Max Niderlechner:
Anmerkungen über Büchersammeln und zugleich ein Kapitel vom Nachwuchs in der Bibliophilie

Aus: Imprimatur VIII (1938), S. 179-183.

Die Bibliophilie ist keine Jugendbewegung, sondern eine Alterserscheinung! Diese Behauptung findet eine Bestätigung in der Tatsache, daß der Altersdurchschnitt der Mitglieder aller deutschen Bibliophilen-Vereinigungen über 45 oder gar 50 Jahre liegen dürfte. Deshalb haben die Vorstände der Vereinigungen auf der diesjährigen Jahresversammlung in Stuttgart mit Recht sorgenvoll die Frage eines Mitgliederschwundes und des Nachwuchsmangels besprochen. Hierbei sind auch die Fragen einer Verjüngung des Mitgliederbestandes, einer Nachwuchsfürsorge, behandelt Man hat die Notwendigkeit der Änderung jenes Umstandes sehr wohl erkannt, und es ist erfreulich, daß man bemüht sein wird, solche Änderung vorzunehmen, indem man Fühlung sucht mit jungen Menschen, in denen vielleicht der Sinn für Bibliophilie geweckt werden kann.

Hier liegen Schwierigkeiten, die nicht verkannt werden. Versuchen wir einmal, ihre Ursachen zu erkennen, vielleicht, daß sich dabei Wege zeigen, die zu begehen nötig sind, um den bibliophilen Bestrebungen und den Vereinen als wichtige Vertreter dieser Bestrebungen junge Kräfte zuzuführen.

Mit dem Fremdwort „Bibliophilie“ werden in Deutschland verschiedene Begriffe gedeckt, und seine eindeutige Verdeutschung ist sehr schwer. Am liebsten übersetzt es man es mit dem Wort „Bücherfreund“, aber es hat doch den Anschein, daß der Sinn dieses Wortes sich nicht mit dem überlieferten und gewordenen, gewachsenen Sinn des Fremdwortes „Bibliophilie“ deckt, der eigentlich viel enger ist als der des deutschen Wortes „Bücherfreund“. Wir können vielleicht die Anhänger der bibliophilen Bestrebungen in Deutschland in drei Gruppen einteilen, von denen wir ohne jede Wertung die Bücherfreunde als die breiteste und zuunterst liegende Schicht ansehen können; Bücherfreunde sind in Deutschland eine nach Hunderttausenden, wenn nicht gar nach Millionen zählende Menge alter und junger Menschen aus allen Ständen und Gauen, auf dem Lande wie in den Städten, begütert und unbegütert, überall in unseren durchschnittlich recht gebildeten Volke finden wir Bücherfreunde. Die hohen und immer wieder steigenden Auflagen neuer Bücher auf allen Gebieten verkünden die weite Verbreitung der Freude am Buch du am Lesen und auch am Buchbesitz, eine Freundschaft zu den stummen und stets bereiten Helfern, die wir alle in den Büchern sehen. Es wird nicht als bibliophiler Hochmut angesehen werden können, wenn festgestellt wird, daß solche Bücherfreundschaft mit Bibliophilie zunächst recht wenig zu tun hat.

Als weiter Übersetzung des Wortes „Bibliophilie“ wird oft das Wort „Buchliebhaber“ angewandt, wobei es schwer sein wird, einen sinngemäß vorliegenden Unterschied dieses Begriffs gegenüber dem des Wortes Bücherfreund genau zu bestimmen. Wer das schöne Vorwort, das der Dichter Karl Vollmöller dem jüngst erschienenen Katalog der Bibliothek seines Bruders beigegeben hat, kennt und wer daraufhin den Katalog durchgesehen hat, wird zugeben, daß diese Bücher des Besitz eines Bücherfreundes waren, der sicher durch die von Karl Vollmöller bezeichnete und wunderschön charakterisierte Art des Verkehrs mit seinen Büchern zum Bücherliebhaber wurde. Das Verhältnis eines solchen Bücherliebhabers zu seinem Besitz ist inniger und dadurch wesentlich anders als das des Bücherfreundes. Der Bücherliebhaber geht wohl schon etwas weiter in seiner Neigung zum Buch, indem er bestimmte Bücher anderen gegenüber bevorzugt, indem er Lieblingsbücher hat und indem er danach trachten wird, diese Lieblingsbücher auszuzeichnen, sei es, daß er besondere Ausgaben bevorzugt oder bessere Drucke oder auch bessere Einbände für sie wünscht.

Der Bücherliebhaber ist eine Vorstufe zu dem eigentlichen und richtigen Bibliophilen. Das hat mit Snobismus nichts zu tun. Mit Recht haben die Vorstände der bibliophilen Gesellschaften und am nachdrücklichsten immer wieder die große Weimarer Gesellschaft der Bibliophilen den sogenannten Snobismus stets bekämpft und danach getrachtet, diese Vertreter einer Pseudobibliophilie auszuschließen. Vor dem Kriege war der Begriff kaum in den Reihen der bibliophilen Vereine aufgetaucht, er ist eine reine Nachkriegserscheinung, die in der Hauptsache durch Verlegerspekulationen der Inflationsjahre gefördert wurde. Jeder echte Bibliophile weiß genau, daß ein Sammler von Vorzugsdrucken, Büttenpapier-Ausgaben und numerierten Exemplaren, auch wenn sie sämtlich die Nummer 1 tragen noch lange kein Bibliophile ist; vielmehr kann ein Besitzer von Broschüren oder von ganz gewöhnlichen Klassikerausgaben ein viel echterer Bibliophile sein. Wahre Bibliophilie ist unabhängig vom Geldbeutel und den für eine Sammlung verfügbaren Mitteln. Der echte Bibliophile ist ein nicht charakterisierbarer, aber um so leichter erkennbarer Besitzer von Büchern, die er als Bücherfreund und als Liebhaber mit einer Kennerschaft zusammengebracht hat, die, ohne ungeistig zu sein, nicht nur vom Inhalt der Bücher ausgeht. Wer die Geschichte der deutschen Bibliophilie in den letzten 40 Jahren kennt, weiß, daß die Wirkungen solcher Kennerschaft außerordentlich weit reichen. Wer heute einen schön gedruckten Roman in die Hand nimmt oder sich an der typographischen Gestaltung eines Buchtitels erfreut, ja, schon wer an den herrlichen kleinen Meisterleistungen der Buchgestaltung und Typographie der Insel-Bücherei zu finden sind, Freude hat, kann nicht erstaunt sein, wenn man ihm diese Dinge als Ergebnisse der bibliophilen Bestrebungen gezeichnet. Die kleine Schar von Männern, die unter der Führung des unvergessenen Fedor von Zobeltitz 1899 zur Gründung der Gesellschaft der Bibliophilen sich zusammenfand, war, angeregt durch die großen buchgewerblichen Fortschritte in England, erfüllt von dem Bestreben, mitzuhelfen an der Ausgestaltung des deutschen Buchgewerbes, in dem bereits wenige mutige und unternehmungslustige Drucker und Verleger tatkräftig vorangingen auf dem Wege zur schöpferischen Umgestaltung und künstlerischen Formung der deutschen Buchherstellung.

Daneben fanden sich in diesem Kreise aber auch jene Bücherliebhaber, deren Neigung nicht dem Buch von damals, sondern vielmehr dem alten, wirklich antiquarischen Buche galt. Es soll nicht behauptet werden, daß diese Freunde alter Bücher echtere Bibliophilen sind als jene Förderer und Vertreter einer modernen Buchkunst. Beide Gruppen aber unterscheiden sich wesentlich von jenen Bücherliebhabern und Bücherfreunden, und wir glauben es nicht besser bezeichnen zu können, als daß sie sich eben durch Kennerschaft unterscheiden. Freilich kann man für das Fremdwort „Bibliophilie“ zur rechten Charakteristik leider nicht das Wort „Bücherkenner“ anwenden, weil in der deutschen Sprache das Wort Kenner nicht den Sinn des französischen „Connaisseur“ aufweist. Schließlich ist Bibliophilie neben vielem anderen auch eine sehr entschiedene geistige Haltung, die im Buch den mehr oder weniger kunstvoll Materie, Körper gewordenen Geist ebenso achtet wie ebendieses Kunstwerk oder Kunsthandwerk, diesen Körper des Geistes.

Mit diesen Charakteristiken hoffen wir, die drei Grundtypen, die wir in den bibliophilen Vereinigungen heute finden, gekennzeichnet zu haben, wobei wir mit Fleiß vermieden haben, vom Büchersammler zu sprechen. Der Büchersammler ist eine eigene Erscheinung, die in sich die drei oben geschilderten Typen vereinigt. Es wird keinen echten Büchersammler geben, der nicht gleichzeitig Bücherfreund, Bücherliebhaber und Bibliophile ist. Es kann aber sehr wohl Bücherfreunde, Bücherliebhaber oder Bibliophile geben, die keine Sammler sind, denn der Buchbesitz allein macht noch nicht den Sammler. Wenn wir aber heute die bibliophile Lage betrachten, so wird es zwar etwas anfechtbar, aber schließlich bei gründlicher Überlegung doch richtig erscheinen, im Büchersammler den für die jetzige Zeit und die nächste Zukunft wichtigsten Aktivposten der Bibliophilie zu sehen.

Nichts ist falscher und gibt ein schieferes Bild vom Büchersammler, als wenn man, wie es geschehen ist, das Sammeln, also auch das Büchersammeln, als „eine Flucht vor dem Alltag in die Passion“, als „eine Flicht vor sich selbst in das Objekt“, bezeichnet. Jeder Sammler bekennt sich vielmehr zu seinem Ich, zum Jetzt und Hier seines Daseins. Hierin liegt z. B. der große Reiz, den die Lektüre vom Katalogen der großen Männer, großer Dichter oder Forscher der Vergangenheit immer wieder bietet. Der Buchbesitz eines echten Sammlers ist immer stets eine Art Selbstcharakteristik, und da eine Büchersammlung ja meist die Arbeit einiger Jahrzehnte bedeutet, ist sie auch eine Art geistiger Autobiographie. Das gilt in gleicher Weise für die Sammler, bei denen das „Was“ die Sammlung entscheidet, wie bei denen, die durch das „Wie“ der Sammlung auffallen. Wir haben in den zum öffentlichen Verkauf gelangten Sammlungen der letzten Jahrzehnte beobachten können, wie sehr der Qualitätsbegriff oder das Qualitätsgefühl des Sammlers sich gewandelt hat. Als vor 15 Jahren eine sehr bedeutende Sammlung deutscher Literatur, die unter den wachenden Augen Erich Schmidts entstanden war, versteigert wurde, war man in bibliophilen Kreisen erstaunt und teilweise entsetzt über den Zustand des größten Teils der Bücher. Der Sammler hatte es fertig gebracht, eine hochwertige Sammlung deutscher Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts fast durchweg in rote Halb-Kalbleder und -Maroquin-Bände binden und auf dem Rücken mit den Initialen seines Namens versehen zu lassen; dazu kam noch, daß alle Bücher ein unmögliches Bilderexlibris trugen, angefertigt von einem der ersten Künstler dieser Zeit, das bei falscher Perspektive einen lesenden Mann, auf einem Stuhle im Bibliothekszimmer sitzend, zeigte, mit der Unterschrift: „Helft alle mich belehren.“ Daß diese Sammlung, als Ganzes gesehen (trotz einem guten Auktionsergebnis selbstverständlich), allgemein aus Geschmacksgründen schon damals abgelehnt wurde, war ein Erfolg der Tätigkeit der Gesellschaft der Bibliophilen. Heute würde eine solche Sammlung in den maßgebenden Kreisen vielleicht nur Heiterkeit erzeugen und nicht einmal mehr gute Preise bringen. Heute pflegt der echte Sammler lieber an einem begehrten Stück vorüberzugehen, wenn es nicht vollkommen einwandfrei erhalten ist.

Nein, Sammeln ist nicht Flucht. Wir halten es vielmehr mit Rudolf Alexander Schröder, dem einer der schönsten Reden über Büchersammeln zu danken ist, gehalten 1931 auf einer Tagung der Frankfurter Bibliophilen-Gesellschaft, in der er feststellte, daß „Büchersammeln die Säugamme und Nährerin nicht nur der Wissenschaften, sondern alles höheren geistigen Lebens sei.“ Wenn wir nun Wege suchen, den Nachwuchs für die bibliophilen Vereinigungen zu gewinnen, so glauben wir, daß es am besten sein wird, wenn es gelingt, junge und jüngere Menschen von dem Wert des Büchersammeln zu überzeugen. Hierbei fällt auf, wie wenig Deutschland und die entsprechende Literatur, die sich mit Bücherkunde beschäftigt, Anleitungen zum Büchersammeln besitzt. Wir haben außer dem großen Werk von Bogeng über die großen Bibliophilen und neben seiner mit einer unheimlichen Fülle von Material beladenen Bücherkunde, neben Grisebachs Welt-Literaturkatalog und neben der erwähnten Rede Schröders, abgesehen von einigen wenigen Erinnerungsbüchern von Sammlern, kein Buch, das als eine Schule oder Fibel des Büchersammelns angesehen werden kann. Wie anders ist es in Frankreich, wo das grundlegende Werk von Rouveyre „Connaissances nécessaires aux collectioneurs des livres“ noch heute maßgebend ist, und wo es außerdem noch unabsehbar viele kleinere und größere, mehr oder weniger geistreiche Bücher gibt, die sich mit der Bildung, Pflege und Benutzung von Büchersammlungen beschäftigen. Wie anders ist es in England, wo viele Antiquare immer wieder in der Lage sind, regelmäßig Kataloge von „Books about books“ herauszugeben, unter den man auch eine Reihe von anleitenden Erinnerungsbüchern oder Schriften zur Pflege von Bibliotheken findet. Dabei hat Deutschland eine große und schöne Tradition des Büchersammeln aufzuweisen, wie man bei Bogeng jederzeit nachlesen kann.

Die Geschichte des deutschen Bibliophilie zeigt auch manche Beispiele dafür, daß die Büchersammlung mehr sein kann als ein persönliches Steckenpferd, daß sie vielmehr sehr wohl zu einem gemeinnützigen, der Gemeinschaft dienenden Werk ausgestaltet werden kann. Wir denken hierbei vor allem an den großen Berliner Sammler K. H. G. von Meusebach, dessen auserlesene Sammlung deutscher Dichtwerke des 15.-18, Jahrhunderts nicht nur der Germanistik seiner Zeit so große Hilfsdienste leisten konnte, daß die Brüder Grimm seiner in aufrichtiger Dankbarkeit in der Einleitung zum „Deutschen Wörterbuch“ gedachten, sondern die durch Übernahme in die Königliche Bibliothek und jetzige Preußische Staatsbibliothek in Berlin vergangenen und künftigen Generationen von Benutzern unermessliche Dienste leistet. Diese große Sammlung, in erster Linie nach sachlichen, inhaltlichen Gesichtspunkten zusammengebracht, kann natürlich nur ein heute unerreichbares Vorbild bleiben, aber sie zeigt, wie sehr eine rein persönlichen Neigungen dienende Sammlung schließlich doch als ein Dienst für die Gemeinschaft gewertet werden muß. Wir betonen das hier, weil wir glauben, daß gerade unter diesem Gesichtspunkt sich jüngere Menschen der heutigen Zeit für Ziele der bibliophilen Vereinigungen gewinnen lassen.

Wir sehen im Buchgewerbe an vielen Stellen, in der Buchdruckerei wie bei den Schriftgießern und bei den Buchbindern, vielfach frische, junge Kräfte am Werk; wir möchten glauben, daß es ein leichtes sein kann, sie für die Ziele der bibliophilen Gesellschaften zu gewinnen, indem man ihnen mit Nachdruck die überpersönlichen, gemeinnützigen Werte vor Augen führt, die in der rein individuell oder privat erscheinenden Tätigkeit des Büchersammelns liegen können. Die realpolitischer, zweckgebundener denkende junge Generation wird gerade in sachlichen und weniger gefühlsmäßigen Zielen der Bibliophilie Ansatzmöglichkeiten zu eigener Tätigkeit finden. Wir kennen eine Sammlung der sämtlichen Bücher Gerhart Hauptmanns in allen Ausgaben, und wir wissen, daß diese Sammlung mit beschränkten Mitteln zusammengebracht, ein außerordentlich eindringliches Bild der Entwicklung der äußern Buchgestalt vom letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts bis in unsere Tage gibt. Wir können uns weiter vorstellen, daß etwa eine Sammlung des gesamten Schrifttums „von und über“ Richard Dehmel für spätere Generationen außerordentlich wertvolles Material bietet zur Erforschung des sogenannten Naturalismus, der ja keineswegs nur eine Nachahmung ausländischer Vorbilder war. Wir wissen, daß eine nach ähnlichen Gesichtspunkten zusammengebrachte, ungewöhnlich vollständige große Berliner Sammlung um Arno Holz eine solche Aufgabe fast restlos erfüllt hat, indem sie tatsächlich fast lückenlos das sehr ausgedehnte Werk des Dichters mit dem ebenfalls gesamten Echo, daß es in seiner Zeit gefunden hat, zusammenbrachte. Tatsächlich ein „Arno-Holz-Archiv“. So würde auch eine Sammlung, die sich mit dem Werk eines Rainer Maria Rilke, eines Wilhelm Schäfer, eines Hans Carossa befaßt, das geistige Gesicht unserer oder der jüngst vergangenen Zeit in seinen dichterisch wertvollsten Vertretern festhalten können. Ein berechtigtes Lob würde vielleicht auch eine Sammlung finden können, die sich zur Aufgabe machte, das gesamte buchkünstlerische oder buchgestalterische Schaffen von Walter Tiemann, E. R. Weiß, Peter Behrens oder auch von Karl Klingspor vollständig zusammenzubringen. Oder man bedenke einmal, welche Bedeutung eine Sammlung der Wirkungen aller zeitgenössischen Stimmen etwa über Adalbert Stifter gewinnen könnte, oder eine gleiche Sammlung von Wilhelm Raabe oder über Theodor Fontane, der allerdings schon von einem namhaften Sammler gründlich bearbeitet wird, wobei auch die literarische Geschichte Berlins sehr bedacht wird. Wir möchten solche Aufgaben als große Ziele der Bibliophilie von heute ansprechen, die uns geeignet erscheinen, die Aufmerksamkeit junger Menschen zu finden. Doch brauchen nicht nur künstlerische Persönlichkeiten Mittelpunkte derartigen Sammelns zu sein. Es gibt daneben eine Fülle anderer Sammelgebiete, z. B. das weite Gebiet der Landes- und Ortskunde, oder eine Sammlung zur Geschichte der Leibesübungen, die unseres Wissens noch an keiner Stelle „literarisch“ gesehen oder gesammelt wird – auch das (seit einiger Zeit freilich von verschiedenen Seiten her bearbeitete) Gebiet der Geschichte der Luftschiffahrt und des Flugsportes, oder die unerschöpflichen Gebiete der deutschen Volkskunde, des deutschen Märchens und der Volkssagen.

Die bibliophilen Gesellschaften, besonders die Ortsvereine, dürften es vielleicht doch nicht mehr als ihre fast einzige Aufgabe betrachten, kleine Veröffentlichungen, die oft nur augenblickliche Beachtung finden, herauszugeben. Schon 1928 hat sehr nachdrücklich Professor Heinrich Wieynk auf einer Versammlung der Vereinigung der Bücherfreunde zu Dresden darauf hingewiesen, wie nachteilig es ist, wenn die bibliophilen Gesellschaften ihre Kräfte nur rückwärtsschauend eingesetzt haben, „bemüht um fei gewordenes Dichtergut und um die Drucklegung von Briefen und Notizzetteln letzter Hand“. Er hat mir Recht betont, „daß die Bücherproduktion kleinerer Vereine, wenn sie auch nicht ganz entbehrlich ist, doch auf Ausnahmen beschränkt bleiben sollte ...“ Sollte man sich nicht in diesen kleinen Vereinigungen wirklich frei machen von der heute nicht mehr gültigen Ansicht, daß die Aufgabe dieser Gesellschaften darin erfüllt sei, jährlich ein oder zwei gutgedruckte Büchlein herauszubringen? Heute erscheint es vielmehr als wichtigste Aufgabe aller dieser Vereine, unter jungen Menschen Teilnehmer an ihren Bestrebungen und Freunde ihrer Ziele zu finden. Als solche Ziele betrachten wir die Erhaltung einer hohen Buchkultur, die Hebung eines Buchgeschmacks in drucktechnischer Richtung des echten gesamtdeutschen Schrifttums und schließlich die Erziehung von bewussten, ehrgeizigen Sammlern. Das alles kann durch Vorträge und Aussprachen, durch gegenseitiges Helfen und Beraten, durch Unterstützung und Veröffentlichung bibliographischer Arbeiten gefördert werden. Seien wir erfüllt von dem Gedanken, daß es auch für uns eine große Aufgabe gibt: unsere Pflicht zu tun. Auch unsere Pflicht ist: „die Forderung des Tages“.

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