Roland S. Kamzelak:
Schrift- und Kulturgut in Gefahr
Chancen und Risiken der Massenentsäuerung


Aus IMPRIMATUR - ein Jahrbuch für Bücherfreunde Neue Folge XVII Juni 2002


»Papier ist eine vielfältige, komplizierte und manchmal geradezu geheimnisvolle Substanz.« Helmut Bansa

»Vilified though it may be, ground-wood pulp is one of the great inventions of the late nineteenth century […].« Nicholson Baker

Einführung

»Papier ist heute und in die absehbare Zukunft hinein der wichtigste aller Datenträger; es ist durchaus nicht abzusehen, daß es eines Tages aus dieser Funktion verdrängt werden könnte.«1 Diese Aussage von Helmut Bansa aus dem Jahre 1980 scheint angesichts der Bedrohung des massenhaften Papierzerfalls in den Bibliotheken und Archiven rund um den Globus eine glatte Fehleinschätzung zu sein. Sie steht Schlagzeilen wie »Gefahr für das Gedächtnis der Nation«2 oder »Fraß am kulturellen Gedächtnis«3 oder »Drohende Gedächtnislücken«4 jäh entgegen. Und in der Tat ist der drohende Zerfall eines Großteils der Papierbestände in vielen Bibliotheken quälende Realität geworden. Am Beispiel des Deutschen Literaturarchivs in Marbach soll die Gefahr analysiert werden, um anschließend die Chancen und Risiken einer hoffnungsvollen Behandlung des Papiers, der Massenentsäuerung, zu beschreiben.

1903 weihte der Schillerverein in Marbach das Schillermuseum ein, um das Gedächtnis an den in Marbach geborenen Dichter Friedrich Schiller zu bewahren. Bald lagerten sich an die vergleichsweise wenigen Manuskripte Schillers schwäbische Dichterkollegen des 19. Jahrhunderts an – darunter zählen Hölderlin, Mörike, Schubart, Wieland –, so daß das Schiller-Nationalmuseum (seit 1938) zur Sammelstätte und zum Ausstellungsort für die schwäbischen Dichter wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Teilung Deutschlands fanden vor allem Exilliteraten in Marbach eine Heimat für Ihre Manuskripte und so lag es nahe, im Jahre 1955 das Deutsche Literaturarchiv zu gründen. Seit dieser Zeit gehören neben den Nachlässen der schwäbischen Dichter auch die gesamte deutschsprachige Literatur des 20. und nun des 21. Jahrhunderts zum Sammelgebiet Marbachs: Hermann Hesse, Alfred Döblin, Else Lasker-Schüler und Franz Kafka gehören zu den berühmten Nachlässen. Aber auch österreichische und Schweizer Autoren wie Hugo von Hofmannsthal und Robert Walser finden sich in Marbach. Insgesamt sind es etwa 1100 Nachlässe von Schriftstellern und Gelehrten, mit Manuskripten, Büchern und Gegenständen.5 Das Marbacher Institut hat im wesentlichen zwei Aufgaben:

Deutsches Literaturarchiv: Das Sammeln, Erhalten und Erschließen von Nachlässen von deutschsprachigen Schriftstellern und Gelehrten von etwa 1750 bis zur Gegenwart, mit einem starken Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert, und das Bereitstellen der Sammlungsgegenstände für die Forschung.

Schiller-Nationalmuseum: Die Präsentation der Sammlungsgegenstände für die breite Öffentlichkeit.

Durch die historische Dimension der Institution werden im Museum etwa 70 Prozent der Ausstellungsfläche für die Darstellung Schillers und der schwäbischen Dichter verwendet. Nur etwa 30 Prozent verbleiben für die Präsentation der Literatur des 20. Jahrhunderts. Im Deutschen Literaturarchiv sind die weitläufigen unterirdischen Magazine jedoch genau umgekehrt proportional, nämlich zu 70 Prozent der Literatur des 20. Jahrhunderts gewidmet.

Diese Beobachtung rechtfertigt es, legt es sogar nahe, das Deutsche Literaturarchiv als Beispiel für das Thema »Papierzerfall« heranzuziehen, denn der Sammelschwerpunkt fällt zusammen mit dem Zeitraum der Verwendung von ›problematischen Papieren‹, so daß der Kern der Sammlungen bedroht ist. Der Verlust dieses Kerns würde die gesamte Institution in Frage stellen. Das Problem des Papierzerfalls ist für das Deutsche Literaturarchiv – und somit auch für die gesamte Literatur des 20. Jahrhunderts – eine existentielle Frage.


Vom Papier

Das Problem liegt in der industriellen Papierherstellung zwischen etwa 1850 und 1970. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Papier von Hand aus einer Bütte geschöpft.6 Die Kunst stammt aus China, wo man zunächst auf reiner Seide schrieb, doch bald auch die teuren Seidenreste verwenden wollte. Die Reste wurden eingeweicht und zerschlagen und schließlich über eine Bambusmatte gegossen, um eine dünne beschreibbare Faserschicht zu erhalten. Weitere Grundstoffe – Stroh, Rinden, Hanf und alte Lumpen – wurden erprobt und der Seide zugegeben. Dieses grundlegende Verfahren zur Papierherstellung hat sich seit dieser Zeit kaum geändert:

Das Rohmaterial wird in Wasser aufgebrochen und vermengt. Es entsteht eine Suspension aus Fasern, die über eine geeignete poröse Oberfläche (Sieb) aufgebracht wird. Das überschüssige Wasser fließt ab, und die Fasern verbinden sich beim Trocknen zum Papier. Zum Trocknen werden die geschöpften Bogen auf Filztuch gelegt. Mehrere Bogen zwischen Filzen werden anschließend mehrmals und in wechselnder Reihenfolge gepreßt (Austauschen) und zum Trocknen aufgehängt. Papiere, die zum Beschreiben verwendet werden sollen, müssen schließlich auf der Oberfläche noch geleimt werden, damit die Tinte später nicht zerfließt. Nach dem Leimen, Eintauchen in eine Lösung aus Knochenleim, werden die Bogen wieder getrocknet und abschließend gepreßt. Je feiner das Papier sein soll, desto länger und höher der Druck.

Das Papier wird durch die Beigaben von Stroh, Hanf und Rinde zwar minderwertiger, doch durch die billigeren Rohstoffe bekommt eine breitere Schicht die Möglichkeit, Papier zu nutzen.7 Vielfältige Nutzungen werden erfunden von der Verpackung bis zu ganzen Wänden, wie wir sie aus der asiatischen Welt kennen.

Schließlich gelangt die Kunst der Papierherstellung über viele Stationen nach Europa. 1390 ist die erste deutsche Papiermühle zum Zerstampfen der Lumpen (Mittelhochdeutsch: Hadern) in Nürnberg beurkundet. Das Hadernpapier entsteht. Seide ist ein fester, regelmäßiger und feiner Stoff. Papier aus Hadern ist hochwertig doch im Vergleich mit Seidenpapier grob und weitere Beigaben, die zum Strecken der raren Hadern verwendet wurden, verschlechtern das Papier zusätzlich. Damit die Tinte beim Beschreiben der verhältnismäßig groben Struktur nicht zerfließt, muß das Papier nach dem Schöpfen auf der Oberfläche geleimt werden; dazu wird zunächst tierisches Material verwendet: gekochte Häute und Knorpel.

Der Hauptbestandteil des Büttenpapiers ist organisch: im wesentlichen Cellulosefasern. Die Festigkeit des Papiers beruht auf der Fähigkeit der Cellulose, Wasserstoffbrücken auszubilden. Über diese Wasserstoffbrücken verbinden sich einzelne Cellulosemoleküle zu einem festen Stoff, unserem Papier. Manche halten Papier für stabiler als manche Bauträger. Denkt man an die Kunst des Origami, die asiatischen Wände und an den japanischen Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover,8 der vollständig aus Papier gebaut war, kann man nicht widersprechen.

Das Handschöpfen ist mühsam, und Hadern – nicht so kostbar wie Seide, doch kostbar genug – sind rar. Auf das Sammeln von Hadern werden im 18. Jahrhundert Privilegien vergeben, wodurch sich Papier weiter drastisch verteuert. Gleichzeitig steigt aber der Bedarf an Papier. 1798 läßt Louis Nicolas Robert ein maschinelles Papierschöpfverfahren patentieren und läutet damit die industrielle Papierherstellung ein. Die Erfindung der Harz- oder Massenleimung von Moritz Illig im Jahre 18069 unterstützte die rationellere Schöpfmethode dadurch, daß nicht mehr die Oberfläche des bereits geschöpften Papieres geleimt wird, sondern daß das Leimmittel bereits der Fasersuspension beigegeben wird. Zwei Arbeitsgänge werden zu einem verschmolzen und dadurch rationalisiert.

Mit der Rationalisierung der Arbeitsprozesse erhöhte sich allerdings zunehmend die Rohstoffknappheit. Ein Ersatzstoff für die rar gewordenen und teuren Hadern mußte gefunden werden. In Form von Holzschliff fand ihn Gottlob Keller 1843. Heinrich Völter stellt 1852 eine entsprechende Maschine vor, die Stämme rationell zur Papierverarbeitung schleifen konnte. Freilich liefert dieses Verfahren zunächst minderwertiges Papier, doch werden Verfahren entwickelt, das harte Lignin, das für die sichtbaren Holzfasern in dem minderwertigen Papier verantwortlich ist, auszuschwemmen.

Papier gewinnt seine Festigkeit durch die Fähigkeit der Cellulose, sich über Wasserstoffbrücken mit anderen Cellulosemolekülen zu verbinden. Die Wasserstoffbrücken werden durch Zuführung von Energie, also durch Licht (Oxidation, Hydrolyse), und durch manche mechanische Manipulation langsam abgebaut. Das Papier altert.

Mit dieser industriellen Fertigung von Papier auf Holzbasis beginnt das Dilemma. Durch die Massenleimung von Moritz Illig, bei dem der Suspension Aluminiumsulfat (Alaun) direkt zugesetzt wird, wird das Papier sauer. Die Alterungsbeständigkeit wird somit produktionsbedingt vermindert, denn die Celluloseketten des Papiers werden durch das saure Milieu nach und nach über die natürliche Alterung hinaus zerstört. In holzhaltigen Papieren gegenüber Hadernpapieren ist die zersetzende Wirkung der Säure sogar noch beschleunigt. Und weiter: je mehr Lignin enthalten ist (beispielsweise in Zeitungspapier), desto schneller der Zersetzungsprozeß, da Lignin besonders stark mit der Energie des Lichtes reagiert und bei der Alterung Schwefelsäure freisetzt.10

Mitte des 20. Jahrhunderts wird zur Leimung ein neutraler Stoff erfunden, der sich aber nur langsam durchsetzt. Der genaue Zeitpunkt für eine flächendeckende neutrale Leimung muß an anderer Stelle noch diskutiert werden.

Die problematische saure Leimung wurde 1806 von Moritz Illig erfunden und 1807 von ihm beschrieben. Großflächig in Deutschland eingesetzt wurde das Verfahren erst von 1830 an und erst ab 1852 gab es Maschinen, die eine flächendeckende industrielle Fertigung von Papier mit saurer Leimung ermöglichten. Problematische Papiere werden in diesem Beitrag also diejenigen genannt, die zwischen 1830 und 1970 hergestellt wurden.

Die Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs besitzt insgesamt circa 770.000 Einheiten, die Handschriftenabteilung an die 22 Millionen einzelner Blätter: hand- und maschinenbeschrieben, auch Kopien und Hektographien. Etwa 70 Prozent dieses Bestandes besteht aus Papieren, die zwischen 1830 und 1970 im industriellen Verfahren gefertigt worden sind. Es sind also 70 Prozent vom Säurezerfall bedroht. In nackten Zahlen liest es sich so: 539.000 Bibliothekseinheiten und 15,4 Millionen Autographen sind von der dauerhaften Zerstörung bedroht. Die wichtigsten Quellen für die Erforschung der Literatur des 20. Jahrhundert drohen verloren zu gehen. Für immer.


Über Entsäuerung

Eine zur Zeit viel diskutierte Methode, problematische Papiere dennoch im Original zu erhalten, ist die sogenannte Entsäuerung. Entsäuerung ist dabei eigentlich der falsche Begriff, denn die Säure wird nicht entzogen, sondern es wird eine alkalische Reserve in das Papier eingebracht, die den Säuerungsprozeß neutralisiert und die Alterung wieder verlangsamt. Durch die Entsäuerungsmaßnahme wird das Papier nicht restauriert oder renoviert, es wird ein Status quo festgehalten. Der Zustand des Papiers wird durch die Maßnahme nicht verbessert. Der durch Alterung natürliche Verlust an Festigkeit (Zerstören der Wasserstoffbrücken in den Celluloseketten) kann dem Papier derzeit nicht wiedergegeben werden. Dies ist bei der Konzeption der Originalerhaltung durch Entsäuerung zu berücksichtigen; bereits brüchige Papiere eignen sich für diese Methode nicht. Die mechanische Belastung der Maßnahme wirkt sich im Gegenteil noch zusätzlich negativ aus.

Prioritätenlisten zu erstellen ist angesichts der Menge geschädigter Bücher und dem Mangel an finanziellen Mitteln, um die Schäden zügig in Stasis zu versetzten, notwendig. Es muß abgewogen werden, ob der Zustand eine aufwendige und kostspielige Maßnahme wie die Entsäuerung rechtfertigen kann oder ob der Kulturgegenstand einen solch hohen intrinsischen Wert besitzt, daß selbst das Festhalten eines desolaten Zustands notwendig ist, in der Hoffnung, daß Methoden zur Verfestigung von geschädigtem Papier erfunden und genügend erforscht werden, um letztlich zur Rekonvaleszenz zu führen.

Bei der Menge an saurem Papier kann nur Entsäuerung in der Masse sinnvoll sein: Massenentsäuerung. Alles was jedoch in Massen geschieht, steht der Sorgfalt eines Archivars und der Restaurierwerkstätten der einzelnen Häuser prinzipiell entgegen. Es muß mit Verlusten gerechnet werden. Die Verluste sind nach dem Grad des intrinsischen Wertes zu messen. Für das Marbacher Institut sind ausgeblutete Widmungen oder ausgeblutete rote Leineneinbände, sind Newton’sche Ringe auf Fotografien, um nur diese wenigen Beispiele aufzuführen, nicht tragbare Verluste. Trotz der Notwendigkeit von Massenbewältigung darf die Pflicht zur Erhaltung des Originals als unersetzbarer Kulturgegenstand in seiner überlieferten äußeren Form nicht vernachlässigt werden. Und – darüber bin ich sehr froh – mit den Anbieterfirmen läßt sich vernünftig darüber reden. Entsäuerungsverfahren lassen sich verbessern, wenn konstruktive Kritik die Maßnahmen begleitet. Natürlich kostet diese konstruktive Kritik wertvolle Arbeitszeit und intensive kontinuierliche Beschäftigung mit der Maßnahme. Doch davon muß man nicht die Bibliothekare, Archivare oder Restauratoren überzeugen, sondern lediglich die Geldgeber und Sponsoren.


Zu der Technik

Das Deutsche Literaturarchiv hat Probeentsäuerungen bei den in Deutschland angebotenen Entsäuerungsfirmen durchführen lassen und sich für ein geeignetes Verfahren entschieden: das Battelle-Verfahren. Es wird bei zwei Firmen, der Battelle-Ingenieurtechnik GmbH in Eschborn und dem Zentrum für Bucherhaltung (ZfB) in Leipzig, in leicht unterschiedlichen Varianten angeboten. Bevor die Erfahrungen und Ergebnisse vorgestellt werden, sollen die unterschiedlichen Verfahren selbst in aller Kürze und auf das allernotwendigste beschränkt beschrieben werden: Libertec-, Bückeburg- und Battelle-Verfahren.11

Libertec-Verfahren

Das Libertec-Verfahren12 ist ein sogenanntes Trockenverfahren. Als Entsäuerungs--(Neutralisierungs)chemikalie wird Magnesiumoxid (MgO) mit einem kleinen Anteil Calciumoxid (CaO) verwendet. Das weiße Pulver wird mit einem trockenen Luftstrom auf die aufgefächerten Buchseiten gebracht. Das Magnesiumoxid zieht die Feuchtigkeit der Luft stark an, so daß die Behandlung in sehr trockenem Milieu stattfinden muß. Sobald nämlich die Chemikalie Feuchtigkeit aufnimmt, bilden sich größere Partikel, die nicht mehr in die Struktur des Papieres eindringen können. Zunächst wird also durch einen trockenen warmen Luftstrom die Chemikalie eingebracht und fein über alle Seiten verteilt. Dann erst wird ein feuchter Luftstrom – die relative Feuchte beträgt 95 Prozent – eingebracht. Die Feuchtigkeit dient als Transportmedium für die Chemikalie von der Oberfläche in das Papier hinein, wo es zur Neutralisation führen soll.

Die Durchdringung kann nicht wirklich gemessen werden, da es sich um ein Trockenverfahren handelt, der PH-Wert sich aber nur in Wasser messen läßt. Die Messung kann also nie objektiv sein, da immer Zweifel daran bestehen bleiben, ob nicht erst die wässrige Messung selbst den Transport der Chemikalie ins Innere des Papieres bewirkt habe. An der Oberfläche, da wo die Chemikalie aufgebracht werden kann, läßt sich der PH-Wert messen; und die Ergebnisse sind zufriedenstellend. Auch ist der Nachweis geführt worden, daß unter Einfluß von Wasser eine Wanderung von MgO stattfinden kann.13

Nach der Behandlung sehen die Bücher aus wie vorher. Nur ein leichter weißer Film ist auf den Seiten festzustellen. Schlägt man ein entsäuertes Buch hart zusammen, wirbelt eine kräftige Staubwolke auf, welche recht ungefährlich ist. Allergiker klagen allerdings einhellig über Symptome wie angeschwollene Schleimhäute und Kopfschmerzen.

Bückeburg-Verfahren

Das Bückeburg-Verfahren14 ist wässrig und wird für Einzelblätter angeboten. Als Chemikalie wird Magnesiumhydrogencarbonat Mg(HCO3)2 verwendet. Gleichzeitig wird Methylhydroxyethylcellulose als Leimungsmittel zur Verfestigung des Papieres zugegeben.

Der Prozeß läuft in drei Schritten ab: Als erstes werden die Blätter senkrecht in ein Fixierbad getaucht, welches das Beschreibmittel im Entsäuerungsprozeß schützen soll. Dann erfolgt in einem zweiten Behälter die eigentliche Entsäuerung durch senkrechtes Eintauchen in die Mg(HCO3)2-Lösung. Abschließend wird in einem dritten Bad verfestigt.

Die drei Arbeitsschritte, die jedesmal eine Belastung für die Blätter darstellt, sollen auf zwei oder sogar einen Schritt zusammengeführt werden.

Das Deutsche Literaturarchiv hat Adorno- und Agronakten zur Probeentsäuerung gegeben und als Ergebnis circa 20 Prozent Ausblutungen von Stempeln und Kopierstifteinträgen zurückerhalten. Bei so sensiblen Materialien wie Autorenmanuskripten mit Korrekturvermerken im Gegensatz zu reinen Verwaltungsakten ist das Ergebnis nicht befriedigend.

Battelle-Verfahren

Das Battelle-Verfahren oder PAPERSAVE® Verfahren wird in drei Anlagen verwendet: beim Zentrum für Bucherhaltung (ZfB)15 in Leipzig, der Battelle Ingenieurtechnik GmbH16 in Eschborn und der Nitrochemie AG17 in Wimmis bei Bern. Alle drei Anlagen verwenden dieselbe Entsäuerungschemikalie, Hexamethyldisiloxan (CH3)3SiOSi(CH3)3. Der Behandlungsablauf ist folgender:

Das Archivgut wird zunächst in Chargen zu circa 500 Kilogramm in einer großen Behandlungskammer vorgetrocknet, um den gewünschten chemischen Reaktionsablauf zu erreichen. Im Vakuum wird die Restfeuchte auf weniger als 0,3 Prozent reduziert. Dann wird die Behandlungschemikalie eingebracht, wobei das Vakuum für die nötige Durchdringung der Chemikalie im Papier sorgt. Anschließend wird die restliche Lösung aus der Kammer abgepumpt und das Papier auf die üblichen circa 50 Prozent relativer Feuchte nachgetrocknet. Da die Entsäuerungschemikalie alkoholisch ist, ist eine Nachkonditionierung (Ausdünstphase) nötig. Zusammen mit der Luftfeuchtigkeit reagiert die Lösung und stellt die Neutralisation her.


Zu den Kosten und Budgets

Das Deutsche Literaturarchiv hat sich für das Battelle-Verfahren entschieden und ist zusammen mit anderen Bibliotheken und Archiven einen Rahmenvertrag mit dem ZfB eingegangen, um rasch und möglichst kostengünstig die gefährdeten Bestände zu retten. Wie oben erwähnt kann es bei dem Ausmaß der Gefährdung nur sinnvollerweise um Massenentsäuerung gehen. Dabei geht es vorerst nur um die Bibliotheksbestände, da das Battelle-Verfahren für Einzelblätter noch nicht geeignet ist. Im Verbund mit anderen ist es gelungen, einen Preis von rund 32 DM/16,36 Euro pro Kilogramm Buch zu verhandeln.

Die Dimension von Schaden und Reparatur wird aus einer Kostenberechnung nochmals aus einer anderen Perspektive anschaulich:

Die Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs besitzt circa 770.000 Einheiten. Gefährdet sind circa 70 Prozent, was 539.000 Einheiten entspricht. Die gefährdeten Bestände nehmen also circa 35.933 Regalmeter ein (15 Einheiten ergeben im Schnitt einen Regalmeter). Die gefährdeten Bestände wiegen circa 269,5 Tonnen (bei 500 Gramm pro Buch). Das entspricht etwa 500 Chargen (Transporte, Behandlungskammerfüllungen). Bei einem Kilopreis von 32 DM kostet die Entsäuerung der 539.000 Einheiten oder der 269,5 Tonnen Archivgut 8.624.000 DM oder 4.409.381 Euro.18 Der Entsäuerungsetat des Deutschen Literaturarchivs liegt derzeit noch bei 170.000 DM oder 86.919,62 Euro pro Jahr. Die Entsäuerungsdauer der gefährdeten Bibliotheksbestände liegt demnach budgetbedingt bei 50,73 Jahren. Hinzu kommt die Einzelblattbehandlung der Handschriften – unserer Unikate –, Graphiken und Plakate der Bildabteilung und Zeitungsausschnitte, Verlagsprospekte, Theaterzettel und ähnliches aus der Dokumentationsstelle.

In verschiedenen Aktionen haben einige Institutionen Spendenmittel in beträchtlicher Höhe eingeworben; so auch das Deutsche Literaturarchiv über eine Aktion in der Wochenzeitung Die Zeit. Dennoch kann dem Problem neben verfahrenstechnischen Unzulänglichkeiten aus Budgetgründen nicht adäquat begegnet werden. Es muß zwischen den Institutionen koordinierte Aktionen geben, um wenigstens im Bundesgebiet das kulturelle schriftliche Erbe zu bewahren. So berichtet Renate Schostack von einer Tagung in München mit der Überlegung:

»Was also wird gerettet? Eine Prioritätenliste aufzustellen ist schwierig. Wer Bücher liebt, schreckt davor zurück. Es gibt unverzichtbare Werke, auf die sich eine Expertenrunde sofort einigen kann. Indes, die allermeisten Werke sind wie die Pflanzen eines Gartens, die zur Vielfalt und Farbigkeit beitragen. […] Der Schluß lautet: Jedes Buch ist unverzichtbar.«19

»Jedes Buch ist unverzichtbar.« sagt sie. Natürlich. Das ist erkannt und bekannt. Es gibt bereits ein Gremium, zusammengesetzt aus den Direktoren der zehn wichtigsten Bibliotheken Deutschlands, die »Allianz zur Erhaltung schriftlichen Kulturgutes«, die unsere Bibliotheken koordinieren soll, so daß von jedem Buch in Deutschland zumindest eines gerettet wird.20 So verteilt sich die Last (verteilen sich auch die Kosten), und vielleicht gelingt die Rettung aller Bücher nur durch eine bundesweite Prioritätenliste. Das Deutsche Literaturarchiv wird sich natürlich an der Allianz beteiligen. Dennoch kann der Ausgangssatz für die einzelnen Institutionen nicht allein lauten: »Jedes Buch ist unverzichtbar.«, sondern vielmehr »Jedes Buch im Garten ist unverzichtbar«. Und in Deutschland gibt es viele Bibliotheksgärten, die farblich anders strahlen und deshalb andere Maßstäbe an ihre Bücher anlegen. Es nützt uns Gärtnern nur wenig, wenn eine Blume im anderen Garten blüht, während sie im eigenen verdorrt. Die Frage des intrinsischen Wertes jeden einzelnen Buches muß trotz der nötigen globalen Strategien in jeder Bibliothek und in jedem Archiv gestellt und nach dem eigenen Standpunkt beantwortet werden.

Der Begriff ›intrinsic value‹ wurde 1982 in Amerika in die Fachdiskussion eingebracht.21›Intrinsic‹ heißt »of or pertaining to the essential nature of a thing; inherent«.22›Intrinsic value‹ heißt also wörtlich übersetzt ›immanenter Wert‹.

Als Fachbegriff soll ›intrinsischer Wert‹ ausdrücken, daß Objekte einen »eigenständigen überlieferungsbedingten äußeren oder formalen Wert« besitzen. Dabei ist der Begriff nicht auf Bücher allein anzuwenden, sondern im Deutschen Literaturarchiv sind das Handschriften, Bücher, Kunstgegenstände wie Bilder, Skulpturen, Totenmasken, aber auch Gebrauchsgegenstände von Schriftstellern wie etwa Pfeifen, Koffer, Möbel, Schreibutensilien, eben alles, was mit den Nachlässen ins Haus kommt.

Die Frage ist, was in Marbach nicht »überlieferungsbedingten Wert« besitzt? Ist Walsers Gehülfe aus Celans Besitz etwas anderes als aus dem Besitz von Oskar Loerke? Überlieferungsbedingt ja. Welches erhalten wir? Dasjenige mit mehr Autographen darin? Dasjenige mit den wichtigeren Autographen? Wer entscheidet das? – Der Versuch, einen klaren Begriff zur Entscheidungsfindung zu schaffen, scheitert schon hier, denn es müssen Grade von intrinsischen Werten angegeben werden. Es gibt Objekte mit höherem intrinsischem Wert und Objekte mit niedrigerem. Jeder Garten ist anders, und so fällt die Entscheidung jeweils anders aus. Ein Kriterienkatalog kann nur rein positivistisch, niemals normativ sein.23

Die Situation des Deutschen Literaturarchivs macht die Frage nach dem intrinsischen Wert dadurch recht simpel, daß zum Wesen des Institutes eine Museumsabteilung gehört mit dem Auftrag, die Schätze des Archivs in Dauer- und Wechselausstellungen zu zeigen. Nahezu alle Objekte besitzen daher einen hohen intrinsischen Wert. Und so kommt der Originalerhaltung sämtlicher Bestände ein ebenso hoher Stellenwert zu. Zur Originalerhaltung der problematischen Papiere gibt es nur eine Lösung: die Entsäuerungsmaßnahme.


Über die Originalerhaltung

Da Bakers Behauptung, bei richtigem Handling könnte man auch saures Papier dauerhaft bewahren, die Fachwelt erschüttert hat, muß hier kurz auf passive Erhaltungsmaßnahmen eingegangen werden. Dazu gehören die Lagerung, die klimatischen Bedingungen und der Lichtschutz.

Die klimatischen Bedingungen in den Magazinen können abhängig gemacht werden von den Objekten, die zu bewahren sind. Für Papiere gilt in der Regel immer noch 18°C bei circa 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit.24 Dies ist für Klimaanlagen eine schwierige Aufgabe. Sie müssen sehr groß dimensioniert sein, um einen solch konstanten Wert zu halten. Wichtiger als die Temperatur von 18°C ist die Konstanz der Temperatur, beziehungsweise das Vermeiden von großen Schwankungen. Das Zulassen eines ›saisonalen Gleitens‹ ist aus konservatorischer Sicht vertretbar. Das bedeutet, im Sommer wird eine Temperatur bis zu etwa 20°C zugelassen, im Winter werden niedrige Temperaturen bis 16°C akzeptiert. Die Luftfeuchtigkeit darf schwanken zwischen 50 und 55 Prozent relativer Feuchtigkeit, je nach Temperatur. Diese Bedingungen kann eine kleiner dimensionierte Anlage bewältigen. Dadurch werden Kosten gespart, ohne die Objekte zu gefährden. – Günstig wirkt sich eine Heiztechnik aus, die bereits die Römer kannten und Hypokaustenheizung nannten. Heute nennt man die Technik ›Bauteiltemperierung‹. Durch sie wird ein angenehmes Raumklima durch Strahlungswärme über größere Bauteile – beispielsweise eine ganze Wand – geschaffen. Die Bauteiltemperierung sorgt für eine solide Grundtemperatur und entlastet die Klimaanlage. Diese Überlegungen sind besonders dann interessant, wenn die Archivalien zugänglich sein müssen, wie in einem Museum oder in einem Lesesaal für Rara.

Beim Lichtschutz gelten 50 Lux als vertretbar.25 So sind viele Museen und Lesesäle dunkel und unwirtlich, weil Tageslicht völlig ausgeschaltet wird und künstliches Licht drastisch heruntergedimmt wird. Diese Zahl muß zumindest dahingehend relativiert werden, daß es heißt ›50 Lux am Objekt‹. Besser noch ist es, vom Spektrum zu handeln: Der für Papierobjekte schädigende, weil energiereiche Anteil des Lichtes liegt im Bereich 300-380 nm. Dieses Spektrum muß ausgefiltert werden. Es gibt heute Lichtschutzfolien, die diesen Bereich von 300-380 nm nahezu vollständig ausfiltern (Durchlässigkeit zwischen 0 und 1 Prozent). Vom weniger schädlichen sichtbaren Licht nehmen sie circa 97 Prozent. So werden niedrige Luxzahlen erreicht, ohne den Raum allzu dunkel halten zu müssen. Der Raumeindruck ist auch deshalb angenehmer, weil die Folien die Sicht ins Freie zulassen und so heller wirken als tatsächlich gemessen wird.26

Zur passiven Originalerhaltung gehört auch etwas, was sehr unbeliebt ist: Kontrollierte Benutzung oder besser: Einschränkung der Benutzung. Jede mechanische Manipulation schädigt Originale: Herausnahme aus dem Regal und der Verpackung, Blättern, Wenden, Bewegen, Berühren und damit Aufbringen von Schweiß und Schmutz, Biegen eines Buchrückens. Alles bekannte Probleme. Um den Status quo eines Objektes zu erhalten ist es manchmal nötig, die Benutzung einzuschränken. Konkret: Keine Ausleihe mehr oder nur in den Lesesaal oder nur dann in den Lesesaal, wenn ein besonderes Forschungsinteresse nachgewiesen werden kann. Durch eingeschränkte Benutzung ist aber ein wesentlicher Auftrag öffentlicher Bibliotheken, nämlich gerade die Sicherstellung der Benutzbarkeit, gefährdet. Es müssen in solchen Fällen also aktive Maßnahmen ergriffen werden, um den Informationsgehalt der Objekte weiter benutzbar zu halten.

Hier helfen die vielfältigen Möglichkeiten der technischen Reproduzierbarkeit. Sekundärformen können in vielen Fällen schon helfen, das Original zu entlasten. Ich will der Einfachheit halber hier einmal von Handschriftenblättern und Büchern sprechen, Analoges gilt für Bilder und Objekte.

Dabei steht als erstes die Kopie oder das Faksimile. Man kann auch fachlicher ›preservation reprint‹ sagen. Ein gutes Faksimile kann in einer Ausstellung den intendierten Zweck oft erfüllen. Für die Benutzung reicht oft eine einfache Kopie aus.

Eine aus konservatorischer Sicht bessere Sekundärform als die Kopie ist der Scan. Die Kopie nutzt sich schnell ab, und es muß eine neue Kopie hergestellt werden. Die hohe Lichtmenge bei der Belichtung und die mechanische Manipulation schädigt das Papier jedes Mal beträchtlich, so daß möglichst nur einmal eine solche Maßnahme ergriffen werden sollte. Durch das Scannen erreicht man eine abnutzungsfreie Sekundärform, die reproduzierbar ist durch Kopieren der Datei und durch die Möglichkeit, Ausdrucke zu machen, die einer Kopie gleichkommen. Die Wahrscheinlichkeit, nochmals auf das Original zum Zwecke der Reproduktion zurückgreifen zu müssen, ist gering. Von weiteren Möglichkeiten wie gleichzeitige Benutzung an verschiedenen Orten im Intra- und Internet, Weiterverarbeitbarkeit zum Druck, Ausschnittsvergrößerungen usw. will ich an dieser Stelle nicht sprechen. Es ist offensichtlich, daß diese Sekundärform manche Vorteile für die Benutzung bringt bei gleichzeitiger Schonung des Originals.

Das Problem der Haltbarkeit ist bei der dritten Sekundärform am besten erforscht und unter dem Aspekt der Archivierung und Langzeitsicherung die zur Zeit einzig empfehlenswerte: Mikrofilm oder Mikrofiche.27 Diese wirksame aber auch kostspielige Art, den Informationsgehalt zu sichern und das Original dadurch zu schützen, daß es wenig aus dem Magazin bewegt werden muß, ist verbreitet und vielfach diskutiert worden, weshalb ich mich auf die bloße Erwähnung beschränken kann.

All diese passiven Maßnahmen werden im Deutschen Literaturarchiv angewandt und weiter optimiert. Trotzdem besteht kein Zweifel daran, daß die problematischen Papiere vom Zerfall bedroht sind, wenn nicht aktive Maßnahmen ergriffen werden. Und dazu gehört im wesentlichen die Entsäuerung.


Zu den Risiken

Nach ausgiebigen Voruntersuchungen und Probeentsäuerungen hat sich das Deutsche Literaturarchiv – wie bereits erwähnt – für ein Entsäuerungsverfahren entschieden: das Battelle-Verfahren beim ZfB. Durch einen Rahmenvertrag mit mehreren Institutionen konnte ein guter Marktpreis ausgehandelt werden. Angesichts der hohen Kosten und der Dringlichkeit der Maßnahme wurden Prioritäten schnell festgelegt. Als erstes wurden wichtige Nachlässe (Buchsammlungen) für die Entsäuerung vorgesehen: die Bibliothek Badenhop (90 laufende Meter), die Bibliothek Gottfried Benn (28 laufende Meter), das Jean-Paul Archiv (95 laufende Meter), Hauptmann-Sammlungen (22 laufende Meter), das Hesse-Archiv (110 laufende Meter), die Kolportagesammlung Kosch (50 laufende Meter), die Bibliothek Wilhelm Lehmann (133 laufende Meter), das Rilke-Archiv (70 laufende Meter) und Kurt Wolffs Verlagsproduktionen (23 laufende Meter).

Die Sammlungen sind sehr heterogen zusammengesetzt. Sowohl zeitlich gesehen, wie von den Papier- und Umschlagsorten, wie auch von den Formaten. Es muß eine Vorselektion stattfinden, die Bücher aussondert, die vor 1830 (Einführung der industriellen Papierherstellung in Deutschland)28 und nach etwa 1970 (Herstellung mit neutraler Leimung). Ebenfalls müssen Pergamentbände ausgesondert werden, da sie nicht vom Zerfall bedroht sind. Auch Bücher mit Ledereinbänden werden selektiert, da dem Leder durch die Entsäuerungschemikalie Fett entzogen wird, was zu Schäden führen kann. Zu stark beschädigte Bücher (Schadensklasse 329) sollten ebenfalls ausgesondert werden, da ihnen jegliche Manipulation weiter schadet und durch die Entsäuerung keine Besserung beschert werden kann.

Es muß also im Bestand jede Einheit in Augenschein genommen und nach den genannten Kriterien selektiert werden. Ein mühevolles und zeitintensives Verfahren, das große Sachkenntnis voraussetzt.

Hieran knüpft sich bereits die erste Kritik bei der Behandlung. Pergamentbände und Büttenpapiere, die nicht gefährdet sind, wurden der Entsäuerung zugeführt. Andererseits wurden gestrichene Papiere als säurefrei bezeichnet, obwohl sie zum Risikopapier gehören.

Auch logistische Probleme ergaben sich im Zusammenhang mit der Vorselektion: Zunächst wurden alle Bände eines Auftrages abgeholt und in Leipzig vorselektiert. Ausgesonderte Bände (25-40 Prozent) verblieben während der gesamten Behandlungsdauer von zehn Wochen in Leipzig. Die Bücher können in dieser Zeit nicht für Forschungszwecke in Marbach verwendet werden.

Als Ergebnis dieser ersten Erfahrungen wurde die Selektion von unseren eigenen Restauratoren30 im Hause durchgeführt. Dadurch verminderte sich auch ein weiteres Problem: Die zur Entsäuerung anstehenden Bücher werden in Transportbehälter gepackt und zur Anlage gefahren. Dort werden sie in Gitterbehältnisse umgepackt, die in die Entsäuerungskammer gebracht werden. Zur Nachkonditionierung werden die Bücher in Regale gestellt, um schließlich wieder in Transportbehältnissen zurücktransportiert zu werden. Dieses vielfältige Handling bleibt den vorselektierten Einheiten erspart.

Ein gravierenderes Problem ergab sich bei Schwarzweißabbildungen. Wahrscheinlich durch mangelnde, zu kurze Vortrocknung reagierte die Chemikalie auf der Oberfläche der Abbildungen und bildete Newton’sche Ringe; schlierenartige Ablagerungen, die wie Öl in einer Pfütze farbig schimmern. Ein Bildband aus dem Besitz von Hermann Hesse über das Wallis ist für Ausstellungen unbrauchbar geworden.

Mangelnde Sorgfalt durch zu große Eile bei der Maßnahme führte zu mehrfachem Stempeln der Bücher.31 Rationelle Arbeitsweise führt zur Ausdifferenzierung der Arbeitsschritte und somit zur Dissoziation mit dem Objekt. Ein Phänomen, das bei jeder industriellen Fertigung beobachtet werden kann. Doch bei Kulturgegenständen ist mangelnde Sorgfalt fatal und den Bemühungen im täglichen Umgang in den Bibliotheken und Archiven diametral. Es verändert die überlieferungsbedingte Form unnötig. Selbst scheinbar kleine Veränderungen sind untragbar, zum Beispiel Verschmierungen von Tinten, ausgeblutete rote Einbände oder der Abklatsch eines Stempels, weil nicht die nötige Zeit zum Trocknen der Stempelfarbe gegeben wurde.

Als schließlich ausgeblutete Einsteckzettel mit Kugelschreiber oder Computerausdrucken, weitere doppelte und dreifache Stempelungen vorkamen, oder die Stempelung im Buch nicht mit den Behandlungsprotokollen übereinstimmte, wurden die Maßnahmen vorerst gestoppt. Auch die Vorselektion blieb problematisch. Trotz der Dringlichkeit darf die gebotene Sorgfalt nicht außer Acht gelassen werden.

Das Gespräch mit dem Anbieter wurde gesucht und konstruktiv geführt. Da parallel zur Massenbehandlung weitere Probeentsäuerungen bei anderen Anbietern durchgeführt wurden, konnte rasch umgesattelt werden. Die Firma Schempp32 bietet umfassende Leistungen zusammen mit dem Battelle-Institut in Eschborn zu vergleichbarem Preis an.33 Die Logistik überzeugte – Bücher werden vor Ort von einem Restaurator selektiert und sofort in die Behandlungskörbe formatrein34 gepackt, so wie sie wieder ins Haus zurückkommen. Die mechanische Manipulation wird so auf ein Minimum reduziert und selektierte Bände bleiben für die Benutzung verfügbar. Ausblutungsgefährdete Bände (rote Einbände) werden mit einem Schutzumschlag aus Löschkarton versehen und in Extrakörben gehalten. Schäden durch Ausbluten oder Newton’sche Ringe traten nicht auf, noch gab es sonstige Probleme, die auf mangelnde Sorgfalt zurückzuführen sind. Die Fehlerrate bei der Vorselektion liegt nach eigener Kontrolle in akzeptablem Bereich unter fünf Prozent.

Die Verfahren und die industriell anmutende Logistik stehen noch am Anfang. Eine Fehlerquote von bis zu fünf Prozent muß in Kauf genommen werden, wenn man in der Masse Abhilfe erwartet. Dennoch darf einem hohen Qualitätsstandard nicht abgeschworen werden, da es um das kulturelle Gedächtnis eines ganzen Jahrhunderts geht, das unwiederbringlich zu zerfallen droht. Darin sind sich Bibliotheken und Anbieter einig. Wirtschaftliche Überlegungen bringen die Parteien auseinander, doch gleichzeitig auch wieder zusammen, denn ohne befriedigende Leistung werden keine Aufträge vergeben. Je schlechter die Leistung, desto eher wird auf andere Anbieter und auf Sekundärformen übergegangen, die bereits besser erprobt sind, wie etwa die Mikroverfilmung. Es ist also wichtig, als Kunde die Qualitätsansprüche deutlich zu artikulieren und mit den Anbietern zu diskutieren. Diese, so unsere Erfahrung, haben dafür auch offene Ohren.



Zum Abschluss

Zum digitalen Gedächtnis

Bei allen Schwierigkeiten mit problematischen Papieren muß auch an einen Ersatzstoff gedacht werden. Digitale Medien haben das Buch nicht verdrängt und werden es meiner Meinung nach auch nicht so schnell verdrängen, doch haben sie sich etabliert und teilweise bestehen sie neben dem Buch mit identischem Inhalt.35 Elektronische Kulturobjekte sind entstanden. Bibliotheken wie das Deutsche Literaturarchiv haben auch den Auftrag, ›digitally born texts‹ zu sammeln, zu erhalten und den Benutzern anzubieten. Auch elektronische Texte sind irgendwie Originale und besitzen intrinsischen Wert. Sie stellen Bestandserhalter aber vor fast unlösbare Probleme. Es wird hier und da der Versuch unternommen, die Elektronik als Sekundärform zum Schutze des Papieroriginals einzusetzen. Ich habe dies selbst vorgeschlagen. Doch die Probleme damit sind nicht geringer als die mit saurem Papier. Während saures Papier immerhin noch altert, also mehr oder weniger langsam schwächer wird, gibt es bei digitalen Medien entweder Lesbarkeit oder Unlesbarkeit. Wann der Wechsel geschieht, ist nicht festzustellen, wird nicht angezeigt, geschieht unerwartet und plötzlich. Zu diesem Problem gesellt sich zusätzlich die rasante Weiterentwicklung der Hard- und Software.36

Die Langzeitverfügbarkeit elektronischer Dokumente hängt einerseits von dem Speichermedium ab, doch mehr noch von der technischen Weiterentwicklung der Lese- und Verarbeitungsgeräte sowie der verwendeten Betriebssysteme. Hightech-Systeme veralten paradoxerweise besonders schnell.

Um die Informationen dennoch verfügbar zu halten und zu archivieren, gibt es derzeit drei Ansätze: die Migration, die Emulation und die Konversion.37

Migration

Sie halten die Information ›jung‹, indem Sie bei jedem Technik-Sprung das Format des Datenträgers anpassen, sprich von einer 5 Zoll-Diskette auf eine 3,5 Zoll-Diskette umkopieren beziehungsweise von einer CD-ROM auf eine DVD.38

Bei der Migration sichert man nur die reine Information in der Hoffnung, daß kommende Generationen technisch so fortschrittlich sind, daß sie die ›gesicherte‹ Information wieder hervorholen können.

Emulation

Bei der Emulation wird versucht, die System-Vergangenheit zu emulieren, also die ursprüngliche Hardware- und Betriebssystem-Umgebung nachzuahmen, um die digitale Information in ihrer ursprünglichen Software-Umgebung zugänglich zu machen und zugänglich zu halten. Dabei werden die Datenträger migriert, auf denen die Information, das Betriebssystem und die Anwendersoftware gespeichert sind. Diese werden mit einer ausführlichen Dokumentation der Hardware, Software und Funktionalität sowie einer Beschreibung, wie alle diese Komponenten ineinandergreifen, archiviert. Diese Dokumentation wiederum muß durch eine Art Migration ›jung‹ gehalten werden, angepaßt auf neuen Sprachgebrauch und neue Technologie, welche die Emulation vollführen soll.

Hält man diese Emulation für unmöglich, muß man Hard- und Software in ihrem ursprünglichen Zustand im Lager vorhalten. Eine Dokumentation, wie diese zu bedienen sind, muß erstellt werden und migrieren, wobei jeweils die sich verändernde Fachsprache berücksichtigt werden muß.

Dieses ›Technikmuseum‹ – welches meines Wissens nur das Bundeskriminalamt so vorhält – bedingt einen großen logistischen und technischen Aufwand (Lagerraum, Ersatzteillager und qualifizierte Techniker, die gegebenenfalls Ersatzteile selbst fertigen können). – Das ist kaum zu machen.

Konversion

Die dritte Möglichkeit der Langzeitverfügbarkeit digitaler Informationen versucht, die Information auf konventionelle Art zu archivieren, auf Mikrofiches oder Papier. Die Funktionalität geht vollständig verloren.

Welcher dieser Wege ist nun für Bestandserhalter gangbar? Der hohe technische, finanzielle und zeitliche Aufwand der Emulation ist zu scheuen, besonders bei einer so unsicheren Erfolgschance, die sich auf kommende Technik verlassen muß. Die Migration ist bei uns in Marbach gängige Praxis, doch ist sie keine Lösung für den Benutzerverkehr.

Keiner dieser Ansätze hilft aber, wenn beispielsweise die noch junge Autorin Nika Bertram sagen wir im Jahr 2050 ihren Vorlaß (der Nachlaß zu Lebzeiten) ans Archiv verkauft und ihre Kahuna39 Flowcharts mit dem Programm ›Inspiration‹ oder ähnliches in unsere grünen Archivkästen packt. Liefert sie dann auch das Programm mit? Und die Beschreibung? Am besten, sie bewahrt ihren Computer ebenfalls auf. Da wir nicht damit rechnen können, daß Autoren ihre Daten selbst migrieren, emulieren oder konvertieren, werden wir zunehmend Material bekommen, das wir nicht handeln können.

Bestandserhalter müssen die Migration und die Konversion völlig ausschließen, da sie die Werke nicht in ihrer ursprünglichen »physischen« Form erhalten.

Als Produzent von elektronischen Texten gibt es auf die drei unzureichenden Archivierungsmethoden nur eine einzige Antwort: Es muß überlegt werden, wie diese Probleme schon bei der Anlage eines Projektes vermieden werden können. Es muß systemunabhängig gearbeitet werden! Als Produzent von Hypertexten darf man nicht in Abhängigkeit von Hardware gelangen, nicht von Diskettenformaten oder Prozessorleistung. Hypertextautoren, das sind derzeit Editionsphilologen, Pädagogen und Autorinnen und Autoren, dürfen erst gar nicht in Abhängigkeit von Software gelangen, dürfen nicht in Abhängigkeit von Betriebssystemversionen oder neueren Entwicklungen der Lesesoftware (Browser) gelangen.40 Vorausgesetzt sie halten ihre Leistung für erhaltenswürdig. Doch auf solche Produktionsüberlegungen haben Bestandserhalter keinen Einfluß.

Die Frage, die sich stellt, ist: Was ist denn beim elektronischen Text das Kulturobjekt mit intrinsischem Wert? Der reine Text? Der Text auf einer CD-ROM mit diamond box und booklet? Migriere ich den Inhalt der CD-ROM auf Festplatte, habe ich den intrinsischen Wert des Objektes ernst genommen?

Hinzu kommt natürlich für ein Archiv wie das unsrige, daß es kaum zu bewältigen ist, die vielschichtigen Verlinkungen, die aus einem online-verfügbaren literarischen Text ins W3 laufen können, vollständig zu archivieren. Wo also bei der Archivierung einen Schnitt machen, ohne das Kunstwerk zu einem Torso zu verstümmeln? – Und muß ich mir nicht auch die Frage stellen, ob ein literarischer Text, der einen Link auf die Webpage einer Bank setzt, ein anderer Text wird, wenn es diese Bank oder die Webpage nicht mehr gibt. Muß ich diesen neuen Text nun wieder archivieren? Als zweite Auflage etwa?

Ist Internet-Literatur transitorische Kunst, Aktionskunst wie Straßenmusik, Theateraufführungen et cetera, die nur bedingt archiviert und verfügbar gehalten werden können über Rezensionen etwa oder über einen Film eines Lesegangs durch einen Hypertext?

Die Gattung ist noch nicht genügend definiert! Das mag ein Glück sein, doch sehe ich bei aller Sympathie für die Möglichkeiten der Elektronik große Probleme für Bestandserhalter. Neben den großen Problemen der sauren Bücher darf der intrinsische Wert elektronischer Texte nicht vergessen werden. Konzepte für die Originalerhaltung elektronischer Texte in ihrer überlieferten äußeren Form müssen rasch erarbeitet werden, denn sie werden schneller zerfallen als unser schlechtestes Papier!


Zum Stand

Papier als Datenträger und als bewahrenswertes Original läßt sich kaum ersetzen. Deshalb sind Entsäuerungsmaßnahmen bundesweit im Gange. Doch hat keine deutsche Anlage bisher ihre Leistungskapazität erreicht. Viele Institutionen halten sich noch zurück, weil das nötige Know-how fehlt, um die richtige Wahl zu treffen oder um die Maßnahmen fachkundig begleiten zu können. Auch wegen der deprimierenden Laufzeiten von fünfzig und mehr Jahren bei gleichbleibenden Budgets. Aber auch, weil die Verfahren noch keine wirklichen Massenverfahren sind. Bei der Vorselektion werden Lederbände, Pergamenteinbände und kritisches Material mit vielen Autographen ausgenommen. Doch das Papier ist problematisch und gefährdet. Sie bleiben zurück und harren einer Lösung. Dabei ist wieder ein logistisches Problem zu überwinden: erneute Selektion aus den entsäuerten und unproblematischen Papieren. Es ist ein Verwaltungsaufwand nötig, der zeit- und letztlich kostenintensiv ist.

Zu dem Dilemma des Papierzerfalls tritt nun auch ein marktpolitisches Dilemma hinzu: Die Marge auf dem Entsäuerungsmarkt ist gering. Das führte zu einem drastischen Preisverfall bei gleichzeitigen hohen Investitionskosten bei den Anbietern. Wirkt sich dieser Nischenkampf normalerweise durch niedrige Preise positiv auf den Kunden aus,41 so ist er im Zusammenhang mit der Bewahrung von Kulturgut zu beklagen. Denn niedrige Margen führen zu Rationalisierung und Standardisierung, was der Sorgfaltspflicht meist nicht entspricht. Öffentliche Institute werden oft aus haushaltsrechtlichen Gründen gezwungen, günstigeren Angeboten den Zuschlag zu geben, statt der Qualität höchste Priorität einzuräumen. Größeres Vertrauen in den Sachverstand der Restauratoren und Bestandserhalter wäre angebracht, auch wenn es scheinbar zu höheren Ausgaben zwingt. Nicht bedacht werden nämlich die Kosten für Folgeschäden der Massenentsäuerungsmaßnahmen, für Reparatur, für Neubeschaffung und für die Kontrolle. Höhere Preise heben den Standard; dieser senkt letztlich wieder die Kosten.

Von insgesamt 39.533 laufenden Metern an gefährdetem Bibliotheksmaterial im Deutschen Literaturarchiv sind bisher unter großen Bemühungen 989 laufende Meter entsäuert worden. Das entspricht 2,5 Prozent. Ein langer Weg liegt also noch vor uns. Und nicht genug: Marbach ist für seine Handschriften berühmt und begehrt. 22 Millionen Einzelblätter warten noch auf eine Kur. Doch wer will eine Fehlerquote von fünf oder mehr Prozent bei einer Kafka-Handschrift riskieren. Wer riskiert die Naßbehandlung eines kunstvoll farbig bemalten Briefes von Else Lasker-Schüler? Wer wollte Celan in die Entsäuerung geben bei drohenden irreversiblen Pannen? Wie der Hund in Christa Wolfs Kein Ort. Nirgends, der von zwei Herren gleichzeitig gerufen wird, wollte man sich als Bestandserhalter am liebsten zwischen Zerfall und Verlust durch technische Unzulänglichkeiten schlafen legen und nichts tun. Doch diese Unverantwortlichkeit darf um den Preis des Verlustes unseres kulturellen Gedächtnisses nicht aufkommen. »Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt.«42 Allen Kollegen und allen Anbietern – auch denen, die in dieser Anfangsphase noch mit Problemen zu kämpfen haben – muß eher ein »carpe diem« zugerufen werden. Dabei muß hartnäckig die höchste Qualität eingefordert werden, trotz oder gerade wegen des scheinbar unaufhaltbaren und grauenvollen Verfalls, dem wir hoffnungsvoll trotzen.


Anmerkungen

1 Helmut Bansa: Papierchemie: einige unentbehrliche Grundbegriffe. In: Dauerhaftigkeit von Papier. Frankfurt am Main 1980 (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, Sonderheft 31), S. 1; das Motto stammt von S. 2 dieser Schrift.

2 Die Zeit, 25. November 1999.

3 Bayerische Staatszeitung, 13. März 2001.

4 Der Tagesspiegel, 10. November 2001.

5 Vgl. http://www.dla-marbach.de (gesehen am 1.10.2001), besonders das »Verzeichnis der Nachlässe und Sammlungen des Deutschen Literaturarchivs Marbach«.

6 Einen sehr guten Überblick über die Papiertradition gibt der Katalog von Herman Kühn und Lutz Michel : Papier. Katalog der Ausstellung. München Deutsches Museum 1986.

7 Im Liwon Nation Park in Malawi wird jährlich eine Tonne Elefantenkot gesammelt und zusammen mit recyceltem Papier zu neuem Briefpapier verarbeitet. Vgl. www.expo2000.de (gesehen am 2.10.2001).

8 Im 72 Meter langen japanischen Pavillon von Shigeru Ban wurden 8500 Meter Papprollen, je 20 cm dick, und 440 Pappröhren von 12 cm Durchmesser verbaut.

9 Moritz Illig: Anleitung auf eine sichere einfache wohlfeile Art Papier in der Masse zu leimen. 1807.

10 Nicholson Baker bezweifelt diese chemisch nachweisbare Tatsache nicht, doch zweifelt er an den Prognosen über die Lebensdauer solchen Papiers und klagt vor allem britische und US-amerikanische Bibliotheken an, auf die Mikrofilmlobby hereingefallen zu sein. Seiner Meinung nach hält Papier bei guter Lagerung und bei richtigem Handling ebenso lange wie das angebliche Heilmittel Mikrofilm. Angesichts der offensichtlichen Probleme in unseren Bibliotheken ist diese Aussage freilich unhaltbar, dennoch hat sein Buch gleich nach Erscheinen große Aufregung in Deutschland verursacht. – Ich frage mich, warum sein Buch auf säurefreiem Papier gedruckt wurde. Vgl. Nicholson Baker: Double Fold. Libraries and the Assault on Paper. New York 2001.

11 Ein weiteres Verfahren besteht schon seit längerem, wurde jedoch bisher noch nicht vom Deutschen Literaturarchiv erprobt, da es in Europa nur in den Niederlanden angeboten wird: das Bookkeeper-Verfahren. Weitere Verfahren wie das Dolomitverfahren (ZfB) oder das Verfahren von SOBU in Nürnberg sind in der Entwicklungsphase.

12 Libertec Bibliotheksdienst GmbH, Nürnberg. http://www.libertec.de (gesehen am 3.10.2001).

13 Vgl. das Gutachten von Dr. M. Moll vom Institut für Anorganische Chemie der Universität Erlangen-Nürnberg mit dem Titel »Ergebnisse der Klimakammerversuche von unbehandelten Buchseiten und Buchseiten, die nach dem LIBERTEC-Verfahren behandelt wurden« vom 26. Juni 2000.

14 Neschen AG, Bückeburg. http://www.neschen.de (gesehen am 3.10.2001).

15 http://www.zfb.com (gesehen am 3.10.2001).

16 http://www.battelle.de (gesehen am 3.10.2001).

17 http://www.nitrochemie.com (gesehen am 3.10.2001). Lizenzvereinbarungen schließen derzeit Auftragsannahmen aus dem deutschen Bundesgebiet aus.

18 Der Preis von 32 DM pro Kilogramm schließt weder Logistik noch Vorselektion und Nachkontrolle ein. Der reale Wert liegt um circa 10 DM höher. Die Gesamtkosten liegen also realiter bei 11.319.000 DM bzw. 5.787.312,80 Euro.

19 Renate Schostack: Glanz und Elend der Bayerischen Staatsbibliothek. Im Kampf um den Büchererhalt werden jetzt dringend Paten gesucht: Ihre Vornehmheit muß die edle Dame von der Ludwigstraße aber ein wenig abstreifen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Februar 2001, S. 51.

20 Vgl. Ruth Herrmann: Allianz gegen Papierfraß. Ein Münchner Symposion berät über zerfallende Bücher und vermodernde Handschriften. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. März 2001, S. 46. »Zumindest ein Exemplar jedes Druckwerkes in Deutschland müßte für nachkommende Generationen erhalten werden.«

21 Intrinsic Value in Archival Material. Staff Information Paper 21, National Archives and Records Service. Washington 1982.

22 The American Heritage Dictionary (Boston: Houghton Mifflin Company 1982).

23 Wissenschaftliche Untersuchungen über die Verfahren selbst können dabei nur helfen, das Risikopotential der Maßnahme besser einzuschätzen. Vgl. das DFG geförderte Forschungsprojekt »Kriterien zur Entscheidung über die Anwendbarkeit von Massenkonservierungsverfahren« an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart unter Leitung von Prof. Dr. Gerhard Banik. Zur Risikoabschätzung siehe Jonathan Ashley-Smith: Risk Assessment for Object Conservation. Oxford 1999.

24 Vgl. Hartmut Böhrenz, Kommission für Bestandserhaltung des DBI. Grundsätze bei der Konservierung von bibliothekarischen Sammelgut.

25 Vgl. Böhrenz (wie Anm. 24).

26 Vgl. zu diesem Thema auch Gerd Brinkhus: Originalerhaltung um welchen Preis? In: Bibliotheksdienst 34 (2000), Heft 5, S. 726–736.

27 Vgl. Barbara Keimer: Mikroverfilmung als bestandserhaltende Maßnahme – Risiken und Grenzen. In: Bestandserhaltung – Werkstoffe – Technologie. Hrsg. von Gerhard Banik. Stuttgart, 2001, S. 25–26.

28 Das Deutsche Literaturarchiv hat sogar zunächst 1806 als Zeitpunkt festgesetzt, der Erfindung der Massenleimung durch Moritz Illig. Inzwischen ist der Zeitpunkt auf 1825 korrigiert worden.

29 Vgl. Die vier Schadensklassen nach Bansa gehen von den Werten 0 (ohne Befund) bis 3 (stark geschädigt). Vgl. http://www.bsb-muenchen.de/BESTANDS/besterh.htm (gesehen am 3.10.2001).

30 An dieser Stelle danke ich Frau Boehme und Frau Küsters für Ihren gewissenhaften und äußerst fachkundigen Einsatz bei den aufwendigen Entsäuerungsmaßnahmen im Deutschen Literaturarchiv und für viele Hinweise und Ratschläge, die in diesen Beitrag Eingang gefunden haben. Eine halbe Restauratorenstelle ist ausschließlich der Begleitung der Entsäuerungsmaßnahmen gewidmet. Wie sich herausgestellt hat ist dies eine der wesentlichen qualitätssichernden Maßnahmen im langen Prozeß der Massenentsäuerung.

31 Zur Identifizierung der Entsäuerungsmaßnahme wird ein kleiner Stempel mit dem Datum der Maßnahme angebracht.

32 http://www.schempp.de (gesehen am 4.10.2001).

33 Die Sammlung Glück, mit insgesamt 368 laufenden Metern, wurde bei Schempp in Auftrag gegeben.

34 Es werden Oktavbände und Foliobände wegen der besseren und schonenderen Raumausnutzung in den Körben separat gepackt.

35 Vgl. etwa Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka. Berlin 1997.

36 Sie kennen das Problem: Versuchen Sie nur einmal, MS Word der Version 1.0 auf Ihrem heutigen Rechner zu installieren. Sie scheitern bereits an der Lieferung von MS Word 1.0 auf 5-Zoll-Disketten.

37 Vgl. Hartmut Weber: Archiv-Server/Server-Archive – Wie sehen die Kulturspeicher der Zukunft aus? In: Computergestützte Text-Edition. Hrsg. von Roland Kamzelak. Tübingen, 1999, S. 135–141.

38 Digital Versatile Disk.

39 Nika Bertram: Der Kahuna-Modus. Berlin 2001, http://www.kahunamodus.de (gesehen am 3.10.2001).

40 Diese systemunabhängige Lösung gibt es ja schon seit einer geraumen Weile; sie ist zu finden in der Standard Generalized Markup Language (SGML).

41 Vgl. ganz aktuell das Gerangel auf dem Telefonmarkt.

42 Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends. Berlin und Weimar 1979.

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