bis 27. September 2026
Mishpocha. The Art of Collaboration
Jüdisches Museum Frankfurt
Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt am Main

Zugegeben: Diese Crossover-Ausstellung richtet sich nicht ausdrücklich an Bibliophile, trotzdem sei sie hier angezeigt, als ein weiteres Projekt des World-Design-Capital-Jahres von Frankfurt und RheinMain.

Die Dauerausstellung im JMF erzählt die einzigartige Geschichte des jüdischen Lebens in Frankfurt, der einstigen Hauptstadt der jüdischen Diaspora in Europa, von 1800 bis heute. Mit MISHPOCHA. The Art of Collaboration erweitert das JMF nicht nur seine Perspektive auf das Thema Familie, sondern auch seine bisherige Vorgehensweise in der Ausstellungsproduktion. Das Konzept von MISHPOCHA wurde nicht auf Grundlage von wissenschaftlicher, künstlerischer oder kuratorischer Forschung, sondern in einem kollaborativen Prozess zwischen musikalischen und künstlerischen Perspektiven, kuratorischen und thematischen Reflexionen, Design und Produktion entwickelt. Dessen Ergebnis ist eine immersive und interaktive Ausstellung sowie ein kulturelles Programm, die zu gemeinschaftlichem Erleben, Begegnung und kreativer Zusammenarbeit einladen.

MISHPOCHA ist ein Ausstellungs- und Happening-Projekt des Jüdischen Museums Frankfurt in Kooperation mit Atelier Markgraph (mit Impulsgeber Stefan Weil) und der IMA Clique unter der künstlerischen Leitung von Mike D. (Michael Louis Diamond, geboren 1965 in New York und einst Gründungsmitglied der legendären Beastie Boys).

Der Ausstellungsparcour führt durch vier Räume zu jeweils eigenen Themen: Mischpoche, Soundinstallation von Jan Ove Hennig. ROOTS: Sieben zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler gehen hier in Malerei, Fotografie, Film, Skulptur und Installation den eigenen Familiengeschichten nach, erzählen von Flucht und Migration, der Suche nach Zugehörigkeit, Verlust und Erinnerung an Gewalt. MIX: Hier verbindet eine interaktive 360-Grad-Mehrkanal-Videoinstallation Klang, Licht und Projektionen zu einer immersiven Umgebung, die verschiedene musikalische Genres und die sie begleitenden Szenen, nämlich Punk, Riot Grrrl, Hip Hop und Rave erfahrbar macht. Mittels Mischpult kann man grafische Elemente, farbliche Stimmungen und visuelle Effekte verändern. PLAY: Vier interaktive Stationen mit Mischpulten zu den verschiedenen Facetten elektronischer Musik laden ein, selbst Musik zu machen.

Zu den insgesamt sechzehn beteiligten Künstlern gehören unter anderem Nirit Takele, Shimon Wanda, Hetain Patel, der Fotograf Jan Zappner und Alica Khaet (Stop-Motion-Kurzfilm Feferle). Ira Eduardovna bietet mit ihrer Zwei-Kanal-Videoinstallation The Library Room schließlich einen Bezug zum Buch (siehe Foto): Mit Hilfe ihrer Eltern und Schwester stellt sie darin die Vorbereitungen auf die Auswanderung ihrer Familie um 1990 von Usbekistan nach Israel nach. Bücherwände ringsum, Einpacken, Weiterreichen, in steter Wiederholung – als Teil eines Prozesses, der das Trauma zu heilen sucht.

Der Endspurt läuft: Die außergewöhnliche Sonderausstellung ist nur noch bis 27. September zu sehen. 

Info am Rande: Zur Ausstellung gehört auch der Loco Loop, an dem man gemeinsam und intuitiv aus Geräuschen Musik machen kann. Fabian Werfel hat ihn erfunden und gebaut.

 

© Ira Eduardovna, The Library Room, 2009. Foto: Silvia Werfel