Stephan Krass: Die Spur der Buchstaben
Stephan Krass: Die Spur der Buchstaben
Leichtfüßig springt der Autor in sechsundzwanzig plus drei Kapiteln von A wie Alphabet bis Z wie Zunge durch den Wörterkosmos. Was er zu erzählen hat, ist unterhaltsam, lehrreich und punktgenau formuliert. Es geht um die Einzigartigkeit der phonetischen Schrift: «Die 26 Buchstaben bilden ein geschlossenes Arsenal von Zeichen-Modulen, deren Kombinatorik eine unendliche Textmaschine in Gang setzt.» (Prolog S.11). [Gutenberg hat darauf aufbauend sein neues Textvervielfältigungssystem mit einzelnen Schrifttypen und Handsatz entwickelt. Anmerkung siw]
Die Essays (inklusive «Bonustrack zu George Bernard Shaw»: Äther, Öffentlichkeit, Übersetzung) fördern Überraschendes zutage, gespeist aus dem enormen historischen Wissen des Autors zu allen Facetten der Geistesgeschichte. So erfahren wir, seit wann der Buchstabe Y «Signum und Metapher für die Suche nach dem rechten Weg» ist und was Herkules, Comenius und der Autohersteller Ford damit zu tun haben. Unter D wie Digitus (lateinisch für Finger) geht es um das Schreiben und die «fortschreitende Entkörperlichung unserer Intelligenz» (der Autor zitiert hier Eduard Kaeser), mit Verweis zu den Kapiteln Feder und Handschrift.
Man kann dieses Buch kaum linear Seite für Seite lesen. Ständig wird man verführt, von Stichwort zu Stichwort zu springen und neue Zusammenhänge zu entdecken. Wunderbar!
Leinenband, Lesebändchen, streichelzartes Papier, exzellente Typographie mit feiner Inszenierung der Kapitelüberschriften: Dass dieses handliche Buch mit größter Sorgfalt gestaltet und gedruckt wurde, versteht sich bei Steidl von selbst. Geistreich und formvollendet – ein Lesevergnügen!
Text und Fotos: Silvia Werfel
Im Detail
Die Spur der Buchstaben.
Alphabet. Blaupause. Code
Stephan Krass
Göttingen: Steidl 2021
160 S., Leinenband, 12,6×20,8 cm
18 €