Erster Preisträger des Gottfried-Pott-Gedächtnispreises ist der norwegische Kalligraf Christopher Haanes (Jahrgang 1966), der in Oslo lebt und arbeitet. Er bekam am 2. Oktober 2026 den mit 3000 Euro dotierten Preis aus der Hand von Kunstarche-Vorstandsmitglied Bernd Brach überreicht.
Felicitas Reusch, Vorstandsvorsitzende der Wiesbadener Kunstarche und Initiatorin des Preises, berichtete in ihrer Einführung, wie sich die Wiesbadener Kunstarche in den letzten Jahren mit Ausstellungen und Workshops zu einem Kalligrafie-Forum entwickelt hat. Mit der von ihr herausgegebenen Publikation Wiesbaden – Kapitale der Kalligrafie. Friedrich Poppl, Werner Schneider. Gottfried Pott (Wiesbaden: Reichert Verlag 2025) widmet sich erstmals ein Buch der bislang noch kaum bekannten, Kalligrafie und Schriftgrafik auf höchstem Niveau pflegenden «Wiesbadener Schule».
Die Laudatio auf den Preisträger hielt Dr. Stefan Soltek, ehemaliger Direktor des Offenbacher Klingspor Museums für Schrift- und Buchkunst. Dort wird der einzige weitere Kalligrafie-Preis in Deutschland, der Rudo-Spemann-Preis, an junge Studierende vergeben. Der Gottfried-Pott-Preis ehrt demgegenüber renommierte Schriftkünstler für deren Lebenswerk. Christopher Haanes, so Soltek, nehme Traditionen auf, interpretiere sie mit seinem Schriftstil aktiv und entwickle sie weiter. Er «verleihe der Linie Leben». Das kunstvolle Schreiben sei ein «zivilisierter Weg der Selbst-Verständigung».
Die zeitlose Kunst der Kalligraphie könne Epochen und Nationen verbinden, sagte der Preisträger, der unter anderem auch die Urkunden für den Friedensnobelpreis schreibt.
Nach der Preisverleihung wurde die von Tabitha Kraus kuratierte Ausstellung Meister ihrer Klasse eröffnet. Zu sehen sind neben Schriftblättern des Preisträger Arbeiten von Johannes Boehland, Karlgeorg Hoefer, Hermann Kilian, Friedrich Poppl, Werner Schneider, Gottfried Pott, Katja Tränkner und Uta Wolf. Sie alle stehen in Beziehung zur Wiesbadener Werkkunstschule. Hier stehen ein Katalog und die Lebensläufe der Schriftkünstler zum Download bereit:
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Christopher Haanes (links), neben ihm Bernd Brach, der die Urkunde überreicht hatte. Foto: Markus Kohz