet sich die Klassik Stiftung Weimar in einer Sonderausstellung im Bauhaus-Museum der Bedeutung des Künstlers und seines Freundeskreises für das frühe Weimarer Bauhaus. – Gefördert durch die Karl Peter Röhl Stiftung, macht die Ausstellung die Künstler:innen, ihre Netzwerke, die künstlerischen und sozialutopischen Potenziale sowie die produktiven Missverständnisse und Enttäuschungen zum Thema.
Begleitend erscheint ein Katalog (96 Seiten, 72 Abbildungen, 15 €, ISBN 978-3-7443-0806-9.
Bild:
Karl Peter Röhl, Sternenmännchen. Entwurf für den Bauhaus-Stempel, 1919, Slg. Freese
Museum Wiesbaden: KörperGeometrie
nur noch bis 8. Februar 2026
Kabinettausstellung:
KörperGeometrie. Ilse Leda und Friedrich Vordem-Gildewart
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Die jüdische Tänzerin und Choreografin Ilse Leda (1906—1981) und der konstruktiv arbeitende Künstler Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899—1962) lernten sich um 1925 im dadaistisch geprägten Hannover im Umfeld von Joachim Ringelnatz und Kurt Schwitters kennen. Während ihre Karriere aufgrund des Nationalsozialismus 1937 abriss, konnte Vordemberge-Gildewart verborgen im niederländischen Exil weiterarbeiten. Dass Ledas Einfluss auf seine Werke ab diesem tragischen Punkt ihrer Beziehung größer war, als bisher angenommen, ist Thema der Kabinettausstellung, die die Geschichte einer großen Liebe zweier künstlerisch eng verbundener Menschen erzählt.
Zur Ausstellung ist beim Deutschen Kunstverlag der gleichnamige Katalog erschienen, herausgegeben von Arta Valstar-Verhoff und Roman Zieglgänsberger, 224 Seiten, 30 € an der Museumskasse, ISBN 978-3-422-80283-4.
Bild: «Ausdrucks-Studien» – Schule für Tanz und Gymnastik Ilse Leda – Hannover, fotografiert von Lore Feininger, um 1930.
Mainz: Künstlerbücher von Tanja Leonhardt
bis 13. März 2026
Immer wieder zurück zum Buch – Künstlerbücher von Tanja Leonhardt
Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz
Rheinallee 3 B, 55118 Mainz
Mo + Mi 10 bis 18 Uhr, Di 10 bis 17 Uhr, Do + Fr 10 bis 13 Uhr
Eintritt frei
Tanja Leonhardt, 1966 geboren, studierte in Mainz Germanistik und Freie Bildende Kunst und schloss als Meisterschülerin in der Schriftklasse von Prof. Alban Grimm und Pamela Stokes mit dem Schwerpunkt Schriftkunst ab. Danach gründete sie im Rhein-Main-Gebiet ihr Atelier Leonhardt, heute wohnt sie im Vogelsberg/Hessen. Neben Auftragsarbeiten und Lehrtätigkeiten (u.a. am Mainzer Institut für Buchwissenschaft) entsteht seit dem Studium auch ein umfangreiches freies Werk, in dem Sprache und ihre Erscheinungsformen eine Rolle spielen.
Immer schon begleitet das Künstlerbuch die unterschiedlichen Schaffensphasen. Die Ausstellung gibt einen Einblick in das Werk der vielseitigen Künstlerin.
Künstlerinnengespräch am 25. Februar 2026, 16.30 bis 17.30 Uhr: Beim gemeinsamen Gang durch die Ausstellung erläutert Tanja Leonhardt ihre Werke, den Entstehungs- und Schaffensprozess. Anmeldung erbeten, siehe Terminkalender.
Bild: Dialog zweier Künstlerpersönlichkeiten – Doppelseite aus dem Buch vom Rot, Aquarell von Martin Dürk. © Tanja Leonhardt
Honoré Daumier in der Albertina Wien
6. Februar bis 25. Mai 2026
Honoré Daumier. Spiegel der Gesellschaft
Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien
Die politische Lage ist instabil, eine ruchlose Clique missbraucht ihre Macht, die Wirtschaft kriselt und die gesellschaftliche Situation wird immer komplexer und unüberschaubarer. Die Schilderung der Verhältnisse im nachrevolutionären Frankreich des 19. Jahrhunderts scheint merkwürdig gegenwärtig und so ist es auch mit der zeitlos aktuellen Kunst des großen Honoré Daumier.
Die ALBERTINA präsentierte die erste große Daumier-Schau 1936 im Angesicht des aufkommenden faschistischen Regimes, kuratiert durch den später in die Emigration getriebenen Ernst Kris. 90 Jahre später zeigt sie unterstützt durch Leihgaben des Städelschen Museumsvereins den französischen Künstler in neuem Licht. Neben zahlreichen Lithographien und Zeichnungen sind auch einige seiner berühmten Gemälde und Skulpturen ausgestellt – sowie ein filmischer Zusammenschnitt der Werke Daumiers, der von Paul und Linda Mcartney mit Musik versehen wurde.
In Kooperation mit dem Städel Museum, Frankfurt am Main.
Bild: Honoré Daumier, Le Ventre législatif, 1834, Lithographie, 28×43,1 cm. © ALBERTINA, Wien
Albertina Wien: «Faszination Papier»
bis 22. März 2026
Faszination Papier. Rembrandt bis Kiefer
Albertina, Basteihalle, Albertinaplatz 1, 1010 Wien
250-Jahr-Jubiläum 2026: Die Ausstellung schöpft ausschließlich aus den reichen Beständen der ALBERTINA, neben Louvre und British Museum eine der größten Sammlungen von Kunst auf Papier weltweit, und zeigt im Jubiläumsjahr in einem epochen- und sammlungsübergreifenden Dialog Papier in seiner Wandelbarkeit, seinen vielfältigen Qualitäten und Dimensionen. Über die Grenzen der Jahrhunderte hinweg begegnen sich historische und zeitgenössische Positionen. Bekannte Meisterwerke treten in Beziehung mit neu entdeckten, selten oder noch nie gezeigten Arbeiten und eröffnen neue Perspektiven auf die Sammlung.
Schnitt, Struktur, Entfaltung, Welt und Kosmos, Wahrnehmung, Identität, Bewegung und manches mehr – in insgesamt zehn technischen und thematischen Kapiteln, die wie ein Parcours angelegt sind, lädt die Ausstellung zum Entdecken dieser faszinierenden Welt aus Papier ein.
Bild: Zwei Mal Schnitt ins Papier – Anonym, Das heilige Herz, vor 1470, Holzschnitt, koloriert, 7,4×6,1 cm, ALBERTINA, Wien und Lucio Fontana, L’epée dans l’eau, 1962, Radierung 14,7×11,2 cm. © Fondation Lucio Fontana, Milano / by SIAE / Bildrecht, Wien 2025
Struwwelpeter Museum: Retrospektive zu Ivan Gantschev
bis 29. März 2026
Ivan Gantschev.
Retrospektive zum 100. Geburtstag des Bilderbuchkünstlers
Struwwelpeter Museum
Hinter dem Lämmchen 2–4, 60311 Frankfurt am Main
Die Ausstellung auf der Galerie präsentiert die magische Bilderwelt von Ivan Gantschev (1925–2014) mit mehr als 70 Originalen, viele davon mit winterlichen Motiven. Der bulgarisch-deutsche Künstler, der über 70 Bilderbücher illustriert hat, lebte seit 1967 in Frankfurt am Main. Die meisten Geschichten zu seinen Büchern hat er selbst geschrieben. Sie handeln immer von Tieren und auch von Menschen, die mit den Tieren zu tun haben. Sie erzählen von Gut und Böse, von der Natur und von Freundschaft.
Eine gemütliche Leseecke bietet Bilderbücher von Ivan Gantschev in verschiedenen Sprachen zum Schmökern an.
Die Ausstellung findet auf der Galerieebene in der dritten Etage des Museums statt und ist leider nicht barrierefrei zugänglich.
Tiere im Schnee © Ivan Gantschev
DNB Leipzig: restituiert und zurückgekauft
In den letzten Jahren hat die Deutsche Nationalbibliothek mehrere Buchkonvolute restituiert, die über die im September 1938 vom Reichspropagandaamt Wien eingerichtete Bücherverwertungsstelle Wien in den Bestand der Deutschen Bücherei Leipzig gelangt sind, so unter anderem an die Erbinnen und Erben nach Valentin Rosenfeld und Gottfried Bermann Fischer.
Albert Paust, damals Leiter der Erwerbungsabteilung der Deutschen Bücherei Leipzig, wurde für mehrere Monate nach Wien abgeordnet. Er sorgte dafür, dass rund 550 Schriften nach Leipzig geschickt und in den Bestand der Deutschen Bücherei eingearbeitet wurden. Aus heutiger Sicht sind diese als NS-Raubgut zu bewerten und daher als Fundmeldungen in der Lost Art-Datenbank veröffentlicht. Im Dezember 2025 konnte nun für ein weiteres Konvolut aus der Bücherverwertungsstelle eine gerechte und faire Lösung gefunden werden.
Das Konvolut umfasst fünf überwiegend kleinformatige Schriften, von denen drei einen eindeutigen Bezug zur österreichischen Sozialdemokratie aufweisen. Vier der Bände sind im vorderen Einband mit dem Exlibris von Wilhelm Ellenbogen (1863–1951) gekennzeichnet; das fünfte trägt auf dem Titelblatt seinen eigenhändigen Schriftzug.
Weitere Informationen im Blog der DNB: blog_dnb_restituiert
Bild: Bücher mit Exlibris und Autogramm, Foto: DNB, Laura Stein
Mainzer Wissenschaftsstiftung fördert Internationale Gutenberg-Gesellschaft
Die Mainzer Wissenschaftsstiftung unterstützt die Internationale Gutenberg-Gesellschaft in Mainz e.V. mit einer Förderung in Höhe von insgesamt 100 000 Euro. Die Mittel werden über einen Zeitraum von drei Jahren (2026–2028) bereitgestellt und dienen der nachhaltigen Stärkung der wissenschaftlichen und kulturellen Arbeit der Gesellschaft.
Im Zentrum der Förderung steht der Aufbau einer neuen digitalen Wissenschaftsplattform. Sie soll sowohl die seit über hundert Jahren erschienenen Jahrgänge des Gutenberg-Jahrbuchs digital neu zugänglich machen als auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt die Möglichkeit bieten, neue Forschungsergebnisse aus der Druckforschung und Buchwissenschaft zu publizieren. Ziel ist es, Mainz als internationalen Knotenpunkt der Gutenberg-Forschung weiter zu stärken und neue wissenschaftliche Kooperationen anzustoßen.
«Mit der Plattform öffnen wir das Gutenberg-Jahrbuch konsequent für die internationale Forschung und schaffen zugleich einen neuen Raum für aktuelle wissenschaftliche Debatten. Wir verbinden damit digitale Sichtbarkeit mit persönlichem Austausch – nicht zuletzt im Rahmen unseres Veranstaltungs-programms Gemeinsam für Gutenberg, das wir gemeinsam mit dem Gutenberg-Museum und der Gutenberg Stiftung in Mainz umsetzen», sagt Dr. Carina Weißmann, Geschäftsführerin der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft.
Foto, von links: Gerhard Lauer, Alexander Steinhoff, Werner von Bergen, OB Nino Haase, Carina Weißmann, Ulf Sölter. © Markus Kohz
Klingspor Museum: 70. Internationale Kinderbuchausstellung
bis 15. März 2026
70. Internationale Kinderbuchausstellung
Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach
Wie in jedem Jahr sind wieder um die 150 Neuerscheinungen aus vielen Ländern ausgewählt, die besonders schön gestaltet oder erzählt sind. Aber auch das Jubiläum wird gebührend gefeiert und bietet Anlass, über Vergangenheit und Zukunft des Bilderbuches nachzudenken.
Präsentiert wird eine Rückschau auf sieben Jahrzehnte Kinderbuch. Die Ausstellung zeigt, wie sich die Themen und die Formensprache im Laufe der Zeit verändert haben. Was ist alles auf dem Kinderbuchmarkt los gewesen, welche Ausgaben sind heute Kult, und was würde heute nicht mehr so im Regal landen? Und was erwartet das Kinderbuch wohl in der Zukunft?
Neben der Rückschau aus den umfangreichen Beständen des Museums werden Originalaquarelle des Künstlers Ivan Gantschev (1925–2014) gezeigt.
Foto © Silvia Werfel
Klingspor Museum: Gespräch zu Ivan Gantschev
30. Januar 2026, 19 Uhr
Jahrzehnte für das Bilderbuch: 100 Jahre Ivan Gantschev
Präsentation und Gespräch
Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach
Eintritt nach Wahl
Im Rahmen der 70. Internationalen Kinderbuchausstellung im Klingspor Museum richtet sich das Augenmerk nicht nur auf das Ausstellungsjubiläum, sondern auch auf einen besonderen Künstler: auf den Maler und Illustrator Ivan Gantschev (1925–2014). Der aus Bulgarien stammende, seit 1967 in Frankfurt am Main lebende Künstler war eine prägende Gestalt im Bilderbuch der 1970er und 1980er Jahre. Seine ruhigen poetischen Bücher, die oft Motive seiner Heimat zeigten, wurden vielfach ausgezeichnet.
Aus seinen umfangreichen Beständen zeigt das Klingspor Museum neben einigen Bilderbüchern auch Originalaquarelle von Ivan Gantschev. Außerdem gibt es am 30. Januar eine besondere Präsentation und ein Gespräch mit der Tochter Igna Gantschev.
Das Struwwelpeter Museum in der Frankfurter Altstadt widmet Ivan Gantschev eine eigene kleine Ausstellung. Dazu gibt es eine eigene Bibliophile Notiz.
Zwei Aquarelle von Ivan Gantschev, Foto © Simon Malz
Neues Standardwerk zur Bibliophilie mit Subskriptionsangebot
Frisch erschienen ist bei Hiersemann der über 600 Seiten umfassende Band Bibliophilie von Ernst Fischer.
Entstanden ist das Werk aus der Auseinandersetzung mit G. A. E. Bogengs Einführung in die Bibliophilie (1931). Der Autor nähert sich dem Thema sodann auf vier Ebenen: Er erläutert zentrale Fragen und aktuelle Entwicklungstendenzen, zeichnet Grundlinien der Geschichte des Büchersammelns nach, gibt einen ausführlichen Überblick über die Vielzahl an Sammelgebieten und behandelt jene Gestaltungs- und Materialitätselemente, die das Buch zu einem sinnlich-ästhetischen Gegenstand machen.
Ernst Fischer (geb. 1951 in Wien) war nach der Habilitation in München 1993 bis 2014 als Professor für Buchwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz tätig; nach mehrjähriger Mitarbeit im Vorstand der Maximilian-Gesellschaft ist er seit 2018 Vorsitzender der Wiener Bibliophilen-Gesellschaft.
Subskriptionspreis für Vorbestellungen, gültig bis 31. Januar 2026: 159 €, danach 196 €.
Für Sammler ist der Band auch in zusammengetragenen und noch nicht fadengehefteten Buchblocks ohne Einbanddecke erhältlich. Ladenpreis 96 €. Bestellungen bitte an verlag@hiersemann.de.
Das Buch wird in der Frühjahrsausgabe der Wandelhalle für Bücherfreunde vorgestellt.
UB Basel: 150 Jahre HAG
2 Vitrinenausstellungen:
bis Februar 2026
Universitätsbibliothek Basel
bis 12. April 2026
Historisches Museum Basel
Vor 150 Jahren fusionierten die 1836 begründete Historische Gesellschaft und die 1842 aus ihr abgezweigte Antiquarische Gesellschaft zur Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel: HAG_Basel.
Aus Anlass ihres Jubiläums präsentiert die HAG in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Basel und dem Historischen Museum im Historischen Museum und in der Universitätsbibliothek je eine Vitrinenausstellung. Während in ersterer anhand von ausgewählten Objekten und Dokumenten die Sammel- und Forschertätigkeit der Gesellschaft thematisiert wird, würdigt die Vitrine in der UB die Vortrags- und Publikationstätigkeit der HAG.
Foto: © Universitätsbibliothek Basel
KSW hat bislang unbekannte Scherenschnitte von Philipp Otto Runge erworben
Blumen für Weimar – Die Museen der Klassik Stiftung Weimar haben gemeinsam mit der Ernst von Siemens Kunststiftung fünf Scherenschnitte von Philipp Otto Runge für ihre bedeutenden Graphischen Sammlungen erworben. Sie stammen aus dem Nachlass der mit dem Romantiker befreundeten Hamburger Künstlerfamilie Speckter und blieben bis heute im Besitz von Nachfahren. Das Konvolut aus Flieder, Maiglöckchen, Margerite, Narzisse und Nelke war bisher unbekannt.
Für Weimar haben Runges Scherenschnitte eine singuläre Bedeutung, die von seinem Verhältnis zu Johann Wolfgang von Goethe herrührt. Bereits seit der Jahrhundertwende standen Runge und Goethe in Kontakt. 1806 sandte Runge eine größere Anzahl von Blumenschnitten als Geschenk an den Dichter, der mit ihnen das Musikzimmer (das heutige Junozimmer) in seinem Wohnhaus am Frauenplan auszustatten gedachte. Keines dieser Werke hat sich in Goethes Sammlung erhalten.
Die Direktorin der Museen, Dr. Annette Ludwig, unterstreicht: «Mit dieser wichtigen Neuerwerbung bringen wir Runge nach mehr als zweihundert Jahren wieder ins Goethehaus zurück, wofür unser herzlichster Dank der Ernst von Siemens Kunststiftung für die großzügige Förderung gebührt. Mit den raren Blättern des jung verstorbenen Künstlers schließen wir eine empfindliche Lücke in unserer Sammlung und können veranschaulichen, wie wichtig sie Goethe gerade auch in Krisenzeiten waren. Noch vor der sanierungsbedingten Schließung werden wir sie für unsere Gäste direkt im Wohnhaus präsentieren.»
Abbildung: Philipp Otto Runge, Maiglöckchen, um 1805, Klassik Stiftung Weimar, Museen
CMF: Das kann nur Perscheid
bis 7. Juni 2026
Das kann nur Perscheid. Das Beste aus Perscheids Abgründen
Caricatura Museum für Komische Kunst Frankfurt
Weckmarkt 17, 60311 Frankfurt am Main
Mit dieser Ausstellung ehrt das Caricatura Museum Frankfurt den legendären Cartoonisten Martin Perscheid anlässlich seines 60. Geburtstags am 16. Februar 2026. Der 2021 an den Folgen einer Krebserkrankung viel zu früh verstorbene Zeichner gilt als einer der prägenden Vorbilder und Wegbereiter der Komischen Kunst.
Mit Perscheids Cartoons schaut man lachend in unermessliche und gefährliche Tiefen, bevor man merkt, worüber man da eigentlich lacht. Denn ganz weit unten lauert das Unfassbare, das scheinbar Unsag- und Undenkbare. Und doch: Bei aller Boshaftigkeit und allem Zynismus halten seine Cartoons das nötige Gleichgewicht zwischen Tabu und Witz, Spott und Leichtigkeit. Dieser akrobatische Balanceakt ist die große Kunst des schwarzen Humors, die Perscheid meisterhaft beherrschte. Dabei verschonte er nichts und niemanden: Tiere, Eltern, Autofahrer und -fahrerinnen, Beziehungen, Frauen und auch Perscheids eigenes Alter Ego bewegen sich gefährlich nah am Rand des Abgrunds.
Geboren in Wesseling bei Köln, äußerte er bereits als Fünfjähriger den Wunsch, mit eigenen Bildern Geld zu verdienen. Er absolvierte schließlich das Fachabitur und anschließend eine Lehre als Druckvorlagenhersteller. Nachdem er zunächst als Werbegrafiker für Mode in Düsseldorf gearbeitet und sein erstes Cartoon Trendman veröffentlicht hatte, entschied er sich 1993 für die Laufbahn des freischaffenden Cartoonisten. Allein unter seiner populären Reihe Perscheids Abgründe erschienen mehr als 4300 Cartoons, gezeichnet in zweiwöchentlichen Zyklen.
Schon früh entschied sich Martin Perscheid für die Veröffentlichung seiner Werke auf einer eigens eingerichteten Facebook-Seite. Auch auf seiner nach wie vor existierenden Website martin-perscheid.de sind seine Cartoons bis zur Nummer A 4252 in einer eigenen Systematik sortiert. Heute sind über 242 000 Personen Mitglied in der Facebook-Gruppe Perscheid Cartoons 3.0, die sich auch für die Fortführung der Datenbank (idioten-die-im-wege-stehen.de) mit textbasierter Suche verantwortlich zeigen.
Der zur Ausstellung bei Lappan neu erschienene opulente Cartoonband präsentiert auf 240 Seiten neben Perscheids besten Werken auch seine Installationskunst, die er gemeinsam mit seinem Freund und Künstler-Kollegen Dirk Schmitt geschaffen hat. Er kostet 22 €.
Bild: Fischstäbchen braten © Martin Perscheid
Bröhan: Glamour und Geometrie. Art Déco in der Illustration
bis 26. April 2026
Glamour und Geometrie. Art Déco in der Illustration. Blackbox #17
Bröhan-Museum, Schloßstraße 1a, 14059 Berlin (Charlottenburg)
Der Glanz des Art Déco entfaltete sich nicht nur in Möbeln, Glas und Metall, sondern ebenso auf Papier: In Illustrationen für Zeitschriften und Werbung fand der Stil eine besonders schillernde Bühne. Diese grafischen Zeugnisse prägten das Bild der Moderne entscheidend – sie machten den Luxus der neuen Zeit sichtbar, multiplizierbar und massenwirksam. Dabei waren sie alles andere als trivial: Modezeitschriften jener Zeit waren kleine Kunstwerke, gedruckt auf edlem Papier und gefertigt im aufwendigen Au-Pochoir-Verfahren. Dieses Verfahren war perfekt geeignet, um die Entwürfe der großen Couturiers und Couturières wie Paul Poiret, Jeanne Lanvin oder Madeleine Vionnet zu vervielfältigen, ohne ihnen etwas von ihrer Strahlkraft zu nehmen.
Neben der Mode wurde die Raumgestaltung zum bevorzugten Ausdrucksfeld von Stil und Individualität. Die kostbare Ausstattung der eigenen vier Wände bot Gelegenheit, Wohlstand und verfeinerten Geschmack zur Schau zu stellen.
Die Ausstellung widmet sich diesen außergewöhnlichen Druckerzeugnissen und eröffnet einen faszinierenden Blick auf die herausragende Illustrationskunst der Art-Déco-Zeit. Alle gezeigten Werke entstammen der einzigartigen Kollektion des Stuttgarter Sammlerehepaars Akka und Wulf D. von Lucius, die mit dieser Präsentation erstmals in Berlin zu sehen ist.
Bild: Boudoir-Bibliothèque, 1918, Entwurf Jacques-Emile Ruhlmann in: Harmonies. Intérieurs de Ruhlmann, Paris 1924, Hg. Jean Badovici / Éditions Albert Morancé. Sammlung Lucius
Wechsel im Vorstand des Leipziger Bibliophilen-Abends e.V.
Der Leipziger Bibliophilen-Abend e.V. (LBA) hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden:
Nach 12 Jahren als Vorsitzender hat Dr. Thomas Glöß das Ehrenamt abgegeben. Mit 148 Veranstaltungen, 9 Messebeteiligungen, 25 Publikationen und einer Vereinsmitgliederzahl von über 200 konnte auf der Wahlveranstaltung eine sehr positive Bilanz gezogen werden. Neuer Vorsitzender des Vereins ist der Leipziger Architekt Gregor Fuchshuber.
Fotos:
Thomas Glöß (links) © Christiane Gundlach;
Gregor Fuchshuber © Uwe Frauendorf
Antiquaria-Preis 2026 für Rotraut Susanne Berner
Der mit 10 000 € dotierte, vom Verein Buchkultur e.V., der Stadt Ludwigsburg und der Wiedeking Stiftung Stuttgart gestiftete 31. Antiquaria-Preis für Buchkultur wird der Illustratorin und Buchgestalterin Rotraut Susanne Berner zuerkannt.
«Die 1948 in Stuttgart geborene Illustratorin, Buchgestalterin und Autorin hat mit unverwechselbarem zeichnerischem Duktus ein umfangreiches Kinderbuch-Œuvre geschaffen, darunter Bestseller wie die Wimmelbücher und die Karlchen-Geschichten. Daneben entstanden zahlreiche Bilder und Umschläge für Titel von Sylvia Plath und Luigi Malerba, Julien Green und Charles Bukowski, Helmut Eisendle und H. M. Enzensberger – ein Kontinuum der Fülle origineller Illustrationskunst.» (aus der Jurybegründung)
Manches hat sie zu der Reihe Die tollen Hefte (erst im MaroVerlag, dann in der Büchergilde Gutenberg) beigetragen, deren Herausgeberschaft sie nach dem Tod ihres Mannes Armin Abmeier 2012 übernahm (bis 2019). Seine Tolle Galerie für Illustration und Comic-Art führte sie bis 2014 weiter. Sie lebt und arbeitet in München.
Die feierliche Preisverleihung findet am 22. Januar 2026 im «Podium» der Musikhalle Ludwigsburg statt (Beginn 20:15 Uhr). Die Laudatio wird Martin Bauer, Kollegforschungsgruppe «Applied Humanities: Genealogy and Politics», Humboldt-Universität zu Berlin, halten.
Foto © Manu Theobald
40. Antiquaria Ludwigsburg
40. Antiquaria – Antiquariatsmesse Ludwigsburg
22. Januar 2026: 15 bis 20 Uhr
23. Januar 2026: 11 bis 19 Uhr
24. Januar 2026: 11 bis 17 Uhr
Ort: Musikhalle Ludwigsburg, Bahnhofstraße 19, 71638 Ludwigsburg (gegenüber dem Bahnhof)
Eintrittskarte für alle drei Tage: 5 €
freier Eintritt für alle unter 40 Jahren
Vierzig Jahre Vielfalt könnte das Motto dieser Antiquaria lauten, die 2026 kein offizielles Rahmenthema hat. Ein spannendes Angebot von seltenen, kuriosen und einzigartigen antiquarischen Büchern, Autographen und Graphiken vom 15. bis 20. Jahrhundert aus allen Sammelbereichen erwartet die Besucher:innen. Der Messekatalog steht hier zum Download bereit:
antiquaria_2026
Der 31. Antiquaria-Preis zur Förderung der Buchkultur wird am Abend des Eröffnungstages im «Podium», Musikhalle Ludwigsburg verliehen (Beginn 20:15 Uhr). Dazu gibt es eine eigene Notiz.
Abbildung:
«Kettenbücher», schreibt der Antiquar Michael Solder aus Münster in seinem Katalogbeitrag, «sind von größter Seltenheit, besonders wenn, wie hier, die originale handgeschmiedete Kette mit Befestigung und 8 Gliedern vermutlich vollständig erhalten sind.» Dieses Repertorium wurde 1511 in Basel gedruckt, 13 850 Euro soll der zeitgenössische Schweinslederband einspielen.
62. Antiquariatsmesse Stuttgart an neuem Ort
62. Antiquariatsmesse Stuttgart
23. Januar 2024 – 11 Uhr bis 19:30 Uhr
24. Januar 2024 – 11 Uhr bis 18 Uhr
25. Januar 2024 – 11 Uhr bis 17 Uhr
neuer Ort: Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle, Schiller-Saal
Berliner Platz 1–3, 70174 Stuttgart
Neustart: Ein frisch formiertes Team des Verbandes Deutscher Antiquare e. V. hat einen Neustart gewagt. Unter der Leitung des Messeausschusses – bestehend aus Bálazs Jádi, Dr. Karl Klittich, Roger Sonnewald, Hans Lindner, Norbert Knöll und Thomas Haufe – wurde die Antiquariatsmesse neu gedacht und verbindet jetzt stärker Altes mit Modernem und Zeitgenössischen.
Mit mehr als 70 Antiquariaten aus 11 Ländern (u.a. USA, UK, FR, I, A, CH), darunter zahlreiche internationale Experten, verspricht die Messe ein breiteres und hochkarätigeres Spektrum an Raritäten als je zuvor.
Die Messe bietet ein vielfältiges Rahmenprogramm, außerdem lädt der neue Bereich Young Collectors Zone & Design & Buchästhetik Sammler:innen der jüngeren Generation ein, sich auszutauschen, zu lernen und die bibliophile Leidenschaft mit anderen zu teilen. Unter dem Motto Women & Bookcraft sind erstmals auch Themen wie Buchgestaltung, Illustration und die Rolle von Frauen in der Buchkultur stärker präsent.
Angeboten werden zudem Führungen durch die Antiquariatsmesse (Dauer: ca. 15 bis 30 Min., max. 15 Personen). Treffpunkt: die Cafeteria im Schiller-Foyer.
Mehr Informationen:
Stuttgarter_Antiquariatsmesse_2026
Abbildung:
Messeimpression. Foto: Stuttgarter Antiquariatsmesse 2025
Bibliophile Neujahrsgrüße 2026
[ … gesetzt aus der Koch-Antiqua von Rudolf Koch (1876–1934), als Bleisatzschrift mit geradestehenden und kursiven Schnitten 1922 bei Gebr. Klingspor in Offenbach am Main erschienen ]
In eigener Sache: die GdB auf Instagram
Einladung zu einer Entdeckungsreise!
Seit dem 1. November ist die Gesellschaft der Bibliophilen auf Instagram aktiv, künftig an allen 365 Tagen des Jahres. Die Beiträge folgen dabei dem Muster eines Abreißkalenders rund um das Thema Buch. Jedem Wochentag ist eine Kategorie zugeordnet. Wissenswertes und auch Überraschendes finden sich zu den Stichwörtern Buchzitat, Buchevent, Buchpersönlichkeit, Buchrekord, WörterBuch, Imprimatur und Überallbuch, und zwar hier:
GdB_Instagram
Größter Dank geht an Herrn Prof. Dr. Dr. Alexander Moutchnik, Schriftführer im Vorstand der GdB, und seine Studentinnen an der Hochschule RheinMain Wiesbaden für die Initiative und die Konzeption des Social-Media-Auftritts. Die Umsetzung übernahm die Agentur Mediengewerk aus Wiesbaden (mediengewerk).
Viel Freude beim Lesen und Entdecken! Und: weitersagen …
(siw)
Staatsbibliothek zu Berlin: Jüdische Buchkunst im rituellen Kontext
bis 25. Januar 2026
Materialisierte Heiligkeit
Jüdische Buchkunst im rituellen Kontext
Stabi Kulturwerk, Staatsbibliothek zu Berlin
Unter den Linden 8, 10117 Berlin
Heilige Bücher sind das Herzstück der jüdischen Schriftkultur, die sich seit ihren Anfängen im antiken Israel bis in die Gegenwart in beeindruckender Vielfalt und ästhetischer Ausdruckskraft entfaltet hat. Abschriften der Hebräischen Bibel, liturgische Schriftrollen und Gebetsbücher für die Feiertage strukturieren den Rhythmus von Lehre, Gebet und religiösem Ritus in der Synagoge – und schaffen so einen Raum kultureller Identität jenseits des Alltäglichen.
Die Ausstellung präsentiert ausgewählte hebräische Handschriften aus der bedeutenden Hebraica-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin und eröffnet faszinierende Einblicke in die jüdische Buchkunst und ihren kulturellen Kontext. An herausragenden Stücken der berühmten Erfurter Sammlung lassen sich etwa die kunstvolle hebräische Mikrographie, Spuren christlicher Hebraistik sowie die rituelle Herstellung von Torarollen studieren – darunter die größte hebräische Bibel des Mittelalters, zwei außergewöhnlich gut erhaltene aschkenasische Torarollen und ein großformatiges Gebetsbuch aus dem 14. Jahrhundert.
Veranstaltungen:
Di, 25. November 2025, 19 Uhr
Die Coplas Sefardies von Alberto Hemsi
Moderiertes Konzert mit Assaf Levitin (Gesang) und Na’aman Wagner (Klavier)
Weitere Infos und Anmeldung hier.
Di, 13. Januar 2026, 18 Uhr
Die Restaurierung der Erfurter Bibel
Vortrag von Restauratorinnen Ira Glasa und Christine Theuerkauf-Rietz
Weitere Infos und Anmeldung hier.
Bild: Detail aus einem mittelalterlichen jüdischen Gebetbuch (Staatsbibliothek zu Berlin, Orientabteilung, Ms. or. fol. 388, f. 148r), © Stabi Berlin
JMB: Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne
bis 23. November 2025
Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne
Jüdisches Museum Berlin
Libeskind-Bau 1. OG, Lindenstraße 9–14, 10969 Berlin
Erstmals präsentiert eine Ausstellung Biografien und Werke heute vergessener jüdischer Designerinnen. Das JMB hebt ihre künstlerischen und unternehmerischen Leistungen sowie ihre Positionen innerhalb der Emanzipations- und Modernisierungsprozesse der deutschen Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert vor – als Frauen, Jüdinnen und Künstlerinnen.
Mit rund 400 Exponaten von mehr als 60 Gestalterinnen vereint die Präsentation Pionierinnen, die sich trotz gesellschaftlicher Marginalisierung herausragende Positionen erkämpften, bis das nationalsozialistische Regime ihre Karrieren und Leben zerstörte. Einigen gelang die Flucht und ein Neubeginn im Ausland.
Zu den künstlerischen Disziplinen gehören neben Keramik, Modedesign, Goldschmiede- und Textilkunst auch Gebrauchsgrafik (Reklame, Exlibris), Buchgestaltung und Illustration; genannt seien hier nur Elisabeth Friedländer, Elli Hirsch, Franziska Schlopsnies, Käte Wolff und Tom Seidmann-Freud.
Ein Ateliergespräch am Mittwoch, den 5. November 2025, 18.30 Uhr, stellt das Leben und Schaffen der Grafikerin Franziska Baruch, der Weberin Trude Guermonprez und der Keramikerin Marguerite Friedlaender-Wildenhain in den Mittelpunkt. Veranstaltungsort:
W. M. Blumenthal Akademie, Klaus Mangold Auditorium
Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin (gegenüber dem Museum)
Katalog zur Ausstellung: Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. Hrsg. v. Michal S. Friedlander, Stiftung Jüdisches Museum Berlin. München: Hirmer 2025. 320 S., 250 Abb. in Farbe, Klappenbroschur, 21×26 cm.
Abb.: Tom Seidmann-Freud, Illustration für Die Fischreise, Tusche und Aquarellfarben auf Pergamentpapier, Berlin 1923. © The Collection of Tom’s Grandchildren
DBSM Leipzig: Forget it?!
bis 22. März 2026
Forget it?!
Zukünfte und Geschichten der Wissensspeicherung
Deutsches Buch- und Schriftmuseum
Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig
In Kooperation mit dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig
Eine der größten menschlichen Errungenschaften ist die Speicherung von Wissen. Ohne sie wären kultureller und technischer Fortschritt undenkbar. Die neue Ausstellung Forget it?! Zukünfte und Geschichten der Wissensspeicherung im DBSM wagt eine «erinnerungskulturelle Zeitreise» und blickt zugleich in die Zukunft der Wissensspeicherung und deren wissenschaftliche Grundlagen.
Sie erzählt nicht nur von Hungersteinen, die im Mittelalter vor Dürrephasen warnten, und von den klassischen Archiven unseres Wissens, sie beleuchtet auch die existenziellen Fragen der Atomsemiotik, betrachtet Bioarchive, Asservatenkammern und Zeitkapseln sowie die ersten Versuche, Wissen etwa auf DNA zu speichern. – In einer Zeit, in der immer mehr digitale Daten in Millisekunden übertragen werden, stellt sich die Frage nach der Speicherung von Informationen so dringend wie nie zuvor: Was werden wir in hundert Jahren noch über uns wissen?
Zum Ausstellungsstart findet am Samstag, 8. November 2025, 10 bis 16 Uhr mit dem Tag des Vergessens – und der Erinnerung ein Mini-Festival statt. In Kooperation mit der Universität Leipzig, der Stadt Leipzig, den Wissensspuren e.V. sowie zahlreichen Partnern aus Wissenschaft, Kultur und Stadtgesellschaft stehen Workshops, Führungen, Vorträge und Spaziergänge auf dem Programm. Es geht um die Frage, wie wir erinnern wollen und was wir loslassen müssen, damit Neues entstehen kann.
Siehe auch: DBSM_Forget_it
Bild: 2014 lässt die Künstlerin Katie Paterson einen Wald pflanzen, um ihn 100 Jahre lang wachsen zu lassen. Aus seinem Holz entstehen anschließend Bücher, die im Laufe dieser hundert Jahre geschrieben werden. Die unveröffentlichten Manuskripte werden bis dahin in einer speziellen Bibliothek in Oslo verwahrt werden: der Future Library. Jedes Buch ist eine Zeitkapsel mit dem Auftrag, der Zukunft etwas über eine vergangene Gegenwart mitzuteilen. Foto: futurelibrary
Buch Wien 25
Buch Wien 25. Messe und Festival
12. bis 16. November 2025
Wiener Messegelände
Eröffnung am Mittwoch, 12. November, 17 Uhr
Buchmesse, Wissensfestival und Meinungsmarktplatz – mit diesen Schlagwörter wirbt die Buch Wien. Neu dieses Jahr: Die Bereiche Kinder- und Jugendliteratur sowie «Young Adult» ziehen in die neu erschlossene Halle C und bekommen erstmals einen eigenen Bereich für Bildungsmedien.
Die Eröffnungsrede der Buch Wien 25 hält Shila Behjat: «Das weibliche Gesicht des Wandel».
Die Bücherschätze der Antiquare von Inkunabeln bis zu zeitgenössischer Literatur finden Sie am Stand Nr. C01 (Verband der Antiquare).
Das Programm zum Download:
BW25-PH-WEB_3
Buch Wien 2024. Foto: © Bernhard Widmoser
Vormerken: Die Mainzer Buchwissenschaft präsentiert ihren Kalender für 2026/2027
6. November 2026
ab 17 Uhr
Druckladen, Gutenberg-Museum MOVED
Reichsklarastraße 1, 55116 Mainz
«Das kommt dabei heraus», wenn Studierende sich seit 2003 alle Jahre wieder zusammentun, um einen «Kalender über den Sinn des Lebens & alles zu machen»: also zwölf plus fünf typografisch gestaltete Blätter mit viel Hinter- und Tiefsinn …
Zur Ausstellungseröffnung sprechen Dr. Ulf Sölter, Direktor des Gutenberg-Museums Mainz, und Prof. Dr. Gerhard Lauer, Leiter der Abteilung Buchwissenschaft Johannes Gutenberg-Universität. Musik und Getränke gibt es ebenfalls.
Bild:
Vorab-Blättern auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: Markus Kohz
Zwei Druckwerke von Matthäus Merian d. Ä. fürs Gutenberg-Museum
Das Gutenberg-Museum hat zwei bedeutende Druckwerke von Matthäus Merian d. Ä. (1593–1650) als Dauerleihgabe erhalten, die das außergewöhnliche künstlerische Erbe des Kupferstechers und Verlegers widerspiegeln.
Es handelt sich dabei um die beiden Bände Topographia Palatinatus Rheni (Erstausgabe 1645) und Topographia Hassiae (zweite Auflage von 1655). Die Drucke wurden vermutlich 1661 von den Nachfahren Merians dem Gymnasium zu St. Katharinen Oppenheim geschenkt, als dies Schule ihr 100-jähriges Jubiläum feierte. Merian war nach Stationen in zahlreichen europäischen Städten zeitweise auch in Oppenheim, wo er beim Verleger Johann Theodor de Bry arbeitete und im Jahr 1617 dessen Tochter Maria Magdalena heiratete. 1650 starb Matthäus Merian, seine Nachkommen führten das Erbe weiter fort.
«Das Gutenberg-Museum besitzt einige Drucke von Merian. Anhand dieser besonderen Publikationen bekommt unsere Sammlung eine einzigartige Ergänzung. […] Merians Drucke haben den Anspruch, das Wissen über ausführliche Texte und Stadtansichten zu erweitern», so Museumsdirektor Dr. Ulf Sölter.
Das Gutenberg-Museum freut sich sowohl über die exklusive Provenienz als auch über die Möglichkeit, die Bände wissenschaftlich unter die Lupe zu nehmen und in künftige Projekte einzubeziehen. Sie werden unter vorgegebenen konservatorischen Bedingungen im Depot aufbewahrt.
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Feierliche Übergabe der zwei Bände in der Gutenberg-Bibliothek des Gutenberg-Museums, von links: Dr. Hendrik Förster (Schulleiter), Dr. Nino Nanobashvili (Kuratorin Gutenberg-Museum), Marianne Grosse (Bau – und Kulturdezernentin Stadt Mainz), Thomas Barth (Landrat), Dr. Ulf Sölter (Direktor Gutenberg-Museum).
Landesbibliothek Oldenburg: Rekonstruktion des als verschollen geltenden Werkes «Im Zeichen der Spinne» von Mopsa Sternheim
Eine literarische Sensation – Mopsa Sternheims (1905–1954) einziger Roman Im Zeichen der Spinne ist 71 Jahre nach ihrem Tod erschienen.
In einem altem Koffer mit der Adressierung «Madame D. de Ripper, 178 Bd. Hausmann, Paris 8e» (Sternheims Ehename und ihre letzte Wohnadresse in Paris) mit Briefen und hunderten von unsortierten Blättern offenbarte sich im Sommer 2023 das Manuskript des einzigen Romans von Mopsa Sternheim. Der Koffer aus dem Nachlass des in Oldenburg geborenen Kunsthistorikers Gert Schiff (1926–1990) war 2015 von der Gründerin der Stiftung Dr. Gert Schiff, Elfriede Loheyde, als Dauerleihgabe in die Landesbibliothek Oldenburg gegeben worden.
Für die Rekonstruktion des als verschollen geltenden Werkes werteten die Herausgeber Dr. Rudolf Fietz und Gisela Niemöller seit 2023 hunderte unsortierter Manuskriptblätter mit zahllosen Textvarianten aus.
Im April 2024 fanden Dr. Mona Halfmann und Dr. Christoph Halfmann (Oldenburg) fehlende Bausteine des Romans im Nachlass ihres Vaters bzw. Schwiegervaters Helmuth Steenken und stellten sie für das Editionsprojekt zur Verfügung. Diese Dokumente hat die Landesbibliothek Oldenburg nun von ihnen als Dauerleihgabe erhalten.
Die kommentierte Lesefassung des Romans Im Zeichen der Spinne ist mit einem Nachwort der Herausgeber im Göttinger Wallstein Verlag erschienen und ab Mitte November 2025 wieder lieferbar.
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Dokumente aus dem Nachlass von Helmuth Steenken halfen bei der Rekonstruktion des Romans Im Zeichen der Spinne. Im Bild (v. l.): Bibliotheksdirektorin Corinna Roeder, Dr. Christoph Halfmann, Dr. Mona Halfmann, Dr. Rudolf Fietz. Foto: Annika Östreicher, LBO.
Einbandkunst: Prof. Mechthild Lobisch verstorben
Woher ihre Inspiration komme, wisse sie nicht, sagt Mechthild Lobisch in dem kleinen Film, der anlässlich der Verleihung des Oberbayerischen Kulturpreises 2013 gedreht worden ist (mlobisch_film2013). Bucheinband, Grafik und Zeichnung, dies sei einfach ihre «Art, sich im Leben zu artikulieren».
Als Viel- und Gerneleserin trete sie in einen Dialog mit der Literatur. Das Ergebnis ist aber nie Geschichten erzählende Illustration, sondern konkrete Kunst: Mit Form und Farbe neue Ordnungen zu erfinden, war das Ziel der Einbandkünstlerin Mechthild Lobisch. Sie suchte weder nach ausgefallenen Materialien noch nach technischem Raffinement: «Es geht allein um die formale Qualität, um das Buch als geistige Präsenz in plastischer Körperhaftigkeit.»
Dass das so tief in unserer Kultur verankerte Medium Buch verschwinden könnte, war für sie unvorstellbar; wohl aber sah sie, dass das handwerkliche Können verschwindet. Umso mehr freute sie sich darüber, dass einige ihrer Studentinnen sowohl mit handwerklicher wie auch künstlerischer Qualität zu überzeugen wissen. Gelehrt hat Mechthild Lobisch an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, wo sie von 1995 bis zu ihrem Ausscheiden 2006 im Fachbereich Kunst die Studienrichtung Konzeptkunst Buch lehrte – einzigartig in Deutschland – und 1997 das Otto-Dorfner-Institut gründete und leitete. Für das Institut gab sie 1999 den Katalog zur gleichnamigen Ausstellung Zwischen van de Velde und Bauhaus – Otto Dorfner und ein wichtiges Kapitel der Einbandkunst heraus, die in Kirchheim unter Teck, Weimar und Mariémont in Belgien gezeigt wurde. – Bevor sie dem Ruf an die «Burg» folgte, hatte sie schon an der Akademie für Gestaltung und Design der Handwerkskammer München/Obb. unterrichtet.
Geboren 1940 in Hirschberg (Schlesien), machte Mechthild Lobisch zunächst eine Buchbinderlehre. Zu den weiteren Stationen gehören unter anderem der dreijährige Aufenthalt in Paris, wo sie französische Sprache, Literatur und Kunstgeschichte an der Sorbonne studierte sowie Einbandentwurf, Einbandgeschichte und Dekorationsvergolden an der Ecole Estienne; danach Studium an der Folkwangschule für Gestaltung als Meisterschülerin, seit 1978 freischaffende bildende Künstlerin.
«Das künstlerische Wollen findet immer seinen Weg», davon war Mechthild Lobisch überzeugt. Am 30. September 2025 ist sie nun im Alter von 84 Jahren gestorben.
Foto: Thomas Schuster
FBM 2025 Nachlese – «Ich drucke!»
Ein weiteres Buch wurde am Buchmesse-Stand der Gutenberg Stiftung, der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft zu Mainz und des Gutenberg-Museums präsentiert:
Ich drucke! Signet, Marke und Druckerzeichen seit dem Zeitalter Gutenbergs. Herausgegeben von Hui Luan Tran und Nino Nanobashvili. Gebunden, 192 Seiten, Berlin: Deutscher Kunstverlag 2025. 48 €.
Der Band erscheint zur Ausstellung, die am 27. November 2025 im Gutenberg-Museum eröffnet wird. Anlässlich des 625-jährigen Geburtstages von Gutenberg widmet das Museum der Bildgattung der Druckerzeichen dann erstmals eine Ausstellung. Der Begleitband eröffnet mit Texten zu den Prozessen in der Druckwerkstatt und mit konkreten Fallbeispielen einen Zugang zur Welt der Drucker:innen und Verleger:innen von den Anfängen des Buchdrucks bis heute. Bemerkenswert schön ist auch die Gestaltung des Bandes.
Erschienen schon vor Ausstellungsbeginn und exklusiv auf der Buchmesse vorgestellt, ist der Band jetzt erst wieder ab dem 27. November erhältlich. Infos zur Ausstellung hier: GM_Ausstellung_Druckerzeichen
Vorbestellungen sind möglich unter:
Buch_Druckerzeichen
Auch dieses Buch wird ausführlich vorgestellt werden, online sowie in der Wandelhalle 2026-1.
Freuen sich über das fertige Buch, von links: Nicole Schwarz (De Gruyter), Andreas Koch (Gestaltung, Satz und Layout), Hui Luan Tran (Johannes Gutenberg-Universität, Mitherausgeberin), Katja Richter (Deutscher Kunstverlag, Leiterin des Verlags und Autorin), Imke Wartenberg (Deutscher Kunstverlag, Projektleitung), Nino Nanobashvili (Kuratorin Gutenberg-Museum, Mitherausgeberin). Foto: Markus Kohz
FBM 2025 Nachlese – Buchdruck in Europa und Asien
«Gemeinsam für Gutenberg» – so lautet das Motto der Gutenberg Stiftung, die zusammen mit der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft zu Mainz und dem Gutenberg-Museum einen großen Stand auf der Frankfurter Buchmesse hatte und hier viel Publikum anlockte. Am Buchmessen-Mittwoch gab es sogar zwei Buchpremieren, zum einen wurde präsentiert:
Cornelia Schneider und Volker Benad-Wagenhoff: Type. Buchdruck in Europa und Asien. Herausgegeben von der Gutenberg Stiftung und der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft in Mainz e. V. Wiesbaden: Harrassowitz 2025. 190 Seiten. 38 €.
Im Herbst 2018 war im Gutenberg-Museum die Ausstellung Ohne Zweifel Gutenberg? zu sehen gewesen. Erstmals wurden hier die Besonderheiten der asiatischen und der europäischen Drucktradition gezeigt und erläutert. Die Unterschiede sind so gravierend wie spannend.
Dank des unermüdlichen Einsatzes von Zvjezdana Cordier, Geschäftsführerin der Stiftung, konnte das zur Ausstellung geplante Buch nun doch noch erscheinen. Dank geht vor allem auch an das Autorenteam, an Salzer Papier, Peyer Cover und das Memminger MedienCentrum, die die Produktion gesponsert haben, an den Gestalter Dan Reynolds, an viele weitere Förderer und nicht zuletzt an den Verlag Harrassowitz, der dieses wichtige Buch zu einem bezahlbaren Preis in sein Programm aufnahm.
Eine ausführliche Vorstellung wird online sowie in der Wandelhalle 2026-1 erscheinen
Frisch zur Frankfurter Buchmesse erschienen: Type. Buchdruck in Europa und Asien. Foto: Markus Kohz
Mainzer Büchermesse 2025
24. Mainzer Büchermesse
25. und 26. Oktober 2025
in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur
Geschwister-Scholl-Straße 2, 55131 Mainz
Eintritt frei!
Leselust trifft auf Bücherliebe. Zwischen bewährten Klassikern und druckfrischen Geschichten präsentiert sich die regionale Buchszene aus Mainz und der Umgebung wieder von ihrer besten Seite: Die 24. Mainzer Büchermesse lädt ein, sich ein Wochenende lang auf eine inspirierende Reise durch die Welt der Worte zu begeben.
Digitaler Flyer zum Download:
Digitaler-Flyer-Mainzer-Bu-chermesse-2025
Das Plakat zur Büchermesse.
FBM 2025 Nachlese – Stiftung Buchkunst: Schönste Regionalbücher
Ein besonderes Schmankerl am Stand der Stiftung Buchkunst war die Live-Jurysitzung zu Deutschlands Schönstem Regionalbuch. Die fünfköpfige Jury – Dr. Matthias Grüb (8 grad verlag), Kristine Harthauer (SWR Kultur Audio), Ernst Georg Kühle (kühle und mozer / grafische entwerfer), Elena Ratkowitz (Umstädter Bücherkiste), Anja Wolsfeld (Offsetdruckerei Karl Grammlich) – diskutierte öffentlich über die insgesamt 15 nominierten Bücher und stimmte zum Schluss ab. Die Gewinner:
Kategorie Sachbuch/Ratgeber:
Die Macher der Tuche von Ina Brink, erschienen im Eigenverlag.
Aus der Begründung des Jurymitglieds Ernst Georg Kühle: «Die Macher der Tuche ist ein kongeniales Gesamtkunstwerk. Die multitalentierte Autorin ist zugleich Familienchronistin, Gestalterin, Setzerin, Herausgeberin und Verlegerin in Personalunion. Die sorgfältigst produzierte Publikation ist sowohl eine inhaltliche als auch grafische und haptische Delikatesse.»
Kategorie Touristische Entdeckung:
The Quedlinburger von Anna Fulton-Schwindack, Katharina Schwindack und Anselm Schwindack, erschienen bei The Quedlinburger.
Aus der Begründung des Jurymitglieds Kristine Harthauer: «Die Offenheit, mit der die Stadt präsentiert wird, zeigt bereits die elegante offene Bindung. Das Buch […] und zieht einen direkt in seinen Bann. Auch ist es trotz seiner kompakten Form überraschend leicht. […] Auf festem, hochwertigem Papier finden wir zahlreiche Fotografien, die mit ihrer warmen Farbigkeit und vielen Detailaufnahmen Intimität erzeugen. Auf gelben Seiten gedruckte Rezepte wie für den ‹Münzenberger Muskuchen› und ein leuchtend gelbes Lesezeichen, das gleichzeitig als Inhaltverzeichnis dient, runden die Gesamtkomposition ab.»
Kategorie Literatur/Belletristik:
Meeresleuchten von Heinrich Detering (Herausgeber), erschienen im Wachholtz Verlag.
Aus der Begründung des Jurymitglieds Anja Wolsfeld: «Meeresleuchten zeigt auf poetische Weise die Vielfalt Schleswig-Holsteins, von der stürmischen Nordsee hin zu verwunschenen Buchten an der Ostsee. Der Kontrast zwischen der glitzernden Wasseroberfläche im Sonnenschein und der rauen See wird durch die Einbandgestaltung selbst gekonnt umgesetzt – unbezogene raue Graupappe trifft auf eine Heißfolienprägung in blau metallic. Die ausgewogene Umsetzung setzt sich im Inhalt fort: viel Weißraum trifft auf moderne serifenlose Typografie für Titel und Autor:in eines jeden Gedichts, während die Verse und Strophen selbst in einer klassischen Serifenschrift gesetzt sind.»
Ziel des gemeinsam vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Buchkunst ausgelobten Wettbewerbs ist es, die Vielfalt regionaler Bücher ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und Verlage darin zu bestärken, auch bei Regionaltiteln beste Qualität zu publizieren.
Die drei gekürten Regionalbücher. Foto © Ronja Ferkinghoff
FBM 2025 Nachlese – Stiftung Buchkunst: Vom Bild zum Buch
Der Stand der Stiftung Buchkunst auf der Frankfurter Buchmesse ist Anlaufstation für alle, die sich für die vorbildliche, aktuelle Buchproduktion interessieren. Blättern kann man nicht nur in den als Schönste deutsche Bücher 2025 ausgezeichneten Titeln, sondern auch in den Büchern der Short- und der Longlist. Ebenso lockt ein Vergleich mit dem Wettbewerb Best Book Design all over the World.
Am Messe-Donnerstag gab es außerdem Vorträge und Gespräche, etwa zu den Themen World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026: Was kann Design schon ausrichten? (der gleichnamige, zweisprachige Reader ist bei avedition, Stuttgart erschienen) und Salzer Papier & Stiftung Buchkunst: Schöne Bücher und deren Langlebigkeit.
Von den angekündigten zwei Illustratorinnen fehlte Katrin Stangl leider krankheitsbedingt. Aus dem Dialog wurde ein Solo für Sabine Kranz. Sie gab einen anschaulichen Einblick in die Entstehung ihres bei kunstanstifter erschienenen und von der Stiftung Buchkunst ausgezeichneten Kochbuchs Gemüsefreunde. Statt Hochglanz-Foodfotografie begleiten ihre herrlichen Illustrationen die fleischfreie Rezeptesammlung aus dem Freundeskreis; gedruckt sind sie auf schmeichelweiches Werkdruckpapier von der Gutenberg Beuys Feindruckerei in mineralölfreien Sonderfarben, also rasterfrei. Das ist etwas Besonderes! So sind nicht nur die Rezepte ein Genuss, sondern auch die Gestaltung des Buches, zu der auch ein Kapitalband und ein Lesebändchen gehören, beides violett wie eine Aubergine.
Von links: Birte Kreft (Geschäftsführerin der Stiftung Buchkunst), Maria Figura (Gutenberg Beuys) und Sabine Kranz, die Autorin und Illustratorin, mit Druckbogen. Foto: Carolin Bloeink
FBM 2025 Nachlese – Ehrengast Philippinen: «Pinupuno ang hangin ng hiwatig»
Die Philippen waren Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2025. Die Übersetzung des in der Überschrift zitierten Ehrengast-Mottos in Filipino lautet auf Deutsch «Fantasie beseelt die Luft».
Im Ehrengast-Pavillon war dieses Motto luftig-leicht und minimalistisch in Szene gesetzt: Der Designer Stanley Ruiz hat sieben «Inseln» entworfen, gebaut aus Bambus, Stahl und Textilien mit drachenähnlichen ‹Dächern› aus lichtdurchlässigen Membranen, belebt durch Bücher und Projektionen zeitgenössischer Künstler:innen. Sie präsentieren unter anderem das Werk des Freiheitskämpfers, Nationalhelden und Dichters José Rizal (1861–1896) sowie aktuelle Werke nationaler Schriftsteller:innen, nicht zuletzt die philippinische Geschichte, die geprägt ist durch 300 Jahre spanische Herrschaft und die ab 1898 fast 50 Jahre währende amerikanische Kolonialzeit. Am 4. Juli 1946 wurden die Philippinen zumindest formal in die Unabhängigkeit entlassen. Gewaltherrschaft, Korruption und politische Morde durch Diktatoren wie Ferdinand Marcos und Rodrigo Duterte sind bis heute Thema zeitgenössischer Literatur.
Gefeiert wurde demgegenüber die kulturelle Ausdruckskraft der philippinischen Literatur, die verwurzelt ist in mündlichen Überlieferungen und indigenen Traditionen und zugleich geprägt bleibt von Kolonialgeschichte und politischen Kämpfen. Auf den über 7641 Inseln der Philippinen leben gegenwärtig 109 Millionen Menschen, die 135 ethnolinguistischen Gruppen angehören und 183 Sprachen sprechen und jede «trägt ihre eigene Weltanschauung und Klangfarbe in sich».
Rund 30 deutschsprachige Verlage haben im Rahmen des Ehrengastprogramms inzwischen philippinische Literatur in Übersetzung und Bücher über die Philippinen herausgebracht. Herausgegriffen seien nur Killing Time in a Warm Place und Last Call Manila von Jose Dalisay, Überreste von Daryll Delgado, Gagamba der Spinnenmann und PO-ON: Die Quelle oder wie alles begann von F. Sionil José, Die Kollaborateure von Katrina Tuvera und die viel diskutierte, bedrückende Reportage Some People Need Killing. Eine Geschichte der Morde in meinem Land von Patricia Evagelista.
Hier eine Übersicht zum Download: 2025_Neuerscheinungen Philippinen
Orte für Lektüre, Reflexion und Austausch. Foto: Silvia Werfel
Serafina Nachwuchspreis für Illustration 2025 an Hannah Brückner
Die Künstlerin Hannah Brückner wurde für ihr 2025 bei NordSüd, Zürich, erschienenes Bilderbuch Kolossale Katastrophe mit dem Serafina Nachwuchspreis für Illustration ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im Rahmen der Frankfurter Buchmesse am Stand der Gutenberg Stiftung statt.
Neben Hannah Brückner waren Paulina Rauh mit OH NEIN! (kunstanstifter 2025), Rebekka Stelbrink mit Stille Post (Bohem Press 2025), Magali Franov mit Zuhause auf der Klippe (Edition Nilpferd 2025) und Ca Rose mit Und jetzt sei fröhlich, Knochenmann! (kunstanstifter 2024) mit ihren Büchern nominiert.
Der Preis wird von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur 2025 ausgelobt, in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse und dem Börsenblatt und gestiftet von der Mediengruppe Pressedruck. Die Giraffenfigur ist ein Entwurf der Aschaffenburger Künstlerin Luise Terletzki-Scherf für die Porzellan Manufaktur Nymphenburg.
Die Serafina-Preisträgerin Hannah Brückner. Foto: Anja Schnell, Team Momentesammler
Klingspor Museum: Love Stories zum Dritten …
bis 16. November 2025
Love Stories.
Der Anfang, das Ende und alles dazwischen
Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach
Trauer, Verlust, Schmerz, Gewalt – auch das sind Facetten der Liebe. Ihnen widmet sich das Klingspor Museum mit Künstlerbuchunikaten, Installationen und historischen Buchausgaben aus dem eigenen Bestand. Darunter sind bibliophile Kostbarkeiten mit Illustrationen von Oskar Kokoschka, Hugo Steiner-Prag, Max Liebermann und Frans Masereels Geschichte ohne Worte; ihnen gegenüber etwa Petra Obers Sappho. Allein, eine Leihgabe der Künstlerin. Erinnerungen an Verstorbene wecken die nach Porzellanbildern auf einem Friedhof gefertigten und von der Decke hängenden Objekte in Sára Richters Potpourri und Sandra Heinz hat Fragmente von Liebesbriefen ihrer Eltern zwischen Gazelagen verklebt und eingenäht, als großes Wandbild, das verhüllt und zugleich schützt.
Ebenfalls zu sehen: der Film The Great Wall Walk. Hierin laufen Marina Abramovic und ihr langjähriger Partner Ulay von unterschiedlichen Richtungen auf der Chinesischen Mauer aufeinander zu. Nach drei Monaten trafen sie aufeinander – anstatt wie geplant zu heiraten, trennten sie sich nach der Begrüßung.
Künstlerbuchunikate von Petra Ober und Annette Vogel. Foto: Silvia Werfel
Offenbach: Love Stories zum Zweiten …
bis 16. November 2025
Love Stories.
Der Anfang, das Ende und alles dazwischen
Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 61, 63050 Offenbach
Im großen Ausstellungsraum im Haus der Stadtgeschichte kann man der ersten Verliebtheit nachspüren, der romantischen Liebe, dem Werben um die Angebetete einst und jetzt – in Wandtexten, Installationen, Fotos und Hochzeitsalben aus Familienbesitz sowie Künstlerbüchern, etwa von Sandra Heinz, Barbara Beisinghoff, Thomas Bayrle. Auch zu sehen: die geschwungene Handschrift namens Conspired Lovers / Heimliche Liebhaber, entworfen von dem Typografen Harald Geisler, der an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert hat.
Blick in die Ausstellung. Foto: Silvia Werfel
Offenbach: Love Stories zum Ersten …
bis 16. November 2025
Love Stories.
Der Anfang, das Ende und alles dazwischen
Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 61, 63050 Offenbach
Impuls für diese ganz besondere Jubiläumsausstellung ist eine Offenbacher Verlobung vor 250 Jahren: Um Johann Wolfgang Goethe und Elisabeth (Lili) Schönemann kreisen die Exponate in dem Raum, der im Haus der Stadtgeschichte eigentlich Alois Senefelders Erfindung der Lithografie gewidmet ist. Besonders hervorgehoben seien hier zwei selten gezeigte Goethe-Bildnisse, ein Ölgemälde und ein Kupferstich.
Der Offenbacher Porträtmaler Georg Oswald May (1738–1816) malte 1769 den jungen Goethe; von dem verschollenen Original gibt es nur noch eine Kopie von 1779, die im Museum für Gießen hängt. Als Leihgabe fand sie nun den Weg zur Jubiläumsschau nach Offenbach.
Relativ selten ist der Kupferstich des in Offenbach tätigen jüdischen Künstlers Isaak Schnapper aus dem Jahr 1786. Es handelt sich um die Kopie eines Stichs von Daniel Chodowiecki (1726–1801), der wiederum nach einer Zeichnung des mit Goethe befreundeten Weimarer Malers Georg Melchior Kraus (1737–1806) im Jahr 1776 entstanden ist. Drei Wochen vor Ausstellungseröffnung konnte der Druck über das Berliner Auktionshaus Nosbüsch & Stucke fürs Haus der Stadtgeschichte angekauft werden.
Seltener Fund: das Kupferstich-Porträt von Goethe im Format 14,8×12,8 cm von Isaak Schnapper. Foto: Silvia Werfel
Bamberg: Ausstellung zu Jean Pauls 200. Todestag
bis 13. Dezember 2025
«Meine Feder soll ein Flügel sein»
Jean Paul und seine literarischen Netzwerke.
Staatsbibliothek Bamberg
Neue Residenz, Domplatz 8, 96049 Bamberg
Anlässlich des 200. Todestags des oberfränkischen Schriftstellers Jean Paul, der 1763 in Wunsiedel geboren wurde, präsentieren die Staatsbibliothek Bamberg und die Landesbibliothek Coburg zwei aufeinander bezogene Ausstellungen mit jeweils eigenen Akzenten.
Im Mittelpunkt der Bamberger Ausstellung stehen ausgewählte Briefe, die Jean Paul an den jüdischen Handelsherrn Emanuel Osmund (1766–1842) richtete. Seit 2010 bewahrt die Staatsbibliothek Bamberg als Dauerleihgabe der Oberfrankenstiftung mehr als 1100 Briefe und Billets Jean Pauls.
Der jahrzehntelange Austausch der beiden Freunde wird in der Bamberger Ausstellung in einen größeren Rahmen eingebettet. Graphiken und Erstausgaben seiner Werke illustrieren Jean Pauls Entwicklung zu einem Erfolgsautor. Aufmerksamkeit gilt auch Jean Pauls Kontakten zur Bamberger Literaturszene. Präsentiert werden daneben moderne illustrierte Ausgaben und Künstlergraphiken, die heutigen Lesern neue Zugänge zu Jean Pauls bildgewaltigen Erzählungen erschließen.
Zur Ausstellung ist eine bebilderte Begleitpublikation erschienen:
Meine Feder soll ein Flügel sein. Jean Paul und seine literarischen Netzwerke. Hrsg. von Helmut Pfotenhauer, Sascha Salatowsky und Bettina Wagner. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2025 (Bamberger Buch-Geschichten Nr. 5). 30 €.
Hier der Flyer zum Download:
JeanPaul_2025_StaatsbibliothekBamberg Flyer
Dieser Link führt zur Ausstellung in Coburg:
Jean_Paul_Coburg
Abbildung: «Meine Feder sol heute ein Flügel sein.» Jean Paul. Farbstiftzeichnung von Stephan Klenner-Otto. Gnailes, Rödental, 2025 | SBB, I T 83c/19
Die Gesellschaft der Bibliophilen e.V. trauert um Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann
Ein Nachruf von Sebastian Eichenberg
Glück und Verstand – Minutenlektüren von Johann Peter Hebel lautet der Titel eines kleinen Büchleins, welches uns Hansgeorg Schmidt-Bergmann am 3. Juni 2018 auf der Jahrestagung in Freiburg beim Festabend schenkte. Es war ursprünglich eine Jahresgabe der Literarischen Gesellschaft/Scheffelbund 2010, welche Schmidt-Bergmann zusammen mit Franz Littmann bei Hoffmann und Campe herausgegeben und mit einem Nachwort versehen hat.
Dort heißt es: «Die Auswahl des vorliegenden Bandes versucht eine Antwort abseits der heute überlebten konventionellen Denkweisen. Mit Verstand glücklich werden hieß ja für Hebel […] nichts anderes als die Kunst, die Lebenskräfte durch eine Vergegenwärtigung des Todes zu stärken. Gleichberechtigt neben der ‹ars moriendi› findet der Leser zahlreiche Aufforderungen zur ‹ars vivendi›, deren Horizont die Gelassenheit und die Zufriedenheit mit sich und der Welt bilden.» Laut Hebel muss man beides können: Sich um die Zukunft sorgen, als auch sorglos in der Gegenwart leben, und – das Wichtigste dabei – seinen Humor und seine Heiterkeit nicht verlieren. Es allen recht zu machen, kann nicht gelingen.
Wenn Hansgeorg Schmidt-Bergmann seine Ehefrau, unsere Erste Vorsitzende Dr. Annette Ludwig, jährlich zu den Jahrestagungen begleitete, konnte man genau dieses Motto immer wieder bei ihm erleben. Gespräche, ernst in der Thematik, waren nie zynisch. Humorvolle Stunden wurden nie zum Unsinn. Es schien so, als ob Hansgeorg Schmidt-Bergmann genau diese, eigentlich recht schwierige Art der «Lebenskunst», nämlich mit Hilfe des Verstandes glücklich werden, durchdrungen hatte. Eine im wahrsten Sinne des Wortes logische Sache, wenn man dabei sein umfangreiches literarisches Wissen und seine Erfahrungen als kluger Analytiker in der Literaturwissenschaft berücksichtigt. Seine Teilnahmen waren stets eine große Bereicherung für die Tagungen.
Doch beim näheren Kennenlernen offenbarte sich die Symbiose zwischen Verstand und vor allem Herz. Wenn er etwas fragte, tat er dies nicht aus Gefälligkeit, sondern weil es ihn wirklich interessierte. Seine Ratschläge und Anmerkungen waren nicht belehrend, sondern immer Angebote, seine Ansichten und Erfahrungen in die persönlichen Überlegungen mit einzubeziehen. Dabei blieb er stets empathisch, offen und nahbar. Mit dieser Art hat er damit den Kreis der Lebenskunst ganz im Sinne Hebels geschlossen. Dieses Beispiel an «ars vivendi», die vielen klugen, schönen und empathischen Gespräche werden fehlen.
Am 3. September 2025 ist Hansgeorg Schmidt-Bergmann nun im Alter von 69 Jahren für alle überraschend in Weimar gestorben. Unser Mitgefühl gilt unserer Ersten Vorsitzenden Frau Dr. Annette Ludwig sowie der gesamten Familie.
Foto: Andrea Fabry (mit freundlicher Genehmigung der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe)
Schloss Rheinsberg: Die Prinzessinnenbibliothek
nur noch bis 5. Oktober 2025
Die Prinzessinnenbibliothek
Sofia Albertina von Schweden und ihre Bücher
Schloss Rheinsberg – Sommerappartement des Prinzen Heinrich
Schloss Rheinsberg 2, 16831 Rheinsberg
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) präsentiert in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz erstmals öffentlich Höhepunkte aus der Privatbibliothek von Prinzessin Sofia Albertina von Schweden (1753–1829), der Tochter von Königin Luise Ulrike von Schweden (1720–1782) und damit eine Nichte des preußischen Königs Friedrich der Große (1712–1786).
Die rund 4500 Bände umfassende Bibliothek der Prinzessin wurde 2017 gemeinsam von der SPSG und der Staatsbibliothek zu Berlin erworben – großzügig unterstützt durch die Rudolf-August Oetker-Stiftung und die Kulturstiftung der Länder. Die vollständig erhaltene Sammlung ist ein außergewöhnliches Beispiel weiblicher Bildungsgeschichte und Lesekultur der Aufklärung.
Die Sonderausstellung zeigt 116 ausgewählte Bände und thematisiert unter anderem Bildung und Spracherwerb, Theater, Kunst, Architektur, Modejournale sowie Bücher als Zeichen von Wertschätzung und Repräsentation.
Der historische Ausstellungsort verleiht der Präsentation eine zusätzliche Tiefe: Im Bibliothekszimmer von Prinz Heinrich von Preußen – Bruder Friedrichs des Großen und Onkel Sofia Albertinas – wurde mit maßgefertigter Möblierung durch den Berliner Möbeldesigner Jonas Stürzebecher eine neue Ausstellungssituation geschaffen.
Bild:
Bücher aus der Privatbibliothek der Prinzessin Sofia Albertina von Schweden. © Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz / Carola Seifert
Klingspor Museum: Love Stories
bis 16. November 2025
Love Stories.
Der Anfang, das Ende und alles dazwischen
Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach
Haus der Stadtgeschichte, Herrnstraße 61, 63050 Offenbach
Vor 250 Jahren verliebte sich der junge Johann Wolfgang Goethe in Elisabeth (Lili) Schönemann, die als kurzzeitige Verlobte Goethes in die Literaturgeschichte einging. Anlass genug, um über die Liebe neu nachzudenken. Dieses scheinbar universelle Gefühl zwischen Menschen ist Gegenstand zahlreicher literarischer und wissenschaftlicher Texte, es wird in Liedern besungen und in der Kunst verhandelt. Unterschiedliche Beziehungskonzepte und Gemeinschaften werden auf ihre Tragfähigkeit befragt und sind Gegenstand einer Doppel-Ausstellung im 250. Jahr der Liebe zwischen Goethe und Lili, der sechzehnjährigen Bankierstochter.
Eröffnet wurde sie am 22. August bei schönstem Spätsommerwetter im Hof des Büsing Palais. Während im Haus der Stadtgeschichte die beginnende Liebe im Fokus steht, widmet sich das Klingspor Museum dem Ende der Liebe mit allen Aspekten von Abschied, Enttäuschung, Herzschmerz und Neuanfang.
Neben eigenen Beständen der Museen sind zahlreiche Leihgaben zu sehen von Menschen, die dem Open Call der Museen gefolgt sind und die Ausstellung mit sehr persönlichen Artefakten, eigenen Texten und künstlerischen Arbeiten zu den Themen des Verliebtseins, Kennenlernens aber auch Trauer, Verlust und Schmerz bereichern.
Dr. Dorothee Ader, Leiterin des Klingspor Museums (am Mikro): Freude und Dank an das große und großartige Ausstellungsteam. Foto: © Markus Kohz
Katalog «Die schönsten deutschen Bücher 2025» erschienen
Pünktlich zur feierlichen Preisverleihung am 5. September 2025 im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main ist der Katalog Die Schönsten Deutschen Bücher 2025 erschienen. Konzipiert und gestaltet hat ihn das Studio Tillack Knöll – Design Practice, Stuttgart. Sven Tillack stellte das schöne Konzept des wunderbar ‹buchigen› Katalogs vor mit Fotos von Ann-Kathrin Müller, die den Umgang mit dem Buch feiern: Es beginnt mit dem Herausholen aus dem Archivregal, Hände halten es und blättern und stellen es zuletzt ins Regal zurück.
Bestellungen in der Lieblingsbuchhandlung (Preis: 20 €):
ISBN 978-3-9822108-4-1
Fotos: © Studio Tillack Knöll, Design Practice