Zwei Ausstellungsorte in Wiesbaden zeigen:
Unter Druck. Politische Plakate 1918–1990
bis 9. August 2026:
Politische Plakate 1918 bis 1933
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur
Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
bis 11. April 2026:
Politische Plakate 1945 bis 1990
Hessischer Landtag
Schlossplatz 1–3, 65183 Wiesbaden

Schöne Vergleiche konnte man in den Wochen vor den hessischen Kommunalwahlen anstellen: im öffentlichen Raum die aktuellen Plakate mit Politikerporträts und mehr oder weniger aussagekräftigen Statements, im Landesmuseum historische Plakate aus der Zeit von 1918 bis 1933, im Hessischen Landtag Plakate der Jahre 1945 bis 1990. Die größte gestalterische Vielfalt zeigen auf jeden Fall die Exponate im Landesmuseum.

Die rund achtzig hier an den Wänden hängenden Plakate aus der Sammlung von Maximilian Karagöz zeigen, wie die visuelle Kommunikation mittels Plakat in der Politik zur Zeit der Weimarer Republik genutzt wurde: zur Information, zur Einflussnahme, zur Manipulation. Schon im Ersten Weltkrieg wurde das Plakat zu einem wichtigen Propagandainstrument, wobei die Kriegsparteien das Medium unterschiedlich nutzten. In Deutschland warb man in eher zurückhaltender Weise etwa für Kriegsanleihen. Demgegenüber setzen Frankreich und Großbritannien, ab 1917 auch die USA, auf Zuspitzung und Emotionalisierung.

Im bundesrepublikanischen Wahlkampf der Nachkriegszeit hieß es erst einmal «Keine Experimente!». Das galt offensichtlich auch für die wenig innovative Plakatgestaltung, die sich üblicherweise auf Politikerporträts beschränkte. Erst ab den 1970er Jahren waren neue, unkonventionelle Motive gefragt. Sogar Selbstironie und hintersinniger Humor hielten nun vereinzelt Einzug, zum Beispiel bei der Partei der Grünen.

Der reich bebilderte, den Zeitraum 1918 bis 1990 umfassende Katalog enthält lesenswerte Beiträge von Peter Forster, René Grohnert, Petra Eisele und Nikolas Werner Jacobs (144 S., Deutscher Kunstverlag, 28 €); darüber hinaus gibt es im Landesmuseum eine postkartengroße, 46-seitige Werkübersicht mit den Plakaten 1918 bis 1933 zum Mitnehmen.

Bild: Plakatwerbung für die Deutsche Volkspartei, Alexander Maria Cay, 1920. Sammlung Maximilian Karagöz. Foto: Museum Wiesbaden ⁄ Dirk Uebele