Blumen für Weimar – Die Museen der Klassik Stiftung Weimar haben gemeinsam mit der Ernst von Siemens Kunststiftung fünf Scherenschnitte von Philipp Otto Runge für ihre bedeutenden Graphischen Sammlungen erworben. Sie stammen aus dem Nachlass der mit dem Romantiker befreundeten Hamburger Künstlerfamilie Speckter und blieben bis heute im Besitz von Nachfahren. Das Konvolut aus Flieder, Maiglöckchen, Margerite, Narzisse und Nelke war bisher unbekannt.
Für Weimar haben Runges Scherenschnitte eine singuläre Bedeutung, die von seinem Verhältnis zu Johann Wolfgang von Goethe herrührt. Bereits seit der Jahrhundertwende standen Runge und Goethe in Kontakt. 1806 sandte Runge eine größere Anzahl von Blumenschnitten als Geschenk an den Dichter, der mit ihnen das Musikzimmer (das heutige Junozimmer) in seinem Wohnhaus am Frauenplan auszustatten gedachte. Keines dieser Werke hat sich in Goethes Sammlung erhalten.
Die Direktorin der Museen, Dr. Annette Ludwig, unterstreicht: «Mit dieser wichtigen Neuerwerbung bringen wir Runge nach mehr als zweihundert Jahren wieder ins Goethehaus zurück, wofür unser herzlichster Dank der Ernst von Siemens Kunststiftung für die großzügige Förderung gebührt. Mit den raren Blättern des jung verstorbenen Künstlers schließen wir eine empfindliche Lücke in unserer Sammlung und können veranschaulichen, wie wichtig sie Goethe gerade auch in Krisenzeiten waren. Noch vor der sanierungsbedingten Schließung werden wir sie für unsere Gäste direkt im Wohnhaus präsentieren.»
Abbildung: Philipp Otto Runge, Maiglöckchen, um 1805, Klassik Stiftung Weimar, Museen